Frost und Schnee: Bahnsanierung Hamburg-Berlin stockt
Infolge des kalten Winters dauert die umfassende Sanierung der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin deutlich länger als geplant. "Wir müssen nach den letzten Tagen sagen, dass wir im Moment davon ausgehen, dass es nicht mehr möglich sein wird, zum 30. April in den Betrieb zu gehen", sagte der Vorstand für Infrastrukturplanung und -projekte bei der zuständigen Bahn-Tochter DB InfraGo, Gerd-Dietrich Bolte.
Wie lange sich der Abschluss der Bauarbeiten auf der Strecke verzögern wird, blieb zunächst unklar. Einen neuen Zeitplan will die Bahn am 13. März bekanntgeben. "Ziel ist es, eine für Reisende und Güterverkehrsunternehmen gleichermaßen verträgliche Lösung zu finden", teilte der Konzern mit. Für Fahrgäste gehen damit die Einschränkungen auf unbestimmte Zeit weiter.
Einschränkungen für Fahräste und Güterverkehr verlängern sich
Der Fernverkehr wird bis zur Fertigstellung weiter über Stendal und Uelzen umgeleitet. Er braucht derzeit mindestens 45 Minuten länger. Statt sonst zwei Verbindungen pro Stunde gibt es während der Sanierung nur noch eine Verbindung. Die Halte Ludwigslust und Wittenberge entfallen komplett.
Im Regionalverkehr fallen viele Verbindungen aus oder verkehren nur auf Teilstrecken. Für betroffene Pendlerinnen und Pendler wurde ein umfangreiches Ersatzverkehrskonzept mit Bussen eingerichtet. Die Fahrzeiten mit den Ersatzbussen sind deutlich länger. Auch der Ersatzverkehr werde so lange fortgesetzt, bis die Sanierung abgeschlossen sei, betonte die Bahn. Lange Umwege muss seit Anfang August auch der Güterverkehr hinnehmen.
Härtester Winter seit 15 Jahren
"Wir erleben in Deutschland, insbesondere im Norden und im Osten, den härtesten Winter seit 15 Jahren", betonte Bolte. Seit sechs Wochen seien die Arbeiten auf der Strecke in Verzug, weil Frost und Schnee vor allem die Kabeltiefbauarbeiten für die Signal- und Stellwerksanlagen nahezu unmöglich machten. "Das ist das, wo wir extreme Schwierigkeiten und faktisch keinen Fortschritt haben", hieß es. "Wir schauen seit Anfang Januar gebannt auf jede Woche und die Wettervorhersage."
Schwierig gestalten sich der bundeseigenen Bahn zufolge aufgrund der Kälte auch Arbeiten an den Oberleitungen. Diese hätten bereits im Januar erfolgen sollen, was aufgrund der Witterung aber nicht möglich gewesen sei.
Sanierung Hamburg-Hannover ebenfalls betroffen
Die Bahnstrecke Hamburg-Berlin ist seit Anfang Augst 2025 für die Sanierung gesperrt - zunächst war mit neun Monaten Bauzeit geplant worden. Die 280 Kilometer lange Strecke führt durch fünf Bundesländer und ist eine der wichtigsten Pendlerstrecken in Deutschland mit täglich rund 30.000 Fahrgästen im Fernverkehr und insgesamt 470 Zügen pro Tag. Bei der Planung der Strecke sei ein Puffer von zwei bis drei Wochen eingebaut worden, sagte Bolte weiter. Dieser sei inzwischen aber klar überschritten.
Direkt im Anschluss an die Modernisierung steht die Strecke Hamburg-Hannover auf dem Programm. Diese werde sich nun ebenfalls solange verzögern, bis der Korridor zwischen der Hanse- und der Hauptstadt fertig sei. Auf weitere geplante Streckensanierungen hätten die Verzögerungen aber keinen verschiebenden Einfluss.
Generalsanierungen sollen Netz wieder fit machen
Die Generalsanierung der Strecke Hamburg-Berlin ist Teil einer größeren Initiative: Die Deutsche Bahn will bis Mitte der 2030er Jahre mehr als 40 vielbefahrene Schienenkorridore grundlegend modernisieren. Auf diese Weise soll das an vielen Stellen marode und überlastete Streckennetz nach und nach wieder fit gemacht werden und die Pünktlichkeit steigen.
Den Anfang machte 2024 die sogenannte Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Hamburg-Berlin gilt als besondere Herausforderung, da sie deutlich länger und komplexer ist als die Riedbahn. Noch Mitte Dezember sah sich die Bahn bei der Sanierung auf einem guten Weg. Seit Anfang August seien rund 165 Kilometer Gleise, 241 Weichen, Schallschutzwände, Signale, Oberleitungen und Bahnsteige erneuert worden, hieß es damals.
Jetzt beginnt die Aufholjagd
Mit der Erneuerung der sogenannten Leit- und Sicherungstechnik stand die schwierigste Aufgabe aber noch bevor. Hunderte Kilometer Kabel, Signale und Weichenantriebe müssen ausgetauscht oder neu verlegt werden. Danach erfolgt laut Bahn ein mehrstufiger Prüf- und Abnahmeprozess.
Laut InfraGo-Vorstand Bolte geht es in den nächsten Wochen darum, den Rückstand wieder aufzuholen. Schon zuletzt seien die Arbeiter rund um die Uhr im Einsatz gewesen. Nun sollen zusätzliche Trupps und Monteure eingesetzt werden, um möglichst viele Arbeiten parallel durchzuführen. "Jeder Tag ist wichtig", sagte Bolte. "Wir wollen möglichst dicht an der geplanten Inbetriebnahme dran bleiben." Das hoffen auch die Fahrgäste.
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