"Dreist" - ADAC-Geschäftsführer gibt sich reumütig

Nach dem Skandal beim Allgemeinen Deutschen Autompbil-Club: „Wir hätten es nie für möglich gehalten“,sagt ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair. Von allen Seiten hagelt's Kritik. 
| va/wbo/nl
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
Artikel empfehlen
ADAC-Geschäftsführer hat sich am Montag bei den Mitgliedern und auch bei den Journalisten entschuldigt.
dpa ADAC-Geschäftsführer hat sich am Montag bei den Mitgliedern und auch bei den Journalisten entschuldigt.

„Wir hätten es nie für möglich gehalten“,sagt ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair. Von allen Seiten hagelt's Kritik. Dazu ein Überblick über Automobilclub-Angebote

MÜNCHEN Am Freitag, als die Mitarbeiter des ADAC die Zentrale an der Hansastraße ins Wochenende verließen, hielten die meisten ihre Welt noch für in Ordnung. Bei der Rückkehr am Montag lag sie in Trümmern.

„Die Stimmung ist sehr schlecht“, musste Geschäftsführer Karl Obermair eingestehen. Während auf der offiziellen Facebook-Seite des ADAC fast viertelstündlich Beschimpfungen eingingen, begann der Tag in der Hansastraße mit einer Mitarbeiterversammlung. Was dort zu spüren war? „Entsetzen. Wut. Fassungslosigkeit.“

Stück für Stück waren am Wochenende Details über die Machenschaften des Ex-Kommunikationschef Michael Ramstetter und den Stimmen-Schwindel bei der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ bekannt geworden. Die Nachrichten überschlugen sich geradezu. Unübertroffen Ramstetters Kommentar in der SZ: „Ich habe Scheiße gebaut.“

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zieht prompt alle Tests des ADAC in Zweifel und fordert eine „völlig neue Struktur“ für den Club. „Die Geschäftsführer sind nur bessere Handlanger des Präsidiums“, sagt er. „Da gibt’s keine Kontrolle.“ Am Vormittag schießt CSU-Chef Horst Seehofer scharf: Er sei „nicht überrascht“. Und begründet das mit seinen Erfahrungen mit dem ADAC bei den Umfragen zur Maut.

Der ADAC selbst gibt sich zunächst schmallippig. Glaubt man, die Wogen würden sich glätten? Es dauert fast bis 11Uhr, bis sich Geschäftsführung, Präsidium und Pressesprecher für die Offensive entscheiden.

Um 13.30 Uhr tritt ein mitgenommen wirkender Karl Obermair vor die Presse. „Das ist ein schwieriger Moment für den ADAC“, sagt er. Die Nachricht über die Manipulationen, so schildert er, habe ihn am Freitag um 9.56 Uhr erreicht. Stunden, nachdem er selbst bei der Verleihung der „Gelben Engel“ die SZ-Berichte zu den Manipulationen als „Unwahrheit“ niedergemacht hatte. Da habe er von Michael Ramstetter erfahren, dass die Stimmen „ in einer unglaublich dreisten Art und Weise“ nach oben manipuliert“ wurden.

„Wir hätten es nie für möglich gehalten“, sagt Obermair und beharrt darauf, dass Geschäftsführung und Präsidium vorher nicht informiert gewesen seien. „Wir entschuldigen uns für die Irritationen bei den Mitgliedern“, sagt er. „Und bei den Journalisten.“ Genaue Zahlen zu den Manipulationen nannte er nicht. Doch seit einem SZ-Bericht ist bekannt, dass bei der Wahl zum Lieblingsauto nicht mehr als 30000 Autofans für den VW Golf gestimmt hatten, sondern nur 3409.

Die Reihenfolge der Platzierungen, das betont Obermair, sei nicht verändert worden. Und noch etwas ist ihm wichtig: Alle anderen Tests des ADAC, seien es Crash- oder Tunneltests, wären nicht manipuliert.

