Fragen rund um Takata: Airbag-Desaster weitet sich aus

Es wird die größte Rückrufaktion von Airbags, die es in den USA jemals gegeben hat: Der japanische Zulieferer Takata ruft über 30 Millionen Fahrzeuge von den verschiedensten Automarken zurück. Fragen und Antworten zu diesem Desaster.
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Fast 34 Millionen Autos müssen wegen defekter Airbags des japanischen Zulieferers Takata in die Werkstatt. Foto: Franck Robichon
dpa Fast 34 Millionen Autos müssen wegen defekter Airbags des japanischen Zulieferers Takata in die Werkstatt. Foto: Franck Robichon

Washington/New York - Mindestens sechs Tote, mehr als Hundert Verletzte - die Airbags des japanischen Zulieferers Takata sind längst berüchtigt. Defekte Airbags des japanischen Zulieferers Takata haben der US-Autobranche jetzt allerdings die größte Rückrufaktion aller Zeiten eingebrockt. Der Airbag als Splitterbombe - eine Horrorvorstellung für jeden Autofahrer. US-Aufsichtsbehörden sind überzeugt: Diese Gefahr besteht bei Teilen des japanischen Zulieferers Takata - und starten einen Rekord-Rückruf. Deutschland bleibt vorerst weitgehend verschont.

Unter dem Druck der US-Verkehrsaufsicht räumte das japanische Unternehmen am Dienstag Gefahren bei insgesamt 33,8 Millionen Fahrzeugen ein.

Diese sollen nun so schnell wie möglich behoben werden. "Heute ist ein großer Schritt nach vorne für die öffentliche Sicherheit", verkündete Verkehrsminister Anthony Foxx. Bei einer Pressekonferenz in Washington sprach er vom größten und wohl komplexesten Rückruf in der US-Geschichte.

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Takatas Airbags sorgen schon länger für Unruhe - wegen Verarbeitungsmängeln können sie unvermittelt auslösen und Teile der Metallverkleidung sprengen. Das Verkehrsministerium spricht in seiner Mitteilung von mehr als 100 Verletzten und mindestens sechs Todesopfern im Zusammenhang mit den Problemen.

"Takata hat die Ursache des Defekts noch immer nicht identifiziert", kritisierte Foxx. Aber es dürfe keine Zeit mehr verschenkt werden, Menschenleben stünden auf dem Spiel. Deshalb zwangen die US-Behörden - neben dem Ministerium spielt auch die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA eine entscheidende Rolle - Takata nun zu einem landesweiten Rückruf aller betroffenen Fahrzeuge.

Das Unternehmen hatte zunächst auf seinem Standpunkt beharrt, die Unfälle stünden im Zusammenhang mit dem heißen und feuchten Klima in einigen US-Bundesstaaten. Es wollte die Rückrufe auf diese Regionen beschränken. Im Februar war der Konflikt eskaliert: Die Aufseher hatten eine Strafe von 14 000 Dollar pro Tag verhängt, solange Takata nicht voll kooperiere.

Seit 2013 wurden in den USA bereits etwa 17 Millionen Fahrzeuge von Autoherstellern zurückgerufen, diese Zahl wird sich nun noch einmal fast verdoppeln. Takata habe sich aber, so Verkehrsminister Foxx, zu einer effektiven Zusammenarbeit mit den Aufsehern und den betroffenen Autobauern verpflichtet. Dazu zählen BMW, Fiat Chrysler, Ford, General Motors, Honda, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru und Toyota.

"Wir sind froh, diese Einigung mit der US-Verkehrsaufsicht erreicht zu haben, die einen klaren Weg nach vorne darstellt, um das Vertrauen in die Autohersteller wieder herzustellen", ließ Takata-Chef Shigehisa Takada in einer Mitteilung verlauten. Trotz aller Anstrengungen, die Takata unternehme und bereits unternommen habe, sei es aber klar, dass die abschließende Prüfung der Vorfälle noch Zeit in Anspruch nehmen werde.

Aber lässt sich die Sicherheit so überhaupt wieder herstellen?

Fragen und Antworten:

Wo liegt das Problem bei den Takata-Airbags?

Fest steht: Ausgerechnet der als Lebensretter in Notfällen konzipierte Mechanismus kann sich wegen mangelhafter Verarbeitung in eine enorme Gefahr verwandeln. Bei Takatas Airbags besteht das Risiko, dass sie unvermittelt auslösen und Teile der Metallverkleidung sprengen. Die Folge ist eine regelrechte Explosion, bei der Splitter durch den Fahrzeugraum geschleudert werden, die zu schweren Verletzungen oder in einzelnen Fällen sogar zum Tod führen können. Unheimlich: "Takata hat die Ursache des Defekts noch immer nicht identifiziert", sagte US-Verkehrsminister Anthony Foxx am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Washington.

Müssen auch deutsche Autofahrer sich Sorgen machen? Takata produziert etwa jeden fünften Airbag weltweit und betreibt auch mehrere Werke in Deutschland. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer warnte bereits, das Desaster könne sich noch ausweiten: "Takata liefert an alle." Zuletzt riefen die japanischen Branchenriesen Toyota und Nissan in großem Stil Fahrzeuge mit Takata-Airbags zurück. Allein Toyota als weltgrößter Autobauer musste etwa fünf Millionen Wagen zurückholen, davon 1,26 Millionen in Europa und auch 152 940 in Deutschland. Die deutschen Autohersteller blieben bisher aber weitgehend verschont vom Takata-Problem. Laut Unternehmen stehen nur Fabriken in Nordamerika im Zusammenhang mit den defekten Teilen - allerdings ist das nur der letzte Stand der Untersuchungen.

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Warum kommt es in den USA erst jetzt zum landesweiten Rückruf?

Takata hatte diese Forderung der US-Verkehrsaufsicht bislang abgelehnt. Das Unternehmen geht davon aus, dass die Unfälle im Zusammenhang mit dem heißen und feuchten Wetter in US-Bundesstaaten wie Florida oder Kalifornien stehen. Es würde die Rückrufe daher gern auf diese Regionen begrenzen. Die Klima-Einflüsse würden durch umfangreiche eigene Untersuchungen nahegelegt, die auch den US-Behörden zugänglich gemacht worden seien. "Wir haben fast 2,5 Millionen Seiten an Dokumenten bereitgestellt", teilte Takata mit. Im Februar war der Konzern von den Regulierern wegen mangelnder Kooperation beim Krisen-Management zu einer Strafe von 14 000 Dollar pro Tag verdonnert worden, die jetzt erst einmal ausgesetzt wurde.

Wie sind die Erfolgsaussichten der Massen-Rückrufaktion?

Ungewiss. Das Vorhaben ist ein logistischer Kraftakt, der zahlreiche Autohersteller - darunter BMW, Fiat Chrysler, Ford, General Motors, Honda, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru und Toyota - sowie etliche weitere Zulieferer betrifft. Takata hat zudem gar nicht die nötigen Ersatzteile parat, um die nötigen Reparaturen rasch zu ermöglichen. Zudem ist die genaue Ursache des Defekts noch immer nicht geklärt. Weiter erschwert wird das Unterfangen durch die von Kritikern als fahrlässig bemängelten US-Regeln beim Autohandel: Bislang können Gebrauchtwagen, die von Rückrufen betroffen sind, unrepariert weiterverkauft werden, ohne dass dies rechtliche Konsequenzen hätte. So erfahren die aktuellen Fahrzeughalter teilweise gar nichts davon.

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