Hohe Zinsen drücken Kaufpreise in Metropolen, Mieten steigen

Die Zinsen für zehnjährige Immobilienkredite sind auf einen Höchststand seit der Finanzkrise gestiegen. Am Wohnungsmarkt hinterlässt das Spuren - und verstärkt den Druck auf die Mieten noch weiter.
von  dpa
Wohnungen in Berlin: Die Preise in Metropolen stehen wegen hoher Zinsen unter Druck (Archivbild)
Wohnungen in Berlin: Die Preise in Metropolen stehen wegen hoher Zinsen unter Druck (Archivbild) © Sebastian Gollnow/dpa

Stark gestiegene Kreditzinsen drücken dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge die Immobilienpreise in Metropolen, während die Mieten kräftig steigen. Im dritten Quartal kosteten Wohnungen in den sieben größten Städten Deutschlands fast ein Prozent weniger als ein Jahr zuvor und Häuser 2,3 Prozent weniger, wie eine Studie des IW zeigt. Besonders stark fielen demnach die Preise in Stuttgart mit 3,9 Prozent, Berlin mit 2,0 Prozent und in Köln mit 1,3 Prozent.

Deutschlandweit stagnierten die Preise für Wohneigentum. "Damit liegen die Preise gut zehn Prozent unter dem Höchststand von 2022", schrieben die IW-Immobilienökonomen Michael Voigtländer und Pekka Sagner.

Mit Inflationssorgen und steigenden Leitzinsen haben die Kreditzinsen stark zugelegt: Die durchschnittliche Verzinsung zehnjähriger Immobiliendarlehen kletterte nach Daten des Finanzierungsvermittlers Interhyp zuletzt auf rund 4,5 Prozent - der höchste Stand seit der Finanzkrise 2009.

Haushalte müssen mehr für Kredite zahlen

Den Zinsanstieg spüren Haushalte, die einen Immobilienkredit aufnehmen. Bei einer Summe von 300.000 Euro und zwei Prozent Tilgung zahlten sie Anfang des Jahres rund 1.450 Euro pro Monat, rechnet das IW vor. "Heute sind es gut 1.600 Euro - ein Plus von mehr als zehn Prozent."

Auch Investoren mit viel Eigenkapital hielten sich zurück. Denn Staatsanleihen werfen mit Sorgen über hohe Schulden in Ländern wie Frankreich wieder mehr Rendite ab, sodass Immobilien als Investment an Attraktivität verlieren.

Grundlage der Studie sind Wohnungsinserate, die aus der Value-Marktdatenbank stammen, einem etablierten Informationssystem für die Wohnungswirtschaft. Die Daten bilden den öffentlichen Wohnungsmarkt laut IW repräsentativ ab.

"Zahlungskräftige Haushalte zurück auf dem Mietmarkt"

Anders als bei den Kaufpreisen habe der Aufwärtsdruck bei den Mieten zugenommen, analysiert das IW. Die Angebotsmieten stiegen demnach bundesweit um 4,5 und im Umland der Metropolen um 5,2 Prozent. In den Metropolen kletterten die Mieten um 3,8 Prozent und damit unterdurchschnittlich - mit Ausnahme von Hamburg: Dort stiegen die Mieten laut IW um fast sieben Prozent.

"Hohe Zinsen treiben zahlungskräftige Haushalte zurück auf den Mietmarkt", sagt IW-Experte Voigtländer. Das erhöhe die Nachfrage, ohne dass das Angebot wachse. Hinzu kommen steigende Baukosten, da Bauen viel Energie verbrauche. Deshalb dürfte weniger gebaut werden, was die Mieten weiter in die Höhe treibe. "Der Staat sollte gegensteuern, etwa mit Bürgschaften für private Immobilienkredite. Das kostet wenig und stabilisiert den Markt."

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