Gastro-Verträge gekappt: Keine Allianz fürs Leben

Die Versicherung löst alle ihre Verträge für Betriebsschließungen auf. Die Hintergründe – und was die Beteiligten dazu sagen.
| Julia Sextl
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
Empfehlungen
Das Logo der Allianz-Versicherung leuchtet am Abend über dem Haupteingang der Niederlassung in Frankfurt/Main.
Das Logo der Allianz-Versicherung leuchtet am Abend über dem Haupteingang der Niederlassung in Frankfurt/Main. © Daniel Karmann/dpa

München - Deutschlands größter Versicherungskonzern zieht die Notbremse: Seit September kündigt die Allianz sämtlichen Unternehmen, die bei ihr eine sogenannte Betriebsschließungsversicherung abgeschlossen haben, den entsprechenden Vertrag. Betroffen sind alle Branchen. "Wir bieten aber gleichzeitig an, dass sie eine neue Betriebsschließungsversicherung abschließen können", sagt Allianz-Sprecher Christian Weishuber der AZ.

Allerdings: Pandemien sind hierbei explizit ausgeschlossen. Die Begründung: "Eine Versicherung lebt davon, dass viele einzahlen, damit einige wenige, die einen Schaden haben, diesen dann ersetzt bekommen", sagt Weishuber. Haben jedoch alle Versicherungsnehmer gleichzeitig einen Schaden, sei dies nicht mehr darstellbar.

Die nächste Hiobsbotschaft für geplagte Gastronomen und Hoteliers? "Es war im Prinzip voraussehbar, dass so etwas passiert", sagt die bayerische Dehoga-Präsidentin Angela Inselkammer zur AZ. Die Pandemie sei für niemanden vorhersehbar gewesen – und somit bei niemanden eingeplant.

Umso wichtiger sei es, eine Lösung für die Zukunft zu finden – denn die Betriebe allein könnten das Risiko ebenso wenig schultern, sagt Inselkammer. "Es ist ja so, dass ein jeder Unternehmer mit seinem letzten Hosenknopf für das, was er tut, haftet. Jetzt, wo wir mal wieder schnell für vier Wochen zugesperrt werden, übernimmt zwar der Staat es alleine, indem er 75 Prozent für die kleineren Betriebe bezahlt." Aber eine Dauerlösung könne dies kaum sein.

Wirt zeigt Verständnis für die Allianz

Das Problem, das derzeit alle Unternehmer teilen: Sie können nicht mehr in die Zukunft planen. Auch den Fraunhofer- und Oide-Wiesn-Wirt Beppi Bachmaier belastet die Situation enorm. Während des Gesprächs mit der AZ klingelt immer wieder sein Telefon – alles Absagen von Reservierungen. "Immerhin ’s Telefon funktioniert", sagt er mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor. Und: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

Dennoch zeigt er Verständnis für die Allianz. "Ich hab mir schon im Frühjahr überlegt, wie das funktionieren soll: falls es ein Oktoberfest gibt, das abgebrochen werden müsste – und die Versicherungen den Ausfall tragen müssten. Vielleicht könnte man das Risiko aufschlüsseln auf mehrere Unternehmen", überlegt Bachmaier, sodass im Falle der Wiesn beispielsweise weitere Beteiligte wie etwa Zeltbauer mit ins Boot geholt würden. 

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Nach Pandemieende: Coronavirus mitversichert

Die Dehoga setzt im Moment auf weitere Gespräche mit Politik und Versicherern. "Zu unserem Beruf gehören Leidenschaft und Idealismus", sagt Inselkammer. "Die Betroffenen sind sehr niedergeschlagen. Jetzt ist es wichtig, die Zuversicht nicht zu verlieren."

Immerhin: In den neuen Allianz-Policen ist das Coronavirus grundsätzlich mitversichert. Allerdings erst dann, sobald die Bundesregierung die Pandemie für beendet erklärt habe, sagt Sprecher Weishuber – also wenn es einen verlässlichen Impfstoff gibt. Müsste dann ein Betrieb vorübergehend geschlossen werden, weil etwa mehrere Mitarbeiter erkrankt sind, spränge die Versicherung ein. Aber das kann ja bekanntlich noch dauern

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen Empfehlungen