Boehringer legt Fokus bei Investitionen auf Wachstumsmärkte

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim sieht Wachstum und Dynamik derzeit vor allem jenseits von Deutschland und Europa. Langfristige Investitionen würden künftig gezielt dort ausgerichtet, wo sie Wachstumsmärkte am besten unterstützten, sagte Finanzvorstand Frank Hübler bei der Vorlage der Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2026.
Konzernchef Shashank Deshpande betonte, vor dem Hintergrund beschleunigter medizinischer Innovationen seien innovationsfreundliche Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel in den USA, entscheidend.
Die Aussagen folgen auf deutliche Kritik aus dem Unternehmen an der deutschen Gesundheitspolitik. Wie andere Pharmafirmen auch sieht sich Boehringer Ingelheim von dem jüngst beschlossenen Gesetz zur Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung über Gebühr belastet.
Boehringer-Deutschlandchef Médard Schoenmaeckers sieht hierzulande eine Bewegung in eine Richtung, bei der die Industrie de-priorisiert werde, wie er jüngst der Deutschen Presse-Agentur sagte. Im Juni hatte das Unternehmen geplante Investitionen von 900 Millionen Euro in Deutschland gestoppt.
Jardiance weiter starker Umsatzbringer
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres steigerte Boehringer seinen Umsatz währungsbereinigt um 16,2 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro. Den Gewinn weist das Unternehmen zum Halbjahr nicht aus.
Der Löwenanteil des Umsatzes entfiel mit 13,1 Milliarden Euro auf das Humanpharma-Geschäft, ein Plus von mehr als 20 Prozent. Allein 5,7 Milliarden Euro Umsatz brachte das Medikament Jardiance ein für die Behandlung von chronischen Nierenerkrankungen, Diabetes und Herzinsuffizienz.
Zwei neue Produkte im Blick
Eine starke Nachfrage vor allem in den Vereinigten Staaten sieht Boehringer auch bei zwei neuen Produkten: zum einen bei Jascayd mit dem Wirkstoff Nerandomilast gegen Lungenfibrose - einer Krankheit, bei der es zu einer Vernarbung von Lungengewebe kommt. Und zum anderen bei Hernexeos mit dem Wirkstoff Zongertinib zur Behandlung von Lungenkrebs. Beide Medikamente sind in der Europäischen Union noch nicht zugelassen.
Der Umsatz in der Tiergesundheit lag bei 2,6 Milliarden Euro, ein Anstieg um 0,4 Prozent. Dass sich das Plus hier in Grenzen hielt, begründete Boehringer Ingelheim mit einer gestiegenen Preissensibilität bei Verbraucherinnen und Verbraucherinnen und einem Rückgang bei Tierarztbesuchen.