Corona-Krise setzt Autobranche weiterhin unter Druck

Die Corona-Krise hat die Autoindustrie in arge Bedrängnis gebracht: Geschlossene Autohäuser und gestörte Lieferketten sorgten im ersten Halbjahr für einen historischen Einbruch bei den Neuzulassungen. VDA-Chefin Müller nimmt die Politik in die Pflicht.
| dpa
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Kunden für neue Autos sind derzeit rar: Der Schriftzug "Abverkauf" steht auf einem grauen Toyota Auris Kombi vor einem Autohaus in Chemnitz.
Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/dpa Kunden für neue Autos sind derzeit rar: Der Schriftzug "Abverkauf" steht auf einem grauen Toyota Auris Kombi vor einem Autohaus in Chemnitz.

Berlin - Der Juni hat für die deutsche Automobilindustrie kaum Entlastung gebracht.

Es wurden 220.272 Autos im vergangenen Monat neu zugelassen und damit etwa ein Drittel weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte.

Immerhin: "Die Minusraten werden langsam wieder kleiner", sagte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, in Berlin. Noch im Mai waren die Neuzulassungen um rund die Hälfte eingebrochen. Dennoch setzt sich der durch die Corona-Krise ausgelöste Abwärtstrend in der Autobranche zunächst fort.

Laut VDA ist im ersten Halbjahr dieses Jahres die Zahl der Neuzulassungen hierzulande um 35 Prozent auf 1,21 Millionen Einheiten eingebrochen.

Für das Gesamtjahr geht der Verband von insgesamt 2,8 Millionen Fahrzeugen aus und damit von einem Rückgang von rund 23 Prozent in Deutschland - vorausgesetzt es kommt nicht zu einer zweiten Welle an Neuinfektionen. Ähnlich stark (minus 24 Prozent) werde der europäische Markt schrumpfen, hieß es. In den USA und in China werde der Einbruch mit einem Rückgang von 18 beziehungsweise 10 Prozent im laufenden Jahr etwas glimpflicher ausfallen. "Der Einbruch der Märkte ist seinem Ausmaß und in seinem globalen Umfang beispiellos", sagte Müller.

Das zeigten auch die Zahlen der Beschäftigten in Deutschland: 814.000 Menschen arbeiteten dem Verband zufolge Anfang April in der Branche und damit etwa drei Prozent weniger als im selben Monat des Vorjahres. Ohne Kurzarbeit wäre die Lage deutlich dramatischer, betonte Müller: "Von den 814.000 Mitarbeitern ist derzeit jeder zweite in Kurzarbeit", sagte sie. Inzwischen gebe es von den Herstellern erste Signale, dass die Kurzarbeit zurückgefahren werde.

Um die Nachfrage wieder anzukurbeln, hatte die Bundesregierung Anfang Juni ein umfangreiches Konjunkturpaket aufgelegt: Höhere Kaufprämien für Elektroautos und eine geringere Mehrwertsteuer sollen die Anschaffung eines Neuwagens für Verbraucher attraktiver machen und der Branche aus ihrer Absatzkrise helfen. Die Mehrwertsteuersenkung ist Anfang Juli in Kraft getreten. Was sie bringt und ob sie zu einer Trendwende führt, bleibe abzuwarten, sagte Müller.

Doch es gibt erste Anzeichen, dass sich die Lage in den kommenden Monaten etwas erholen könnte. Ein Indiz ist demnach der Auftragseingang bei den deutschen Herstellern: "Er lag im Inland in den ersten sechs Monaten zwar noch um 28 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums", teilte der VDA mit. Doch im Juni habe er inländisch wieder ein Plus von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat erreicht. Aufträge aus dem Ausland bleiben allerdings weiterhin deutlich hinter dem Vorjahresniveau zurück.

Dass auch andere Länder die heimische Auto- und Zulieferindustrie unterstützten, wertete Müller indes positiv. Aufgrund der zusammenhängenden Lieferketten profitiere auch die deutsche Branche von solchen Förderungen.

Müller forderte erneut eine technologieoffene Herangehensweise an die Verkehrswende, die sich nicht ausschließlich auf Elektroantriebe konzentrieren dürfe. Das sei kein Selbstzweck. "Über 90 Prozent der Verbraucher wünschen sich nach wie vor Verbrenner", sagte sie. "Das wird sich verändern, hängt aber auch mit vielen Rahmenbedingungen zusammen."

Dem KBA zufolge waren im Juni 8119 reine Elektroautos neu auf die Straßen gekommen. Das entsprach demnach einem Plus von mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch die Zahl der Hybridantriebe nahm erneut zu - um knapp 61 Prozent auf rund 30 250 Neuwagen. Bei gut einem Drittel davon handelte es sich um Plug-in-Hybride, die über eine Batterie verfügen, die sowohl über die Steckdose als auch über den Verbrennungsmotor geladen werden kann.

© dpa-infocom, dpa:200703-99-660499/4

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