Corona-Helden: Systemrelevant - und trotzdem schlecht bezahlt

Bayerns Kassiererinnen und Pflegekräfte werden als Helden der aktuellen Corona-Krise gefeiert. Bezahlt werden sie zu einem großen Teil jedoch unter dem Durchschnitt. Die große Gehalts-Übersicht.
| Natalie Kettinger
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Zwei Krankenpfleger bei der Arbeit.
imago Zwei Krankenpfleger bei der Arbeit.

München - Viel Applaus, wenig Geld: In der Covid-19-Krise werden sie beklatscht, bejubelt, teils mit Brotzeit versorgt und manche können sich sogar über einen einmaligen finanziellen Bonus freuen.

"Corona-Heldinnen" verdienen weniger als der Durchschnitt

Doch wenn die meisten Angehörigen sogenannter systemerhaltender Berufe auf ihr Konto schauen, dürfte vielen von ihnen wohl eher zum Weinen zumute sein. Denn die "Corona-Heldinnen" im Altenheim oder an der Supermarktkasse - tatsächlich sind in den von der Krise betroffenen Berufsgruppen vor allem Frauen tätig - verdienen in Bayern weniger als der Durchschnitt.

Laut am Dienstag veröffentlichten Daten des Landesamtes für Statistik erhielt eine vollbeschäftigte Fachkraft in der Altenpflege 2019 im Durchschnitt nur 3.245 Euro brutto im Monat. Zum Vergleich: Der Durchschnittsverdienst von Fachkräften im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich über alle Branchen hinweg lag bei 3.411 Euro.

Zwei Krankenpfleger bei der Arbeit.
Zwei Krankenpfleger bei der Arbeit. © imago

Niedrige Gehälter im Lebensmitteleinzelhandel

Lkw-Fahrer hingegen verdienten im Schnitt nur 2.583 Euro, Angestellte im Lebensmitteleinzelhandel 2.342 Euro brutto. Die Mehrzahl der Vollzeitbeschäftigten im letztgenannten Bereich ging sogar mit noch weniger Geld nach Hause: 60,2 Prozent von ihnen waren an- oder ungelernt – und erhielten lediglich rund 2.207 beziehungsweise 2.050 Euro brutto.

In Krankenhäusern wiederum bekamen Vollzeitkräfte im Mittel überdurchschnittliche 4.609 Euro – jedoch mit einer großen Spannbreite von Reinigungskräften (gut 2.400 Euro) bis zu leitenden Ärzten (über 8.000 Euro). Allerdings hatten dort 88,5 Prozent des Personals eine leitende Stellung inne oder übten Fachtätigkeiten aus.

"Danke heißt: Mehr Gehalt!"

Was auffällt: In den systemrelevanten Berufen arbeiten vor allem Frauen. In Krankenhäusern belief sich ihr Anteil im vergangenen Jahr auf 63,2 Prozent, in Altenheimen auf 70,5 Prozent. "Diese Zahlen sind im wahrsten Sinne ein Armutszeugnis", sagt Ates Gürpinar, Landessprecher der Linken in Bayern.

Die aktuelle Statistik des Landesamtes sei der Beleg für das, was seine Partei und die Gewerkschaften seit langem kritisierten: Menschen, welche die kritische Infrastruktur am Leben erhielten, würden besonders häufig mit Niedriglöhnen bezahlt. "Die aktuelle Krise zeigt uns, dass sie es sind, auf die alle Menschen angewiesen sind. Der Wert dieser Arbeit muss sich endlich auch in entsprechender Bezahlung wiederfinden. Danke heißt: Mehr Gehalt!"

Tabelle: Die Gehälter in den systemrelevanten Berufen

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