Behörde warnt vor Recycling-Problemen

Die Preise für Plastik fallen und fallen. Das macht recycelte Materialien für Hersteller zunehmend unattraktiver. Dem solle ein Riegel vorgeschoben werden, fordern Experten.
| dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
Artikel empfehlen
Viele Einwegflaschen aus Plastik liegen auf einem Haufen.
Sebastian Kahnert/zb/dpa/dpa Viele Einwegflaschen aus Plastik liegen auf einem Haufen.

Osnabrück/Köln - Der niedrige Preis für Rohöl und damit auch Plastik setzt die Recyclingbranche in Deutschland unter Druck. Nun schlägt die zuständige Behörde Alarm und fordert Hersteller auf, recyceltes Material einzusetzen - auch wenn es teurer ist.

"Die aktuell geringe Nachfrage nach Kunststoff-Rezyklaten führt bei mehreren Recyclingbetrieben zur Existenzfrage", warnte die Chefin der Zentralen Stelle Verpackungsregister, Gunda Rachut, am Freitag. "Die Hersteller müssen gegensteuern und die Lücken zügig schließen. Kostenargumente allein greifen deutlich zu kurz."

Rohöl ist der Grundstoff, aus dem Plastik hergestellt wird. Die Preisdifferenz zwischen neuem Kunststoff und Rezyklaten, also Recyclingmaterial, nehme immer weiter zu, warnte die Zentrale Stelle, die die gesetzlichen Recyclingquoten kontrolliert. Wenn die verantwortlichen Hersteller den Rezyklateinsatz nicht deutlich steigerten, müsse der Gesetzgeber sie zwingen, sonst seien die Quoten nicht zu erfüllen. Die hohen Recyclingquoten bräuchten eigentlich zusätzliche Infrastruktur, sagte Rachut. "Doch angesichts der derzeitigen Lage gibt es keine Investitionen, und Pioniere des Kunststoffrecyclings stehen vor dem Aus."

Die Preise für neuen Kunststoff für Verpackungen seien in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent gesunken, und Corona habe diesen Trend noch einmal verstärkt, hieß es vom Bundesverband für Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse). So blieben ressourcenschonende Rezyklate zunehmend chancenlos.

"Wenn das Kunststoffrecycling in Zukunft noch eine Chance haben soll, müssen endlich Bedingungen geschaffen werden, die einen vergleichbaren Wettbewerbsrahmen zu Kunststoffneuware schaffen", forderte bvse-Vizepräsident Herbert Snell. "Der klimaschädliche CO2-Rucksack, der bei der Produktion von Kunststoffneuware entsteht, bleibt bei der Preisbildung bislang völlig außen vor. Dies muss sich dringend ändern." Man habe dem Bundesumweltministerium bereits einen Vorschlag gemacht, wie Kunststoffverarbeiter künftig zur Verwendung von recycelten Materialien angehalten werden könnten.

© dpa-infocom, dpa:200724-99-906705/4

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen Artikel empfehlen