EU-Handelskammer sieht Umdenken im Handel mit China erreicht

China sprach im Handel mit anderen Ländern lange von "Win-Win". Doch die EU-Handelskammer in Peking sieht die Vorteile nur noch auf einer Seite - und äußert Sorgen vor der weiteren Entwicklung.
von  dpa
Die EU-Handelskammer in China stellte ein neues Positionspapier vor. (Archivbild)
Die EU-Handelskammer in China stellte ein neues Positionspapier vor. (Archivbild) © Johannes Neudecker/dpa

Angesichts eines wachsenden Ungleichgewichts im Handel mit China sieht die europäische Handelskammer für Europa einen Punkt zum Umdenken erreicht. "Was uns Sorgen bereitet, ist, dass die Entwicklungen hier einige grundlegende Fragen zum Handel aufwerfen", sagte Kammerpräsident Jens Eskelund in Peking. Richtig betrieben schaffe Handel Wert und Effizienz für beide Seiten, aber wenn dies nur noch für eine Seite gelte, stelle sich die Frage: warum überhaupt Handel treiben, so Eskelund. Der Däne verwies auf Chinas Überschuss im Handel mit Europa von geschätzt einer Milliarde Euro pro Tag. Zudem bemängelt die Kammer schon länger die Wettbewerbsbedingungen in der Volksrepublik. 

Laut Eskelund darf es nicht nur um den Erfolg europäischer Unternehmen in China gehen, sondern auch darum, dass die Handelsbeziehungen stabil seien. "Auch für Europa muss ein Gewinn dabei herauskommen", forderte er. In Europa herrsche mehr Übereinstimmung darüber, welche Herausforderung China für die europäische Industrie darstelle. 

Parallel warnte er: "Ich bin ein wenig besorgt, dass China vielleicht noch nicht vollständig verstanden hat, dass sich in Europa etwas verändert, das es Europa letztendlich ermöglichen wird, Maßnahmen zu ergreifen", sagte er. Brüssel und Peking verhandeln derzeit im Handelsstreit. Im Oktober werden Lösungen erwartet. Auch neue EU-Zölle standen schon zur Debatte.

China und EU teilen Bedenken 

In einem neuen Positionspapier mit 1.096 Empfehlungen an die Politik stellte die Interessenvertretung von mehr als 1.600 in China tätigen Mitgliedsunternehmen aus der EU fest, dass sich Pekings und Brüssels Sicherheitsbedenken teils ähneln. Denn auch die EU arbeite an einem politischen Rahmen, um ihre Autonomie, industrielle Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, heißt es darin. 

Eine "gesunde Balance" darüber, in welchen Bereichen es um wirtschaftliche Sicherheit gehe und in welchen mehr Offenheit für Unternehmen möglich sei, könnte die Entwicklung beider Volkswirtschaften verbessern, heißt es weiter. 

Problem der "Zombieunternehmen"

Ein altbekanntes aber besonders großes Problem für ausländische Firmen ist der anhaltend ungesunde Preiswettbewerb in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Für ausländische Unternehmen wandelt sich China deshalb zunehmend vom Absatzmarkt zum Exportstandort. Dabei nutzen die Firmen die starken Lieferketten in der Volksrepublik und die Entwicklungsgeschwindigkeit. 

Ein Problem bleibt die chinesische Konsumschwäche. Die Kammer hält eine Stärkung der Nachfrage bei gleichzeitiger Anpassung an das tatsächliche Angebot für hilfreich. In strategisch geförderten Branchen wachsen demnach die Produktionskapazitäten schneller als die Nachfrage. Zudem würden "Zombieunternehmen", die eigentlich nicht mehr wirtschaftlich arbeiteten und umstrukturiert oder vom Markt müssten, von Lokalregierungen am Leben gehalten. Hintergrund sind die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Hoffnung, dass diese Unternehmen als Branchenführer aus dem erbitterten Wettbewerb hervorgehen, wie es in dem Bericht weiter heißt.

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