Jeder zehnte junge Mensch nicht in Bildung oder Arbeit

Gegen den europäischen Trend steigt in Deutschland der Anteil junger Menschen, die ohne Job oder Bildungsplatz ins Leben starten. Das birgt für sie und für die Gesellschaft zahlreiche Risiken.
dpa |
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen  AZ als Quelle bevorzugen
Ohne Job oder Ausbildung: Der Anteil steigt in Deutschland. (Archivbild)
Ohne Job oder Ausbildung: Der Anteil steigt in Deutschland. (Archivbild) © Helena Dolderer/dpa
Wiesbaden

In Deutschland steigt der Anteil junger Menschen, die ohne Job, Bildungs- oder Ausbildungsplatz dastehen. Im vergangenen Jahr traf das auf 10,0 Prozent der Menschen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren zu, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Im Jahr davor waren es noch 9,5 Prozent, 2022 nur 8,8 Prozent. 

Ein hoher Anteil von jungen Menschen, die weder in Bildung, Ausbildung noch im Job stecken, birgt zahlreiche gesellschaftliche Risiken wie Arbeitslosigkeit, geringe Teilhabe, steigende Kriminalität oder politische Frustration. 

Auf der Suche nach den Gründen heißt es im nationalen Bildungsbericht aus dem Jahr 2024, dass etwa ein Viertel der Betroffenen auf Arbeitssuche sei. Rund 10 Prozent standen kurz vor der Aufnahme eines Studiums, einer Ausbildung oder eines Jobs. Nahezu zwei Drittel standen dem Arbeitsmarkt aber erst gar nicht zur Verfügung. Sie nannten häufig Betreuungspflichten und gesundheitliche Probleme als Hinderungsgründe. 

Echte Ausbildungsgarantie gefordert

Einem wachsenden Teil der Jugendlichen gelinge der Übergang von Schule in Ausbildung und von Ausbildung in Arbeit nicht mehr, stellt Bettina Kohlrausch von der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung fest. "Für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bedeutet dies eine unsichere Zukunftsperspektive und eine höchstwahrscheinlich sehr holprige Erwerbskarriere. Für den deutschen Arbeitsmarkt bedeutet es, dass wichtige Fachkräfte verloren gehen." Abhilfe könne eine echte Ausbildungsgarantie bringen. 

Im internationalen Vergleich lieg die sogenannte NEET-Quote (Not in Employment, Education or Training - Nicht in Ausbildung, Weiterbildung oder Beschäftigung) in Deutschland zwar deutlich unter dem EU-Schnitt von 12,9 Prozent. In den Niederlanden (5,6 Prozent) sowie Schweden oder Tschechien mit je gut sieben Prozent gibt es aber deutlich niedrigere Werte. Am höchsten ist die Quote in Rumänien mit fast einem Viertel (22,8 Prozent) unversorgter Jugendlicher, gefolgt von Bulgarien (17,3 Prozent) und Frankreich (16,2 Prozent).

Junge Frauen häufiger außen vor

Junge Frauen sind aktuell mit anteilig 10,5 Prozent etwas häufiger betroffen als junge Männer mit 9,6 Prozent. Anders als im europäischen Bild sind in Deutschland auf dem Land weniger junge Menschen ohne Ausbildung oder Beschäftigung (7,9 Prozent) als in den größeren Städten (10,6 Prozent). 

"Wenn jeder zehnte junge Mensch weder in Bildung, Ausbildung noch in Arbeit ist, läuft etwas schief", sagt die Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier. Deutschland suche händeringend Fachkräfte, gleichzeitig stünden zu viele junge Menschen ohne Ausbildung oder Job da. Sie fordert: "Statt in Jobcentern und Arbeitsagenturen immer mehr über Druck und Sanktionen zu reden, muss das Fördern wieder stärker in den Mittelpunkt, mit guter Beratung, Qualifizierung und Unterstützung beim Einstieg in Arbeit."

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen
lädt ... nicht eingeloggt
 
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.