Steigende Energiepreise treiben Inflation auf 2,9 Prozent

Hohe Energiepreise heizen die Teuerung in Deutschland an. Mit der Entlastung an der Tankstelle ist es vorerst vorbei. Volkswirte rechnen mit weiter steigenden Verbraucherpreisen.
von  Jörn Bender und Alexander Sturm, dpa
Der Krieg im Iran hat Öl verteuert, das bekommen Autofahrer hierzulande an der Tankstelle zu spüren.
Der Krieg im Iran hat Öl verteuert, das bekommen Autofahrer hierzulande an der Tankstelle zu spüren. © Bernd Weißbrod/dpa

Hohe Energiepreise haben die Teuerung in Deutschland erneut bis knapp unter die Drei-Prozent-Marke getrieben. Wie im April erreichte die Inflationsrate im August 2,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen errechnet hat. Stärker gestiegen sind die Verbraucherpreise in Europas größter Volkswirtschaft zuletzt im Dezember 2023 mit damals 3,7 Prozent.

"Die mit 2,9 Prozent etwas höhere Inflation im August ist wie in den Vormonaten auf stärker gestiegene Preise für Kraftstoffe und Heizöl zurückzuführen", erläuterte Silke Tober, Inflationsexpertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung.

Drei Prozent Inflation im Herbst?

Elmar Völker, Analyst bei der LBBW, meint: "Die schlechte Nachricht ist, dass eine schnelle Entspannung nicht in Sicht ist, so dass die Inflation im Herbst abermals über 3 Prozent klettern könnte. Die gute Nachricht ist: Höhere Inflationsraten setzen sich bis dato nicht in der Breite des Preisgefüges fest."

Nach dem Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs hatte die Bundesregierung im Mai und Juni für etwas Entlastung für Autofahrer gesorgt: Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel wurde vorübergehend um knapp 17 Cent pro Liter gesenkt. Doch nach dem Auslaufen dieses Tankrabatts sprang die Inflationsrate direkt um 0,5 Punkte auf 2,8 Prozent im Juli nach oben.

Energiepreise ziehen stark an - Lebensmittel kaum teurer

Zentraler Preistreiber war auch im August Energie. Fürs Tanken und Heizen mussten Verbraucherinnen und Verbraucher 10,5 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Nahrungsmittel verteuerten sich dagegen nur leicht um 0,1 Prozent. In den drei Monaten zuvor waren die Lebensmittelpreise jeweils um 0,4 Prozent gestiegen.

Insgesamt zogen die Verbraucherpreise von Juli auf August des laufenden Jahres den Angaben der Statistiker zufolge um 0,2 Prozent an. Die sogenannte Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie verharrte demnach im August bei 2,4 Prozent.

Inflationsrate könnte weiter steigen

Nach Einschätzung der Bundesbank könnte sich das Leben in Deutschland in den nächsten Monaten vorübergehend weiter verteuern. Denn der Iran-Konflikt schwelt weiter, mit der Folge, dass die für den internationalen Energiehandel wichtige Meerenge Straße von Hormus faktisch blockiert bleibt. 

 

Autofahrer in Deutschland bekommen das an der Zapfsäule zu spüren. Nach Einschätzung des ADAC könnte 2026 das bislang teuerste Tankjahr überhaupt werden. Und je länger die Energiepreise hoch bleiben, umso größer die Gefahr, dass auch andere Preise steigen, weil zum Beispiel Transport und Kühlung von Lebensmitteln teurer werden. Dazu kommen die Folgen von Hitze und Trockenheit, die die Ernte schmälern.

Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft beim Fondsanbieter Union Investment, geht zwar davon aus, dass der Inflationsgipfel erreicht ist. "Der Rückgang der Teuerung wird allerdings zäh. Höhere Kosten stecken weiterhin in Teilen des Warenkorbs, vor allem bei Nahrungsmitteln und Gütern mit hohen Transportkosten", meint er.

Michael Heise, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter HQ Trust, prognostiziert: "Bei den Dienstleistungen ist kurzfristig kaum mit einer deutlichen Entspannung zu rechnen. Steigende Erzeugerpreise sprechen auch bei Waren für anhaltenden Preisdruck." Im August setzte sich vorerst der Trend zu einem nachlassenden Preisauftrieb bei Dienstleistungen fort, die Preise hier lagen um 2,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Tariflöhne steigen wohl stärker als die Preise

Je höher die Teuerungsrate, umso geringer die Kaufkraft der Menschen: Sie können sich für einen Euro dann weniger leisten und halten sich mit größeren Anschaffungen zurück. Der private Konsum, der in guten Zeiten eine wichtige Stütze der Konjunktur ist, schwächelt seit Monaten.

Millionen Tarifbeschäftigte können zumindest darauf hoffen, dass sie nach Abzug der Inflation dieses Jahr etwas mehr Geld im Portemonnaie haben. Unter dem Strich könnte ein realer Lohnzuwachs von 0,7 Prozent bleiben, wie das WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung errechnet hat. Allerdings wird sich erst am Ende des Jahres zeigen, ob die Rechnung aufgeht, denn die Teuerungsrate könnte noch steigen und in einigen großen Branchen gibt es bisher keine Tarifabschlüsse, die das WSI berücksichtigen konnte.

Hebt die EZB die Leitzinsen an?

Weil zuletzt auch die Inflation im Euroraum stieg - im Juli auf 2,9 Prozent - erwarten Volkswirte, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer nächsten Sitzung am 10. September die Leitzinsen im Euroraum zum zweiten Mal in diesem Jahr anheben wird. Mit höheren Zinsen kann die Notenbank die Inflation dämpfen, weil dann Kredite teurer werden und die Nachfrage gebremst wird. Die EZB strebt für den Euroraum mittelfristig eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an. Bei dieser Marke sieht sie ihr oberstes Ziel erfüllt: für stabile Preise und einen stabilen Euro zu sorgen.

Derzeit liegt der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins im Euroraum bei 2,25 Prozent. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sprach sich jüngst in einem Interview für höhere Leitzinsen zur Eindämmung der Inflationsrisiken aus. Beim aktuellen Leitzins sei es unwahrscheinlich, dass die Inflation mittelfristig auf das anvisierte Ziel von 2,0 Prozent zurückkehre, sagte Schnabel: "Daher wird eine weitere Straffung erforderlich sein."

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