Fahren diese beiden Herren Opel an die Wand?

Die Bosse des US-Autoriesen General Motors (GM) entlassen 47000 Mitarbeiter – 26000 davon im Ausland. Wie sehr es die deutsche Tochter treffen wird ist noch offen. Doch die Mitarbeiter zittern.
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Die Chefs von General-Motors und der GM-Tochter Chevrolet: Rick Wagoner (r.) und Ed Peper haben 13,4 Milliarden Dollar von der US-Regierung bekommen. Geholfen hat es nichts. Jetzt wollen sie noch mehr.
dpa Die Chefs von General-Motors und der GM-Tochter Chevrolet: Rick Wagoner (r.) und Ed Peper haben 13,4 Milliarden Dollar von der US-Regierung bekommen. Geholfen hat es nichts. Jetzt wollen sie noch mehr.

BOCHUM/DETROIT - Die Bosse des US-Autoriesen General Motors (GM) entlassen 47000 Mitarbeiter – 26000 davon im Ausland. Wie sehr es die deutsche Tochter treffen wird ist noch offen. Doch die Mitarbeiter zittern.

Früher träumte er davon, Basketballprofi zu werden, jetzt ist der 1,90-Meter-Mann Rick Wagoner Chef vom Krisenkonzern General Motors (GM). Seit gestern spielt er wieder mal mit den Nerven seiner 245000 Mitarbeiter und der Hilfsbereitschaft der US-Regierung.

13,4 Milliarden Dollar Staatskredite hat GM schon erhalten. Gereicht hat das nicht. Wagoner will weitere 16,6 Milliarden Dollar Kredit – und 47000 Mitarbeiter entlassen, um in einem weiteren Anlauf den Autobauer wieder fit zu bekommen. Außerhalb der USA sollen 26000 Angestellte gehen. Ob GM diese weitere Chance bekommt, prüft jetzt die Obama-Regierung. Unter den Entlassenen können auch deutsche Opel-Mitarbeiter sein, doch noch ist nicht klar, wie sehr Opel bluten muss.

„Das Schlimmste ist das Nichts-Sagen“, sagt Opelaner Hubert Kabitschke am Werkstor in Bochum. „Wir sind allein auf die Presse angewiesen.“ Kabitschke ist sauer auf die Konzernführung: „Die Mitarbeiter übten schon so lange Lohnverzicht. Es gab massive Einschnitte in all den Jahren“, sagt Kabtischke. „Wir geben alles und die Manager verbrennen das Geld.“ Einen ähnlichen Eindruck scheinen auch Gewerkschafter und deutsche Politiker zu haben und diskutieren die Abspaltung Opels von GM – mit einem möglichen Staatseinstieg.

Das Unternehmen scheint prinzipiell dazu bereit: „Wenn es für den nachhaltigen Erfolg von GM Europa und Opel Sinn macht, ist das Management auch bereit, über Partnerschaften und Beteiligungen mit Dritten zu verhandeln“, erklärten GM-Europa-Präsident Carl-Peter Forster, Opel-Chef Hans Demant und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. „Wir sind mittendrin, mit verschiedenen Seiten zu sprechen, darunter auch die deutsche Regierung“, sagte GM-Chef Wagoner bei der Vorlage eines Sanierungskonzeptes in Detroit. Man höre sich alle Optionen an. Bislang sei aber noch kein Käufer aufgetaucht. Am Mittwochabend deutscher Zeit trifft Wagoner NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.

„Opel als Abspaltung zum Erfolg zu führen, wäre eine große Herausforderung, aber machbar“, meint der Gelsenkirchener Autowirtschaftsexperte Ferdinand Dudenhöffer zur AZ. GM müsse nicht völlig aussteigen, wichtig wäre nur ein neuer Mehrheitseigner.

Allerdings wäre auch eine Abspaltung kein Zuckerschlecken für die Mitarbeiter. „Seit Opel eine GM-Tochter ist, ging es immer wieder vom Regen in die Traufe“, sagt Dudenhöffer. Das Unternehmen habe es nicht geschafft, ein vernünftiges Modell für seine europäische Tochter aufzubauen. „Alleine ist die Chance größer, zu überleben“, sagt der Experte.

Aber: „Damit sind erhebliche Risiken verbunden, die schlecht einzuschätzen sind.“ Doch Dudenhöffer denkt auch an die betroffenen Städte: „Wenn jetzt noch Opel in Bochum zumacht, können sie die Stadt dichtmachen und das Bochum-Schild abschrauben.“

Daniel Kummetz

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