Geld-Anlage in der Corona-Krise: Am besten mischen!

Gerade Mischfonds sind in schwierigen Zeiten bei Anlegern populär. Aber halten sie auch, was sie versprechen?
| Veronika Csizi
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Fondsmanager Alexander Wagner.
Carsten Lerp Fondsmanager Alexander Wagner.

München - Ganze 112 Milliarden Euro haben Anleger in Deutschland zwischen Anfang 2015 und Ende 2019 in Mischfonds platziert. Keiner Fondskategorie schanzten Kleinanleger in den vergangenen Jahren mehr Geld zu.

Mischfonds investieren in Aktien und Anleihen und wollen damit Risiken aus der Geldanlage nehmen

Die Papiere investieren in Aktien und Anleihen, manchmal auch in Immobilien und Rohstoffe – und wollen damit vor allem Risiken aus der Geldanlage nehmen. Kippen die Börsen, so das Ziel, können Anleihen und andere defensivere Papiere das Minus abfedern.

In den jüngsten Turbulenzen an den Aktienmärkten sei dies einigen auch gelungen, hat eine Analyse des Berliner RatingUnternehmens Scope nun ergeben. Die zehn besten Mischfonds schafften es, im beobachteten Zeitraum zwischen 16. Februar und 23. März nur zwischen 1,4 und 8,2 Prozent ins Minus zu rutschen. Der MSCI World, wichtigster weltweiter Aktienindex, verlor in diesem Zeitraum jedoch 31 Prozent.

Lampe Sicav Liquid Return hat sich am besten gehalten

Am besten gehalten, stellten die Analysten von Scope fest, habe sich der erst 2017 aufgelegte Lampe Sicav Liquid Return, der im Crash nur 1,4 Prozent verloren hat. Allerdings hat der Fonds auch die jüngste knapp 30-prozentige Gegenbewegung an den Aktienmärkten verpasst, denn er ist gegenwärtig eigentlich kein Mischfonds mehr: Fast sämtliche Anlegergelder stecken in Anleihen. Die Wertentwicklung im April ist deshalb ebenfalls im Minus steckengeblieben.

Nicht viel anders ist es beim Zweitplatzierten von Scope, dem Axa Defensiv Invest. Der Fonds ist zu 87 Prozent in Anleihen investiert, er hält aktuell exakt null Prozent in Aktien. Den Crash hat er damit mit einem Minus von nur vier Prozent überstanden.

Die Nerven ihrer Anleger geschont haben auch der DWS Concept DJE Alpha Renten Global mit minus 4,7 Prozent sowie der Sigma Plus Konservativ aus dem Hause der Deka, der Fondstochter der Sparkassen und der Schweizer Vontobel Fund Multi Asset defensiv, beide mit einem Minus von 6,7 Prozent. Alle defensiven Mischfonds sind auch im Normalbetrieb mit eher niedrigen Aktienquoten unterwegs, meist liegen sie bei maximal 30 bis 35 Prozent des Portfolios.

Union Investment verwaltet größten Mischfonds in Deutschland

Den bei weitem größten Mischfonds in Deutschland verwaltet Union Investment, die Fondsgesellschaft der genossenschaftlichen Volksund Raiffeisenbank-Gruppe: Gut 18 Milliarden Euro stecken derzeit im "PrivatFonds: kontrolliert", der sich selbst als eine Art Vermögensverwaltung für kleine Anleger innerhalb eines einzigen Papiers versteht.

Der Fonds kann in Assets aller Art investieren, neben Aktien und Anleihen auch in Geldmarktinstrumente, Junkbonds, Währungen, Rohstoffe, Derivate und andere Fonds. Die Aktienquote soll je nach Marktphase zwischen fünf und 45 Prozent liegen. Aktuell liegt sie jedoch deutlich im unteren Bereich.

Insgesamt sieht sich der Fonds, so ein Sprecher von Union Investment, nicht als größerer Renditebringer, sondern als eine Art Ersatz für das Sparbuch, das derzeit keine Zinsen abwerfe: „Zwei bis drei Prozent Rendite sind da für den Kunden schon eine gute Sache.“ Erreicht hat dies der Fonds im Rückblick aus aktueller Betrachtung nicht: Zum 9. April etwa lag die Wertentwicklung der vergangenen fünf Jahre bei minus 0,7 Prozent pro Jahr.

Zehn bis 15 Prozent der defensiven Mischfonds kommen im Fünf-Jahres-Rückblick auf eine positive Wertentwicklung

Etwa zehn bis 15 Prozent der defensiven Mischfonds, die global anlegen, kommen im Fünf-Jahres-Rückblick auch aktuell auf eine positive Wertentwicklung. Stabilisiert hätten das Portfolio im Crash vor allem Bundesanleihen, Gold und Erlöse aus Verkaufsoptionen auf Aktien, also auch auf spekulative Derivate, sagt Fondsmanager Alexander Wagner. Derzeit halten die meisten defensiven Mischfonds weiter nur sehr kleine Aktienanteile.

