Interview

Insolvenzexperte zum Fall Wirecard: "Eigentümer schauen in die Röhre"

Ein Frankfurter Jurist und Insolvenzexperte erklärt, was im Fall Wirecard schiefgelaufen ist - und die Folgen.
| Clemens Hagen
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Blick in den großen Saal im Löwenbräukeller vor Beginn der ersten Gläubigerversammlung im Wirecard-Insolvenzverfahren.
Blick in den großen Saal im Löwenbräukeller vor Beginn der ersten Gläubigerversammlung im Wirecard-Insolvenzverfahren. © Sven Hoppe/dpa

Daniel Herper, Jurist aus Frankfurt und Insolvenzexperte erzählt im AZ-Interview unter anderem, ob und wann Wirecard-Gläubiger ihr Geld wiederbekommen.

Der 36-jährige Jurist Daniel Herper ist bei der Sozietät FPS in der Beratung von Gläubigern im Zuge einer Krise oder Insolvenz ihrer Geschäfts- und Vertragspartner tätig.
Der 36-jährige Jurist Daniel Herper ist bei der Sozietät FPS in der Beratung von Gläubigern im Zuge einer Krise oder Insolvenz ihrer Geschäfts- und Vertragspartner tätig. © FPS

Wirecard-Insolvenz: Viele Faktoren können Rolle gespielt haben

AZ: Herr Herper, wie kann es sein, dass das Geschäftsmodell eines Dax-Konzerns zu großen Teilen aus Luftbuchungen besteht - und keiner merkt's. So wie im Fall Wirecard.
DANIEL HERPER: Die Geschäftsmodelle im Bereich der Zahlungsabwicklung sind ja nicht per se schlecht. Und als solches auch nicht verboten. Deshalb gab es nach der Insolvenz auch zahlreiche Interessenten für das Kerngeschäft. Dass hier etwas schiefgelaufen ist, liegt daher wohl nicht am Geschäftszweck selbst. Nachdem, was in der Presse zu lesen ist, könnte es an einzelnen Personen gelegen haben, die immer größer, höher, schneller wollten. Auch Aufsichtsparteien könnten eine Rolle gespielt haben, sowohl die für die Prüfung als auch die für die Überwachung zuständigen. Wer wann und wo geschlafen hat, wird der Lauf der Zeit zeigen. Und ob das fahrlässig passiert ist oder ob da Beteiligte auf operativer Ebene zusammengearbeitet haben.

Gibt es bald Geld für die Gläubiger?

Die Frage, die die vielen Gläubiger am Mittwoch im Löwenbräukeller am meisten beschäftigt haben dürfte: Bekommen wir unser Geld wieder?
Das hängt davon ab, wie viel Vermögen noch vorhanden ist. Der Insolvenzverwalter muss sich zuerst einen Überblick über die Vermögensverhältnisse schaffen und er muss Vermögensgegenstände sichern. Dann muss er alles eintreiben, was noch offen ist. Das muss er verwerten, also aus harten Assets (Vermögenswerte, d. Red.) Liquidität machen. Das ist bis jetzt zum Teil erfolgt. Das Kerngeschäft wurde an Santander verkauft. Mit diesem Geld und den anderen Erlösen können die Gläubiger mit entsprechender Quote befriedigt werden.

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Werden sie das denn erfahrungsgemäß?
Die durchschnittliche Insolvenzquote in Deutschland liegt bei um die fünf Prozent. Wenn es mehr gibt, kann man schon zufrieden sein. Es werden auch nicht alle Gläubiger gleich befriedigt, sondern es gibt eine bestimmte Reihenfolge. Am besten gestellt sind die, die Sicherheiten für ihre Forderungen haben, in aller Regel sind das Banken. Dann kommen einfache Insolvenzgläubiger wie Dienstleister, Vermieter, Arbeitnehmer. Auf der letzten Stufe stehen die Eigentümer - von institutionellen Investoren bis zum kleinsten Kleinanleger. Auf dieser Stufe braucht man keinen Regenschirm, da bleibt man sehr trocken. Heißt: In aller Regel schauen die nachrangigen Gläubiger, und damit eben auch die Eigentümer, in die Röhre.

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