IG BAU fordert 6,8 Prozent mehr Lohn und Wegegeld

Die Bauarbeiter wollen am Boom ihrer Branche in Deutschland teilhaben. Bei den anstehenden Tarifverhandlungen kommt aber noch ein zweiter Dauerbrenner zur Sprache.
| dpa
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Bauarbeiter in Berlin: Die IG Bau verlangt eine "faire Beteiligung" am anhaltenden Boom der Branche.
Christoph Soeder/dpa/dpa Bauarbeiter in Berlin: Die IG Bau verlangt eine "faire Beteiligung" am anhaltenden Boom der Branche.

Frankfurt/Berlin - Am Bau zeichnet sich eine kontroverse Tarifrunde ab: Die IG Bauen-Agrar-Umwelt will für die rund 850.000 Beschäftigten im deutschen Bauhauptgewerbe Gehaltssteigerungen von 6,8 Prozent, mindestens aber 230 Euro durchsetzen.

Zusätzlich müsse über ein Wegegeld gesprochen werden, mit dem die Anreisezeit zu den wechselnden Baustellen ausgeglichen werden soll. Die Untergrenze bei der Lohnforderung würde die Gehälter in den unteren Lohngruppen um bis zu 9,5 Prozent anheben.

Das am Donnerstag von der Bundes-Tarifkommission der IG BAU beschlossene Forderungspaket stieß bei den Arbeitgebern auf strikte Ablehnung. Die Forderung stehe in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Lage vieler Bauunternehmen, erklärte der Vizepräsident des Zentralverbandes Deutsches Baugewerbe (ZDB), Uwe Nostitz, am Freitag in Berlin. Die vermeintlich hohen Umsatzzuwächse würden durch die steigenden Kosten "weitgehend aufgefressen".

Die Wege zur Baustelle sollten nicht mehr in der unbezahlten Freizeit stattfinden, sondern materiell ausgeglichen werden, verlangte die Gewerkschaft. "Unsere Kollegen und Kolleginnen fahren oft stundenlang zur Baustelle und von dort wieder zurück. Sie haben keinen Einfluss darauf, ob es zehn, hundert oder zweihundert Kilometer sind. Bisher erhalten sie dafür aber keinen müden Cent oder einen anderen Ausgleich. Das ist eine ungerechte Benachteiligung gegenüber stationär Arbeitenden, die endlich abgeschafft werden muss", erklärte dazu der Verhandlungsführer der IG BAU, Carsten Burckhardt.

Der ZDB sieht hingegen keinen Anlass, über ein Wegegeld zu verhandeln, da es bereits Regelungen gebe. Das ist zum einen die so genannte Baustellenpauschale, die als Zuschlag von 2,5 Prozent auf jede außerhalb des Firmensitzes geleistete Arbeitsstunde gezahlt werde. Zum anderen haben Beschäftigte Ansprüche auf Unterkunfts- und Verpflegungspauschalen, wenn der Einsatzort mehr als 50 Kilometer oder 75 Minuten Fahrzeit entfernt sei.

Diese Pauschalen zielten alleine auf Übernachtungen und lösten nicht das Problem der täglichen Anfahrten, entgegnete ein Gewerkschaftssprecher. Die Baustellenpauschale werde zudem nicht für die Wegezeit, sondern für allgemeine Erschwernisse auf externen Baustellen gezahlt. Die Gewerkschaft hatte bereits in der vorangegangen Tarifrunde 2018 ein Wegegeld verlangt.

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