Bericht: Engpässe in Stromnetz bremsen Chinas grüne Energie

China ist Weltmeister im Ausbau von Solar- und Windparks. Doch immer öfter geht die dort gewonnene Energie verloren. Das hat einer Analyse zufolge auch mit dem Stromnetz zu tun.
von  Johannes Neudecker, dpa
Strom aus Sonnen- und Windkraft hat gegenüber Kohle einen geringeren Anteil in Chinas Stromnetz. (Symbolbild)
Strom aus Sonnen- und Windkraft hat gegenüber Kohle einen geringeren Anteil in Chinas Stromnetz. (Symbolbild) © Johannes Neudecker/dpa

Unter Chinas massivem Ausbau erneuerbarer Energien drücken einer Analyse zufolge zunehmende Engpässe im Leitungsnetz auf die Produktion von Strom aus Sonne und Wind. Zu den Übertragungsengpässen als großem Hindernis schränkten neue Regelungen auf dem Strommarkt und Anreize für die Nutzung von Kohle die Flexibilität des Systems ein, hieß es in einem Bericht des Global Energy Monitor (GEM).

"Die Folge sind zunehmende Einspeisedrosselungen: Wind- und Solarstrom, der unter den vorherrschenden Wetterbedingungen hätte erzeugt werden können, wurde stattdessen reduziert oder ganz zurückgehalten", schrieben die Experten. Durch die sogenannten Ultrahochspannungsleitungen fließe nur zu einem Fünftel Solar- und Windenergie. 42 Prozent kämen aus Kohleverstromung, hieß es.

Strom muss weite Strecken zurücklegen 

Ultrahochspannungsleitungen können große Mengen an Energie über Tausende Kilometer mit geringem Energieverlust befördern. Denn die Herausforderung für die Volksrepublik besteht darin, den Strom aus den Solar- und Windparks der dafür besonders geeigneten nördlichen und nordwestlichen Regionen in die weit entfernten Industriehochburgen und bevölkerungsreichen Metropolen an der Ost- und Südküste zu transportieren.

Weltweit ist China Spitzenreiter im Ausbau grüner Energie. Laut den GEM-Experten gingen 2025 Solarparks mit einer Gesamtkapazität von 317 Gigawatt und Windkraftanlagen im Umfang von 120 Gigawatt ans Netz. Ein Gigawatt Strom reicht je nach Land für mehrere Hunderttausend Haushalte. GEM nutzt für die Berechnung eigene Datensätze. Die Organisation speist diese mit Regierungsangaben, Berichten der Energieunternehmen sowie Medienberichten. 

China setzt Ausbau fort

Die Volksrepublik verfügt über rund 1.200 Gigawatt an Solarenergie- und 640 Gigawatt an Windenergie-Kapazität. Derzeit baut China neue Windparks mit einer Gesamtkapazität von 251 Gigawatt. Nach Berechnungen des GEM könnte diese jährlich so viel Strom produzieren, wie Deutschland 2025 aus all seinen Stromquellen erzeugte.

Noch größer ist der Zubau bei Solarenergie. Hier errechneten die Analysten, dass China derzeit Parks mit einer Gesamtleistung von 262 Gigawatt baut. Verglichen mit den im Bau befindlichen Großanlagen im Rest der Welt, seien dies 25 Prozent mehr, hieß es im Bericht.

Kohle bleibt wichtiger Rückhalt

Die Experten halten es für möglich, dass China schon in diesem Jahr sein Fünfjahresplan-Ziel erreicht, bis 2030 den Anteil von Solar- und Windenergie an der gesamten Stromkapazität auf über 50 Prozent zu steigern. 

Doch Peking setzt parallel auf klimaschädliche Kohle. "Letztendlich wird der Erfolg von Chinas Megastandorten bei erneuerbarer Energie nicht an zusätzlichen Gigawatt gemessen, sondern an der Menge an Kohle, die sie aktiv ersetzen", sagte GEM-Analystin Aiqun Yu laut Mitteilung.

Kohle bringt China billigen Strom und Rückhalt in unsicheren Zeiten. Beispielsweise hatten schlechte Windbedingungen und deshalb weniger Strom aus den Windparks im März, April, Mai und Juni die Stromerzeugung aus Kohle steigen lassen, wie das Zentrum für Forschung zu Energie und sauberer Luft (Crea) analysierte. 

Verändert sich China Kohlenutzung?

Im Juni importierte die Volksrepublik mehr Kohle. Grund war ein schweres Minenunglück im Mai in der für Kohlebergbau wichtigen Provinz Shanxi, woraufhin die Behörden Sicherheitsüberprüfungen weiterer Gruben veranlassten und in der Folge die Produktion zurückgegangen war.

Zudem nutzt China Kohle, um über bestimmte Verfahren Chemikalien oder Gas herzustellen. Damit kann das Land aus dem im Überfluss vorhandenen Rohstoff zum Beispiel Stoffe für die Produktion von Alltagsproduktion aus Plastik erzeugen, für die sonst etwa Öl benötigt wird. Denn bei Erdöl ist China auf Importe angewiesen.

In der Kohleverstromung schätzen manche Experten mittlerweile, dass China ein Plateau erreicht haben könnte. 2025 produzierte China laut Crea erstmals seit Jahrzehnten weniger Strom aus Kohle als im Vorjahr. 

Mehr Batteriespeicher

Parallel baut die Volksrepublik große Batteriespeicher rasch aus, um Strom aus grüner Energie rund um die Uhr verfügbar zu machen. China ist bereits führend im Bau von Batterien. Der Boom in Künstlicher Intelligenz wird laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua den Ausbau von Batteriespeichern im laufenden Fünfjahresplan bis 2030 weiter befeuern.

Im ersten Quartal kamen laut Daten der Energiespeicher-Vereinigung Chinas eigenständige Energiespeichersysteme mit einer Kapazität von 23 Gigawattstunden hinzu - ein Anstieg um 205 Prozent verglichen mit demselben Vorjahreszeitraum. 

Zum Vergleich: Deutschland nahm laut dem Bundesverband Solarwirtschaft im selben Zeitraum zwei Gigawattstunden an neuer Speicherkapazität in Betrieb. Rechnet man mit durchschnittlich 3,3 Kilowattstunden Stromverbrauch am Tag für einen Einpersonenhaushalt, würde eine Gigawattstunde Strom für rund 300.000 Haushalte reichen.

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