Kartenzahlung in Corona-Zeiten: Vorsicht vor versteckten Gebühren

In Corona-Zeiten bittet der Einzelhandel um Kartenzahlung. Was vielen nicht bewusst ist: Immer mehr Banken verlangen dafür Geld.
| Klaus Wiendl
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Ein Kunde zahlt in einem Supermarkt mit einer EC-Karte an der Kasse.
Daniel Karmann/dpa Ein Kunde zahlt in einem Supermarkt mit einer EC-Karte an der Kasse.

"Gerne weisen wir Sie darauf hin, dass wir unsere Hygienevorschriften sehr ernst nehmen", steht auf einem Informationsblatt im Fenster der Aldi-Süd-Filiale Fürstenfeldbruck. Daher sollten die Kunden verstärkt kontaktlos und mit Karte zahlen, da die Filialen vermehrt auf Kartenzahlung umgestellt wurden, so Aldi-Pressesprecherin Nastran Amirhaj.

In Supermärkten sind teilweise 40 Prozent der Einkäufe mit Karte bezahlt worden, heißt es laut einer Erhebung von Aldi Süd. So kam es, dass dort eine Kundin erst nach langem Hin und Her bar bezahlen konnte. Doch Aldi versicherte, dass Bargeld weiterhin akzeptiert werde.

Dies dürfte von finanziellem Vorteil für die Kunden sein, denn jede zweite Bank der 820 Sparkassen und Volksbanken kassiert beim bargeldlosen Zahlungsverkehr ordentlich ab, ergab ein aktueller Test des Verbraucherportals "Biallo".

Durchschnittlich werden 34 Cent pro Transaktion verlangt

So kommen mehrere hundert Euro Zusatzkosten durch Kartenzahlungen auf Giro-Konten-Besitzer zu. Durchschnittlich verlangen die Kreditinstitute 34 Cent pro Transaktion, ob bei einem Kaffee to go oder beim Metzger.

Bei der Sparkasse Oberland sind es laut "Biallo" sogar 60 Cent pro Buchung, bei der Raiffeisenbank München-Süd 50 Cent, bei der Münchner Bank im Kontomodell "Ehrlich" noch 30 Cent pro Buchung.

Bei mehreren Zahlungen am Tag kommt am Ende des Jahres eine stolze Summe bei klassischen Girokonten zusammen. "Legt man zwei oder drei Zahlungsvorgänge am Tag zugrunde, käme man bei den teuersten Banken auf 300 bis 400 Euro bis Jahresende", so Finanzexperte Horst Biallo (66).

Für Kunden sei diese Masche oft nicht einsehbar. Sie zahlen unwissentlich bei zahlreichen Geldinstituten drauf. "Besonders fies ist es, dass bei fast allen Banken diese Gebühren mit Begriffen wie ‚beleglose Buchungen’ oder ‚Transaktionsgebühren’ getarnt werden", beklagt Biallo unisono mit Verbraucherzentralen: "Statt ehrlich und offen die Entgelte für Kartenzahlungen konkret zu nennen, werden diese im Preisverzeichnis regelmäßig unter Buchungsposten versteckt." Nur durch direktes Nachfragen würden Kunden informiert.

Im Zweifel lieber bar zahlen, rät Finanzexperte Biallo

Die Banken verteidigen ihr Geschäftsmodell. "Das liegt im geschäftspolitischen Ermessen der Banken", erklärt Pressesprecher Steffen Steudels vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) "Dies ist nicht einheitlich geregelt", heißt es auf Nachfrage von Biallo beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV).

Deshalb rät der Finanzexperte die Geldscheine im Laden auf den Tisch zu legen. "Solange man nicht weiß, ob die eigene Bank die Gebühren berechnet, sollte man bar zahlen".


Die teuersten in Bayern

Das Finanzportal "Biallo" listet in der aktuellen Auswertung auch für die einzelnen Bundesländer die Top Zehn der Sparkassen und VR-Banken auf, die für Kartenzahlung am meisten Gebühren verlangen. In Bayern stehen dabei an der Spitze die Sparkasse Oberland und die Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren, bei denen jede beleglose Zahlung 60 Cent kostet.

Danach folgen mit je 50 Cent pro Zahlung die Raiffeisenbank München-Süd, die Sparkasse Dachau, die Volksbank Raiffeisenbank Dachau, die Allgäuer Volksbank, die Raiffeisenbank Allgäuer Land, die Raiffeisenbank Sulzbach-Rosenberg und die Sparkasse Landkreis Schwandorf. Bei der Schrobenhausener Bank kostet die Zahlung 49 Cent.

Hier kostet es nichts

Auch wenn viele für die Kartenzahlung Geld verlangen, gibt es laut "Biallo" von den 820 untersuchten Sparkassen und VR-Banken immerhin 419, die keine Gebühren verlangen. Laut Portal empfiehlt es sich, zunächst nachzufragen, ob für das eigene Konto Gebühren beziehungsweise Buchungskosten anfallen.

Auch ein Wechsel zu einem Konto mit höherem Pauschalpreis, der aber alle Gebühren einschließt, kann sinnvoll sein. Wer seine Bank wechseln will und nicht zwingend Kontakt vor Ort braucht, dem empfiehlt "Biallo" die Online-Konten von DKB (DKB Cash), ING (Girokonto) und Meine Bank (Online Only Konto). Es gibt aber auch Banken mit Kundenkontakt, die kostenlose Girokonten anbieten. Eine detaillierte Auflistung gibt es unter: www.biallo.de/girokonto/ratgeber/kostenloses-girokonto/

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