Externe und unabhängige Prüfer sollen nun die Vorgänge klären. Denn in den zehn Jahren, die es den Preis schon gibt, hatte der ADAC stets mit Zehntausenden Teilnehmern geworben. 2009 hieß es sogar, dass sich mehr als 350 000 Autofans an der Abstimmung beteiligt hätten. „Unser Ziel ist es, das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit wieder herzustellen“, sagt Obermair. Er versuchte gar nicht, irgendetwas schön zu reden: „Es gibt keinerlei Rechtfertigung.“

„Die Marke ADAC hat enormen Schaden genommen“, sagt Fridolin Dietrich, Markenberater und Dozent der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing. Nun sei es wichtig, dass die Probleme gut aufgearbeitet werden. „Image entsteht durch Identität“, sagt er. „Was man sagt, tut und leistet, muss zusammen passen.“ Fürs angekratzte Image des ADAC wäre wichtig, dass er glaubwürdig die Strukturen verändert, damit solche Pannen nicht mehr vorkommen. Zu viel Zeit lassen sollte sich der ADAC damit allerdings nicht. „Die Menschen vergessen sowas nicht.“ Wahrlich seltsam lesen sich derweil einige Sätze, die Ramstetter als „Motorwelt“-Chef der aktuellen Ausgabe von „Werben & Verkaufen“ gesagt hat: Er schwärmt in dem Branchen-Blatt über die Neugestaltung seines Magazins, das nun näher am Leser sein will. „Wir bringen die ADAC Motorwelt wieder auf die Straße zurück.“ Blöd nur, dass er den ADAC vorher in den Graben gefahren hat.

OB Ude als Schutzengel für den Auto-Club?

Die Verleihung der „Gelben Engel“ am vergangenen Donnerstag war für den ADAC peinlich – und nicht nur für ihn: Um „Unterstellungen und Unwahrheiten“ habe es sich bei den Vorwürfen der Süddeutschen Zeitung gehandelt, beteuerte Geschäftsführer Obermair bei der Veranstaltung. Und auch OB Christian Ude stieß ins gleiche Horn - nachdem er stolz einen „Ehren-Engel“ in Empfang genommen hatte.

Die in einem imposanten Hochhaus residierenden SZ-Chefs, so mutmaßte Ude, habe es wohl geärgert, dass der ADAC nun auch ein Hochhaus gebaut habe. Ganz offensichtlich nahm Ude den Verein vor den Vorwürfen der Journalisten in Schutz.

Ude sieht das jetzt natürlich anders. Er habe sich über die Zeitung lustig gemacht. Mit den Manipulationen des ADAC habe das gar nichts zu tun.

Nun kritisiert auch Ude den ADAC: „Es gibt keine Notwendigkeit, mit falschen Zahlen auch noch zu übertreiben.“ Was bei dem Verein passiert sei, habe er sich „gar nicht vorstellen“ können.

Distanziert sich der Oberbürgermeister jetzt vom ADAC? Das dann doch nicht: „Er ist und bleibt für mich eine bedeutsame Organisation“, sagt Ude. Und weiter: „Er hat hier einen Fehler begangen, der unverzeihlich ist und den ein Verein in dieser Größenordnung nicht nötig hat."

Es gibt noch andere Automobilclubs

Die ADAC-Mitglieder sind verärgert. Dennoch überlegen sie sich zwei Mal, ob sie austreten. Denn die Kernkompetenz des ADAC liegt in der Pannen- und Unfallhilfe. Doch es gibt Alternativen. Die AZ zeigt, was einige andere anbieten und was sie kosten.

ADAC: Der ADAC bietet für eine sogenannte „klassische Mitgliedschaft“ Pannen- und Unfallhilfe vor Ort in Deutschland und eine Kostenübernahme von bis zu 300 Euro. Auch das Abschleppen bis zu einem Kostenpunkt von 300 Euro übernimmt der ADAC. Der Mitgliedsbeitrag hier staffelt sich von 49 Euro für Einzelne bis 89 Euro für Familien. Pannenhilfe in Europa kostet mit der ADACPlus-Mitgliedshaft von 84 bis 134 Euro. Dazu gehört zum Beispiel dann auch der Fahrzeug-Rücktransport. Der ADAC hat seine eigene Pannenfahrzeug-Flotte. 1800 „Gelbe Engel“, also Pannenhelfer, gibt es.

