Einst der mächtigste Geldpolitiker: Alan Greenspan ist tot

Er galt als Orakel, wird aber auch mit dem Finanzcrash 2008 in Verbindung gebracht: Lange herrschte Alan Greenspan als Notenbankchef über die Zinspolitik der weltgrößten Wirtschaftsmacht.
Anna Ringle und Thomas Kaufner, dpa |
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Bei manchen hatte er Kultstatus. (Archivbild)
Bei manchen hatte er Kultstatus. (Archivbild) © Bob Daugherty/AP/dpa
Washington

Der frühere langjährige Chef der US-Notenbank Fed, Alan Greenspan, ist gestorben. "Die Federal Reserve nimmt mit tiefer Trauer den Tod von Alan Greenspan zur Kenntnis", teilte die Notenbank mit. Der Ökonom wurde 100 Jahre alt. Lange genoss er in einer breiten Öffentlichkeit Kultstatus. Kritiker verweisen aber auf den Finanzcrash 2008, den sie mit seinem Namen in Verbindung bringen.

Er stand für amerikanischen Kapitalismus

18 Jahre lang stand er an der Spitze der Notenbank, die auch für Deutschland und weltweit eine wichtige Rolle spielt. Er rückte 1987 an die Spitze des mächtigen Gouverneursrates und blieb dort bis 2006. Er wirkte in einer Zeit andauernden Wohlstands und wurde zum Symbol für den Kapitalismus amerikanischer Art. Greenspan hielt die Inflation während seiner Zeit als Fed-Chef niedrig. Die "New York Times" schrieb, dass sein Gesicht hinter der dicken Brille auf dem Höhepunkt seines Ruhmes so bekannt gewesen sei wie das eines Filmstars. Zugleich war er jemand, der sich in der Öffentlichkeit oftmals kryptisch ausdrückte.

Es war eine bewegte politische Zeit, durch die Greenspan die Notenbank führte: Zwischen den Ausläufern des Kalten Kriegs, dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York und dem Beginn des digitalen Zeitalters. Vor allem, dass Greenspan den wirtschaftlichen Schwierigkeiten infolge des Anschlags auf das World Trade Center mit seiner Geldpolitik gegensteuerte, rechnen ihm viele bis heute hoch an.

Greenspan hielt Zinssätze vergleichsweise niedrig

Die "New York Times" schreibt über Greenspans Wirken, der Ökonom habe dazu geneigt, die Zinssätze niedriger zu halten, als es traditionelle ökonomische Modelle nahelegten. Mit dem Ansatz schien er demnach zu einem großen Teil seiner Amtszeit richtig gelegen zu haben - vor allem in den späten 1990er Jahren.

Greenspan steuerte das Geldhaus durch Präsidentschaften sowohl von Demokraten als auch von Republikanern im Weißen Haus. Die "New York Times" bezeichnet ihn als Meister des politischen Machtspiels. Er habe Erfahrungen als Politikberater im Präsidentschaftswahlkampf von Richard Nixon im Jahr 1968 gesammelt.

Fed: Greenspan stärkte Glaubwürdigkeit des Hauses

Die Fed betont Greenspans strenge analytische Disziplin bei geldpolitischen Entscheidungen. Diese habe maßgeblich dazu beigetragen, die Glaubwürdigkeit des Hauses zu stärken. Die Fed ist zurzeit immer wieder in den Schlagzeilen, weil US-Präsident Donald Trump Druck auf die Spitze der Notenbank ausübt, damit sie die Zinsen nach seinem Willen senkt. Die Bank stemmt sich bislang gegen diesen Druck und agiert unabhängig.

Kritiker: Fahrlässige Deregulierung des Finanzsektors

Greenspans Wirken wird nicht von allen durchweg positiv gesehen. Sein Name bleibt auch verbunden mit der Finanzkrise 2008. Eine fahrlässige Niedrigzinspolitik und die Deregulierung des Finanzsektors habe den Boden für den Crash bereitet, so der Vorwurf. Greenspan selbst musste das Chaos nicht mehr aufräumen, sondern seine Nachfolger. Er ging 2006 in Rente.

Greenspan, der in New York als Sohn eines Börsenmaklers aufwuchs, starb laut der Journalistin Andrea Mitchell, die für den TV-Sender NBC News tätig ist und mit dem Ökonom verheiratet war, an den Folgen seiner Parkinson-Krankheit. Er sei ehrlich genug gewesen, auch seine eigenen Fehler einzugestehen, hieß es weiter. Kritiker sehen das bis heute anders.

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