Bauforscher: Normenflut macht Bauen teurer

Normen im Bau stehen schon lange in der Kritik: Sie machten alles komplizierter und teurer, heißt es oft. Dabei sollen sie Bauvorhaben vereinfachen und vereinheitlichen. Was läuft da schief?
dpa |
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Zu viele Normen machten das Bauen in Deutschland zu kompliziert und teuer, kritisieren zwei Bauforschungsinstitute. (Archivbild)
Zu viele Normen machten das Bauen in Deutschland zu kompliziert und teuer, kritisieren zwei Bauforschungsinstitute. (Archivbild) © Georg Wendt/dpa
Berlin

Normen sollen eigentlich für klare und einheitliche Prozesse sorgen und Dinge insbesondere auf dem Bau vereinfachen. Doch inzwischen gibt es aus Sicht zweiter Bauforschungsinstitute eine wahre Normenflut im Bau. Sie machen konkrete Vorschläge. 

Was ist eine Norm? 

Normen sind Dokumente, die bestimmte Anforderungen an Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren festlegen. Die Normen des Deutschen Instituts für Normung (DIN) etwa sorgen unter anderem dafür, dass Papier in einheitlichen Formaten in den Drucker passt oder dass Kletterausrüstung nach festgelegten Verfahren überprüft wird und sicher ist. 

Auch im Baubereich gibt es zahlreiche Normen. Sie sollen Bauverfahren, verwendete Materialien und Abläufe vereinheitlichen und das Bauen damit sicherer und einfacher machen. 

Wie entstehen Normen? 

"Die Normenentstehung ist selbst normiert und gewährleistet einen sorgfältigen und transparenten Entstehungsprozess", heißt es beim Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Der Normungsprozess beginnt demnach in der Regel mit einem Bedarf, der von Industrieverbänden, Unternehmen oder anderen Interessengruppen in Form eines Entwurfs formuliert wird. Dieser wird dann unter Beteiligung der jeweiligen Verbände und auch der Verbraucherinnen und Verbraucher diskutiert, verabschiedet und veröffentlicht.

Ist eine Norm rechtlich bindend? 

Nein, nicht automatisch. Normen sind der DIN zufolge zunächst grundsätzlich freiwillig in der Anwendung. Rechtsverbindlich werden sie demnach erst, wenn nationale Gesetze oder eine EU-Verordnung auf sie verweisen. Im Baubereich sei das etwa bei 20 Prozent aller Normen der Fall, heißt es vom Institut.

Was ist nun das Problem beim Bau? 

Aus Sicht zweier Bauforschungsinstitute - der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (Arge) und dem Institut für Bauforschung (IFB) - gibt es inzwischen zu viele Normen im Bauwesen. Sie machten das Bauen viel komplizierter und vor allem teurer. 

"In Deutschland werden kontinuierlich immer neue, komplexere und schärfere Normen entwickelt, die einfache und kostengünstige Lösungen ausbremsen", teilten die Einrichtungen mit. Rund ein Fünftel des seit 2020 verzeichneten starken Kostenanstiegs im Bau gehe auf neue oder sich geänderte Normen zurück, heißt es in einem Papier der beiden Einrichtungen. "Die Folge: Es wird weniger gebaut", teilte Arge-Institutsleiter Dietmar Walberg mit. 

Die Institute bemängeln überbordende Normen bei der Energieeffizienz von Gebäuden oder dem Schallschutz. "Fatal ist, dass die Qualität der Gebäude durch immer komplexere Normen nicht steigt", teilte IFB-Direktorin Heike Böhmer mit. "Im Gegenteil: Die Anzahl und vor allem die Kosten der Bauschäden haben stark zugenommen." Denn mehr Normen erfordern komplexere Bauprozesse, die zu Baufehlern führten. 

Was schlagen Arge und IFB vor?

Die Institute fordern einen Fokus auf den sogenannten Gebäudetyp E. Gemeint ist ein Planungsansatz im Bauwesen, der auf nicht-notwendige Ausstattungsmerkmale verzichtet und weniger Bürokratie erfordert. "Es gibt keine kostspieligen Extras: Auf komplexe und wartungsintensive Technik kann vielfach verzichtet werden", betonte Walberg. "Die Zahl der Steckdosen im Kinderzimmer oder Bad lässt sich in den meisten Fällen reduzieren."

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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