AvD: Der AvD gehört zu den ältesten Automobilclubs in Deutschland und hat 1,4 Millionen Mitglieder. Die Mitgliedschaft kostet hier im Jahr 64,90 Euro, soll der Partner mitversichert werden, kommen nochmal 22 Euro hinzu. Die Mitgliedschaft beinhaltet die Pannenhilfe weltweit. Die Notrufzentrale ist wie bei den andere rund um die Uhr erreichbar. Mit 2000 Einsatzwagen in Deutschland und 8000 in Europa hat der AvD ein gutes Netz, um an Ort und Stelle Pannenhilfe zu leisten. Das Abschleppen ist auch im Preis inbegriffen. Der Rücktransport des Autos ist inklusive.

ACE: Mehr als 580000 Mitglieder verzeichnet der ACE, der Auto Club Europa. Als Mitglied sind hier gleichzeitig auch die Familienangehörigen mitversichert. Insgesamt betreut der ACE 1,2 Millionen Autofahrer. Die Mitgliedschaft kostet 62,80 Euro im Jahr. Wer direkt die Panne am ACE Notruftelefon meldet, hat beim Pannendienst keine Kostenbegrenzung. Ansonsten übernimmt der Club die Pannen- und Unfallhilfe vor Ort bis zu einem Wert von 105 Euro. Auch beim Abschleppen bis zu einer Fahrstrecke von 75 Kilometer im Inland oder 100 Kilometer im Ausland übernimmt die Kosten der ACE.

ACV: Der Automobil-Club Verkehr hat über 300000 Mitglieder. Der Mitgliedsbeitrag kostet 59,76 Euro für die Familie im Jahr. 48 Euro bezahlen Alleinstehende, der Partner kostet bei Mitgliedschaft dann nochmal 21 Euro. Vor Ort schickt der ACV ein Pannenfahrzeug und übernimmt die Kosten bis zu 105 Euro. Das Abschleppen ist für Mitglieder bis zu einem Kostenpunkt von 155 Euro kostenlos.

Mobil in Deutschland: Bei dem Münchner Unternehmen Mobil in Deutschland kostet die Basis-Mitgliedschaft, die für Deutschland gilt, 24 Euro im Jahr. 54 Euro kostet die Premium-Mitgliedschaft für einen Welt- und Europa-Schutzbrief. Die Premium-Mitgliedschaft gemeinsam mit dem Partner kostet 66 Euro. In Kooperation mit der Pannenhilfeorganisation Assistance Partner stellt Mobil 1700 Fahrzeuge zur Verfügung.

VCD: Der Verkehrsclub Deutschland hat 60000 Mitglieder. Der VCD ist kein klassischer Automobilclub, er hat sich die ökologische Verkehrspolitik auf die Fahnen geschrieben. Dennoch gibt es auch die traditionelle Pannenhilfe. Der Mitgliedsbeitrag kostet 50 Euro im Jahr, der KFZ-Schutzbrief für Deutschland und Europa kann dazugebucht werden. Die Kosten staffeln sich je nach Abgasnorm: Euro 5 kostet 29 Euro jährlich, Euro 4 39 Euro. Ab Abgasnorm Euro 2 müssen Autofahrer 59 Euro bezahlen. 

BAVC: Der Bruderhilfe e.V. Automobil- und Verkehrssicherheitsclub bieten einen Basis-Tarif für die Pannenhilfe an, die 31 Euro im Jahr kostet. Damit wird den Autofahrern europaweit geholfen. Pannenkosten von bis zu 300 Euro werden vom BAVC erstattet. Für 53 Euro im Jahr gibt es noch erweiterte Tarife, die zum Beispiel auch Mietwagen und Übernachtungskosten zum Teil abdecken. 

 

 

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen Artikel empfehlen