Börse-München-Chefin: „Bei uns kann der Bürger und Privatanleger anrufen“

AZ-Interview: Zum 180-jährigen Jubiläum der Börse München spricht deren Chefin Christine Bortenlänger über den Vorteil, dass ihr Unternehmen nicht den Gesetzen des Aktienmarktes unterworfen ist.
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Christine Bortenlänger (43) ist seit zehn Jahren Chefin der Börse München.
AZ Christine Bortenlänger (43) ist seit zehn Jahren Chefin der Börse München.

AZ-Interview: Zum 180-jährigen Jubiläum der Börse München spricht deren Chefin Christine Bortenlänger über den Vorteil, dass ihr Unternehmen nicht den Gesetzen des Aktienmarktes unterworfen ist.

AZ: Die Börse München wird heute 180 Jahre alt. Was für einen Marktanteil beim Wertpapierhandel hat sie eigentlich in Deutschland?

CHRISTINE BORTENLÄNGER: Wir wickeln ungefähr drei Prozent der Orders ab. Allerdings steht für uns der Marktanteil gar nicht so im Fokus. Diese Statistiken sind nicht besonders aussagekräftig, unter anderem deshalb, weil bei uns nicht mit Zertifikaten gehandelt wird, die an anderen Börsen für ein hohes Orderaufkommen sorgen, aber gar nicht unser Geschäft sind.

Anders gefragt: Verdient die Börse München im Kerngeschäft überhaupt Geld?

Unser Träger ist zwar eine AG, aber nicht börsennotiert. Deshalb veröffentlichen wir keine Gewinn- oder Verlustzahlen. Klar ist, dass die Jahre 2009 und 2010 schwierig waren. Klar ist auch, dass wir als privatwirtschaftliches Unternehmen auf Dauer profitabel wirtschaften müssen. Allerdings gilt für uns keine knallharte Gewinnmaximierung wie möglicherweise für die Deutsche Börse AG in Frankfurt. Die Börse München gehört ja dem Münchener Handelsverein, in dem vor allem Finanzdienstleister und Unternehmen zusammengeschlossen sind. Wir folgen also eher einer genossenschaftlichensähnliche Denke. Das erlaubt uns, auch in schwierigen Zeiten in Ruhe an Angeboten für den Finanzplatz München und seine Kunden zu arbeiten. Ziel ist es, attraktive wettbewerbsfähige und dennoch preiswerte Lösungen zu bieten. Der Anlegerschutz hat höchste Priorität.

Ketzer könnten argumentieren, den Finanzplatz München brauche es nicht, solange wir Frankfurt haben.

Doch, es braucht ihn. Wettbewerb belebt das Geschäft. Der Bürger und Privatanleger kann bei uns in München anrufen, wenn er etwas bei seinen Anlagegeschäften nicht versteht – in Frankfurt ist das viel schwieriger. Wir schreiben den Anlegerschutz mit unserem Handelssystem Max-One groß. Wir sind nicht darauf angewiesen, aus jedem Geschäft das Äußerste herauszuquetschen, sondern konzentrieren uns darauf, Lösungen für Firmen zu finden, die sich Geld beschaffen wollen, und darauf, Anleger zu unterstützen.

Unter der US-Finanzkrise und der EU-Schuldenkrise, an der die Börsen mit beteiligt waren, leiden jetzt vor allem die kleinen Leute. Wie geht es Ihnen als Börsenfrau damit?

Die Börsen waren nicht an der Krise schuld. Die Subprime-Papiere, die die Immobilienkrise in den USA ausgelöst haben, wurden an den Börsen vorbeigehandelt. Wären sie an den Börsen ge- und verkauft worden, hätte man die Schieflage des Marktes früher anhand der Kurse erkennen können. Der heftige Crash wäre uns erspart geblieben. Auch die Wetten auf griechische Staatsanleihen liefen an den Börsen vorbei. Und dafür, dass die US-Notenbank Geld druckt, um die Konjunktur zu stützen, können die Börsen auch nichts.

Wenn Sie die Finanzmärkte neu regulieren dürften – was würden Sie tun?

Ich würde dafür sorgen, dass der Handel mit bestimmten Papieren verboten wird und dass für riskante Eigenhandels-Geschäfte Eigenkapital vorgehalten werden muss. Es kann nicht sein, dass jeder Kredit für einen Mittelständler nach Basel III abgesichert werden muss, nicht aber die Spekulation am Kapitalmarkt.

sun

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