Inflationsrate steigt auf 2,2 Prozent - Lebensmittel teurer

Lebensmittel sind teurer, Energie ist günstiger als ein Jahr zuvor. Doch warum spüren viele Menschen trotzdem wenig Entlastung? Was hinter der aktuellen Inflationsrate steckt.
Jörn Bender und Alexander Sturm, dpa |
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Der tägliche Einkauf ist bei vielen Verbrauchern teurer als vor einem Jahr. (Symbolbild)
Der tägliche Einkauf ist bei vielen Verbrauchern teurer als vor einem Jahr. (Symbolbild) © Philip Dulian/dpa
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Wiesbaden

Das Leben in Deutschland hat sich im August wieder stärker verteuert. Die Verbraucherpreise lagen um 2,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilt. Für Juni und Juli hatten die Wiesbadener Statistiker noch jeweils eine Inflationsrate von 2,0 Prozent errechnet. Von Juli auf August des laufenden Jahres stiegen die Preise um 0,1 Prozent. Nach Einschätzung von Volkswirten müssen sich die Menschen hierzulande auch für die kommenden Monate auf Teuerungsraten über der Zwei-Prozent-Marke einstellen.

"Die Inflation ist hartnäckiger als gedacht", kommentiert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die Kerninflation - also die Rate ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie - liegt seit inzwischen drei Monaten bei 2,7 Prozent.

Je höher die Inflationsrate, desto geringer die Kaufkraft der Menschen: Sie können sich für einen Euro dann weniger leisten. Obwohl die große Teuerungswelle vorerst ausgelaufen ist, die Deutschland nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine erfasste, belasten zum Beispiel gestiegene Lebensmittelpreise viele Verbraucher.

Verbraucher haben mehr Geld in der Tasche

Immerhin haben viele Beschäftigte auch mehr Geld in der Tasche: Im zweiten Quartal stiegen die Löhne dem Statistischen Bundesamt zufolge mit 4,1 Prozent erneut stärker als die Verbraucherpreise. Daraus ergibt sich eine Reallohnsteigerung um 1,9 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Kaufkraftverluste vor allem aus den Jahren 2022 und 2023 werden somit zunehmend ausgeglichen. Berücksichtigt man die Inflation, ist das Lohn-Niveau von 2019 nach Angaben der Förderbank KfW aber noch nicht erreicht.

Kaffee und Schokolade deutlich teurer

Auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank, rechnet vorerst nicht mit einem weiteren spürbaren Rückgang der Inflationsrate: "Die Kerninflationsrate scheint keine Anstalten zu machen, weiter nachgeben zu wollen. Gleichzeitig lässt der preisdämpfende Effekt der Energiepreise nach und die Lebensmittelpreise könnten tendenziell wieder etwas stärker zulegen."

Im August mussten die Menschen hierzulande für Nahrungsmittel 2,5 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Im Juli hatten die Nahrungsmittelpreise um 2,2 Prozent zugelegt. In der Spitze im März waren es sogar 3,0 Prozent.

Nach Daten aus den Bundesländern verteuerten sich in diesem August etwa Kaffee und Schokolade teilweise um bis zu ein Viertel verglichen mit dem Vorjahresmonat. Auch die Preise für Obst zogen an, während die Statistiker bei einigen Gemüsesorten regional Preisrückgänge verzeichneten.

Preisrückgang bei Energie flacht ab

Energie war nach den vorläufigen Berechnungen der Statistiker im August 2,4 Prozent billiger als ein Jahr zuvor. Im August vor einem Jahr waren die Energiepreise allerdings sehr viel deutlicher gesunken. Im Jahresvergleich wirkt das daher nun wie eine Preissteigerung - ein sogenannter Basiseffekt, der die aktuelle Inflationsrate nach oben treibt.

Moderate Teuerung erwartet nach Preiswelle

Für das Gesamtjahr erwarten Volkswirte für Europas größte Volkswirtschaft im Schnitt eine Inflationsrate um die zwei Prozent. Bei mittelfristig 2,0 Prozent Teuerung sieht die Europäische Zentralbank (EZB) für den Euroraum als Ganzes ihr Ziel stabiler Preise und somit einer stabilen Währung erfüllt. 

Dauerhaft niedrige Preise gelten ebenso wie zu stark steigende Preise als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten bei stark sinkenden Preisen Investitionen aufschieben in der Erwartung, dass es noch billiger wird. Angesichts des Preisauftriebs im August rechnen viele Ökonomen nicht damit, dass die EZB im September die Leitzinsen im Euroraum weiter senken wird.

Im Gesamtjahr 2022 war die Inflation in Deutschland auf 6,9 Prozent geschnellt, 2023 waren es 5,9 Prozent. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 kletterten die Preise für Energie und Lebensmittel sprunghaft. Im vergangenen Jahr flaute die Teuerung auf 2,2 Prozent ab.

Dienstleistungen verteuern sich nicht mehr so stark

Gesunken ist in den vergangenen Monaten auch die überdurchschnittlich hohe Teuerung bei Dienstleistungen, zu denen etwa Gaststättenbesuche, Autoreparaturen und Versicherungen zählen. Im August ging es jedoch nicht weiter nach unten: Dienstleistungen waren wie im Juli 3,1 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Ein Grund für die gestiegenen Preise für Dienstleistungen sind gestiegene Löhne.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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