So gehen Sie früher in Rente – mit 45, 55 oder 63
In Politik und Wirtschaft wird gerade über Sinn oder Unsinn der Rente mit 63 diskutiert – dabei gibt es Menschen, die daran arbeiten, teils sogar schon mit 45 den Job an den Nagel zu hängen und vom Ersparten zu leben. Doch wie kann das gehen? Die Stiftung Warentest gibt in ihrem Ratgeber "Früher in Rente und Ruhestand. Finanzielle Freiheit ab 45, 55 oder 63" Tipps.
Am meisten einschränken müssen sich naturgemäß jene, die schon besonders früh die Segel streichen wollen. Der Ratgeber nennt eine Studie, wonach etwa Arbeitnehmer dann in die Rente gehen können, wenn sie das 25-Fache ihrer jährlichen Lebenshaltungskosten angespart haben. So könnten etwa jene, die mit 1000 Euro im Monat auskommen können, also jährlich 12.000 Euro für ihren Unterhalt ausgeben, bei einer Sparsumme von 300.000 Euro über die Rente nachdenken.

Klar: Je höher die Sparrate ist, desto schneller geht das. So benötigten etwa Menschen, die fähig und willens sind, eine Sparrate von 75 Prozent zu halten, nur gut sechs Jahre, um das 25-Fache ihrer jährlichen Ausgaben zu erhalten.Wer dagegen nur auf eine Sparrate von zehn Prozent kommt, braucht es demnach gar nicht erst zu versuchen: Dann, so der Ratgeber, würden 225 Jahre benötigt, und selbst bei einer Quote von 25 Prozent sind noch 75 Jahre des Ansparens vonnöten – von Frührente kann da wohl keine Rede mehr sein.
Lieber aufs Radl schwingen statt mit dem Auto verreisen
Doch wie kann man nun in jungen Jahren so viel sparen? Statt Kaffee für unterwegs lieber Obst oder Gemüse selbst anbauen, statt Autoreisen lieber aufs Radl schwingen, Handys aus zweiter Hand kaufen und nicht immer zu einem neuen Gerät greifen, wenn etwas kaputt ist, sondern reparieren lassen: Das sind nur einige der Ratschläge, die Stiftung Warentest zusammengetragen hat. Doch bei allen Vorschlägen für jene, die frugalistisch, also bescheiden, leben wollen, gilt: Es muss einiges eingenommen werden, um auf ansehnliche Sparsummen zu kommen.

Leichter erreichbar erscheint da die Rente mit 55. Der Ratgeber weist hier auf die Möglichkeit hin, in den Vorruhestand zu gehen und in Altersteilzeit zu arbeiten. So könnten etwa Beschäftigte für vier Jahre die Arbeitszeit reduzieren, wobei sie in den ersten zwei Jahren noch voll und in den letzten zwei Jahren gar nicht mehr arbeiten. Das Teilzeitgehalt werde in beiden Blöcken gleich hoch ausgezahlt, so die Experten.
So sieht das Gleichverteilungsmodell aus
Es ist aber auch möglich, über den gesamten Zeitraum gleich viel zu arbeiten. Allerdings müssten dafür einige Voraussetzungen erfüllt werden, so der Ratgeber – das Mindestalter von 55 Jahren ist nur eines davon. Noch mehr Flexibilität ist mit dem sogenannten Gleichverteilungsmodell erreichbar. Hier kann auch zwischen ganzen Arbeitstagen und freien Tagen gewechselt werden. Ein Muss aber gibt es: Es darf nur noch halb so viel gearbeitet werden wie bisher.

Für die Rente mit 63 gibt es noch einmal etwas weniger Hürden. Abschläge gibt es aber auch da – so kann der Geburtsjahrgang 1965 erst mit 65 Jahren abschlagfrei in Rente gehen, wenn 45 Versicherungsjahre in der Rentenkasse zu Buche stehen. Dafür gilt: "Wer möglichst früh in Rente geht, muss weniger davon versteuern", heißt es im Ratgeber von Stiftung Warentest. Noch im gerade abgelaufenen Jahr waren 16,5 Prozent der gesetzlichen Rente steuerfrei. 2058 werden es 100 Prozent der Rente sein, die man versteuern muss.
Rechenbeispiel für eine Frührentnerin mit 1500 Euro brutto
In einem Rechenbeispiel muss eine Frührentnerin bei einem Renteneintritt im Jahr 2025 und einem Altersgeld von 1500 Euro brutto insgesamt 88 Euro pro Jahr ans Finanzamt abführen. Vier Jahre darauf, also 2029, würde diese Summe auf 144 Euro steigen. Und: "Falls ihre Rente über die weiteren vier Jahre Berufstätigkeit ansteigt – was wahrscheinlich ist –, wäre die steuerpflichtige Summe noch größer."

Der Ratgeber bietet umfangreiche Informationen und gut aufbereitete Beispiele – auch für jene, die gar nicht unbedingt mit einer frühen Rente liebäugeln, sondern einfach über die Altersvorsorge nachdenken wollen und gleichzeitig Spar- oder Einnahmepotenziale im eigenen Haushalt entdecken wollen wie unter dem Punkt "So spüren Sie Vermögenswerte auf". Auch das sonst in der Ratgeberliteratur nicht so im Fokus stehende Thema der Auszahlpläne wird gestreift – denn wer anspart, muss zwangsläufig irgendwann auch entnehmen.
Matthias Kowalski: Früher in Rente und Ruhestand. Finanzielle Freiheit ab 45, 55 oder 63. Herausgegeben von der Stiftung Warentest. Zweite, aktualisierte Auflage, 160 Seiten, 22,90 Euro
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