Das perverse System

Unser eigenes Konsum- Verhalten ist eine Ursache des Skandals - Arno Makowsky, AZ-Chefredakteur, über die Ursachen des Dioxin-Skandals
Natürlich wissen jetzt wieder alle genau, wer schuld ist am Dioxinskandal. Die Agrarpolitik! (Sagt der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter). Die geldgierigen Futtermittel-Panscher! (Sagt der Präsident des Bauernverbands.) Die fehlenden Kontrollen! (Sagt Verbraucherschutzministerin Aigner.)
Stimmt ja alles, ist alles richtig. Nur über eine Ursache redet fast niemand: Über unser eigenes Konsumverhalten, das die Perversion der Lebensmittelbranche erst möglich macht.
Was sich deutsche Hausfrauen (und -männer) an den Ladentheken verkaufen lassen, würden Kunden in anderen europäischen Ländern als Unverschämtheit zurückweisen.
Äpfel, die nach nichts schmecken, wässriger Salat, Tiefkühl- Hühner an der Ekelschwelle. Hauptsache, es ist billig. Keine andere Nation legt weniger Wert auf Qualität, keine andere mehr auf niedrige Lebensmittelpreise.
Kann sich irgendwer darüber wundern, dass kriminelle Hersteller in diesem Klima auf die Idee kommen, Tiere mit altem Fritteusenfett zu füttern? Die Empörung darüber ist wohlfeil, so lange Fleisch zu Spottpreisen gekauft wird. Bio-Fleisch ist übrigens gar nicht teurer – wenn man nicht jeden Tag welches isst.