Fondsmanager Alexander Wagner.
Fondsmanager Alexander Wagner. © Carsten Lerp

Die zwischenzeitlichen Aufwärtsbewegungen haben die meisten konservativen Mischfonds-Manager damit nur vom Seitenaus beobachtet und weiter auf sichere Anleihen gesetzt. Je länger die Eindämmungsmaßnahmen dauerten, sagt Fondsmanager Wagner, desto gravierender wären die Folgen für die Wirtschaft.

Das Problem des richtigen Kaufs- und Verkaufszeitpunkts vermeiden wollen passive Mischfonds, von denen es allerdings nur wenige gibt. Pionier ist der Arero, der mit einem hohen Aktienanteil von bis zu 60 Prozent eher zu den aggressiven Mischfonds zählt.

Arero steht für "Aktien, Renten, Rohstoffe"

Der Fonds – Arero steht für „Aktien, Renten, Rohstoffe“ – steuert die Aufteilung des Geldes nur einmal pro Jahr im Rahmen eines „Rebalancing“, bei dem die ursprünglich festgelegten, aber durch die reale Entwicklung veränderten Quoten wieder auf den Ausgangswert zurechtgesetzt werden. Im Crash nun hat der Arero deutlicher verloren als defensive und aktiv gemanagte Mischfonds, bleibt aber im Vergleich von drei, fünf und zehn Jahren im Plus.

Aufgrund der Krise ist der Arero von seiner passiven Strategie abgewichen und hat die Aufteilung neu angepasst: Am 18. März, als der Dax unter 8500 Punkten stand, wurde der durch den Crash gestauchte Aktienanteil wieder auf 60 Prozent angehoben. Anderen passiven Mischfonds geht es ähnlich: Sie haben zuletzt hohe Verluste angehäuft – langfristig schlagen sie sich häufig besser als die aktiv gemanagten.

Reine Aktienfonds können ihre Stärken im Vergleich zu Mischfonds ausspielen

Gerade in der langfristigeren Betrachtung spielen auch reine Aktienfonds ihre Stärken im Vergleich zu Mischfonds aus: trotz des Crashs stehen sie im Vergleich von fünf oder gar zehn Jahren häufig besser da als reine Mischfonds. So hat beispielsweise der JP Morgan Global Select Equity seit Januar zwar 19 Prozent verloren, aber im vergangenen Jahr 32 Prozent hinzugewonnen.

Die besten Mischfonds kommen – aus gegenwärtiger Sicht und im langfristigen Vergleich seit 2010 – auf ein jährliches Plus zwischen vier und fünf Prozent. Zu den Spitzenreitern zählen etwa der M & G Optimal Income Fund, der Amundi Multi Asset Sustainable Future oder der Flossbach von Storch Multi Asset Defensive.

Aktienfonds, die defensiv und mit globalem Blick agieren, stehen zwar auf breiter Front derzeit zerzauster da. Langfristig gesehen werden die Wogen jedoch durch frühere bessere Wertentwicklung geglättet: Ein jährliches Plus zwischen fünf und neun Prozent bleibt eher die Regel als die Ausnahme. Abgeliefert haben es zum Beispiel der Nordea Global Stable Equity, der DWS Invest Croci World oder der Uni Value Global.

Grund für die langfristig schwache Entwickling von Mischfonds sind die hohen Kosten

Mit ein Grund für die kurzfristig zwar oft beruhigende, langfristig aber eher schwache Entwicklung von Mischfonds sind die hohen Kosten. Nach einer Studie des Fondsraters Morningstar werden vor allem deutsche Anleger hier zur Kasse gebeten. 1,8 Prozent kosten die Papiere in Deutschland im gewichteten Mittel, in den USA liege dieser Wert deutlich unter einem Prozent. Passive MischETF sind hier deutlich günstiger.

Auch die Verbraucherzentralen sehen Mischfonds insgesamt kritisch und verweisen auf die Statistik, wonach auf Sicht von 30 Jahren in 93 Prozent aller Zeiträume seit 1900 die Aktie die ertragsreichste Geldanlage gewesen sei – oft mit großem Abstand vor allen anderen Vermögensklassen wie Anleihen, Immobilien oder Gold. Crashs und Krisen müsse man nur gelassen aussitzen. Wer dies nicht schafft, ist mit Mischfonds gut bedient – muss dafür aber langfristige Renditeabstriche hinnehmen.

Lesen Sie hier: Dax zum Wochenausklang wieder unter Druck

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