Echt lustig
Die frühen Partys hatten ihren eigenen, improviserten Charme - Katharina Rieger, Vize-Lokalchefin der AZ, über die Faschingsparty am Markt.
20 000 Menschen sind von Polizeigittern umstellt, seit mittags ist der Platz abgeriegelt. Am Himmel kreist ein Hubschrauber, Videotrupps filmen die Menschen: Was nach einer brandgefährlichen Demo in der Münchner Innenstadt klingt, war der traurige Höhepunkt des Münchner Faschings im Jahr 2008.
Um die Lage auf dem Viktualienmarkt im Griff zu behalten, hatte die Polizei das Areal am Faschingsdienstag kurzerhand abgeriegelt. Lustig fand das keiner mehr. So ist es nur logisch, dass es dort heuer keine große, übergreifende Feier gibt.
Denn die Mega-Party mit großen Boxen und Musik für den ganzen Platz ist nach einigen Jahren ein Opfer des eigenen Erfolgs geworden: Von Jahr zu Jahr kamen mehr Narrische, von Jahr zu Jahr türmte sich mehr Müll auf dem Markt – der Rekord von 2005 liegt bei 40 Tonnen. Nebenbei bemerkt ist es kein großes Vergnügen, auf Bergen von Scherben zu feiern.
Darum also: Alles wieder auf Anfang, jetzt kann der Fasching wieder gemütlich werden! Kaum einer weiß, dass die Marktweiber erst 1986 die Tanz-Tradition wiederbelebt haben. Anfangs hat jedes Standl sein eigenes Programm dazu beigesteuert.
Bei einem lief Salsa, beim nächsten Billig-Pop, auch Volksmusik war zu hören. Hier gab’s Sekt, da drüben Helles. Die frühen Viktualienmarkt-Partys hatten ihren speziellen Charme, weil sie auf eine sehr sympathische Weise improvisiert wirkten.
Es gibt also keinen Grund, traurig zu sein. Sondern sich auf einen Fasching zu Freude, der auch ohne Mega-Party echt und lustig sein kann.
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