Autobranche vertagt den Elektro-Neustart

Zu wenig Nachfrage, hohe Preise: Der Durchbruch alternativer Antriebe lässt auf sich warten
| Susanne Stephan
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GENF Schwarz und grün funkelnd steht sie da, die automobile Zukunft, das „Toyota FV2 Future Mobility Concept“. Das „Konzept“ wird durch die Körperbewegungen des Fahrers gesteuert, beschleunigt oder abgebremst. Ähnlich wie ein Pferd erkennt es die Stimmung seines Eigentümers und richtet sich danach, verspricht Toyota. 2030 soll es auf den Markt kommen.

Kühne Träume – doch bei der Umsetzung ihrer aktuellsten Vision kommt die Autoindustrie nicht recht voran. Alternative Antriebe sind eine Randerscheinung geworden, obwohl die Technologien marktreif sind. Die Bundesregierung will (offiziell) weiterhin im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf den deutschen Straßen sehen, aber gerade mal 6379 Elektroautos wurden 2013 in Deutschland zugelassen. In China, das wie kein anderes Land unter Smog leidet, wurden nicht einmal 18000 Elektroautos verkauft, berichtet Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg.

Auch die Hoffnungsträger von BMW, der i3 und der i8, werden den Aufbruch ins Elektrozeitalter wohl nicht herbeizaubern. Für den i3 hat BMW 11000 Vorbestellungen – ein Achtungserfolg, aber noch kein Massenphänomen. Für den i8 gibt es noch keine Zahlen. „Das Kundeninteresse ist sehr hoch“, sagt BMW-Chef Norbert Reithofer lediglich.

Mit ein Grund für das lahme Interesse ist der gesunkene Ölpreis. Wer an der herkömmlichen Tankstelle heute weniger zahlen muss als vor einem guten halben Jahr, interessiert sich nicht so sehr für Elektroautos. Dazu kommt immer noch die fehlende Infrastruktur: Mit einer Reichweite von rund 150 Kilometer (je nach Außentemperatur, Fahrweise und zusätzlichen Verbrauchern neben dem Motor) ist der i3 für viele Kunden noch nicht attraktiv. Stromtankstellen fehlen, und selbst, wenn es ein flächendeckendes Netz gäbe, müsste der Besitzer die langen Ladezeiten überbrücken. Erst der Zusatzmotor, den der Kunde mit bestellen kann, macht das Auto fit für längere Fahrten. Extras machen den ohnehin schon teuren Wagen allerdings noch teurer. Mit dem Zusatzantrieb werden fast 40000 Euro fällig.

Da ist Tesla weiter. Die Fahrzeuge des US-Herstellers reichen je nach Modell (und Fahrstil des Besitzers) bis zu knapp 500 Kilometer. Und Tesla hat sich dem Ziel verschrieben, Elektroautos für eine breite Kundschaft erschwinglich zu machen, plant eine günstigere Version seiner Elektrolimousine Model S. Tesla drängt mit aller Macht in den Markt, will seine Produktion von 22500 Autos im Jahr auf eine halbe Million steigern. Dazu investiert das Unternehmen sogar in den Aufbau eines Stromtankstellen-Netzes in Deutschland.

Aber auch diese „Schwalbe macht keinen Sommer“, unkt Auto-Experte Dudenhöffer. Die Industrie fordert in Deutschland staatliche Kaufanreize und stößt bei der Kanzlerin auf taube Ohren. Merkel drang sogar persönlich in Brüssel darauf, die CO2-Grenzwerte zu verwässern. Währenddessen freuen sich die Liebhaber PS-starker Verbrennungsmotoren über neue Modelle: beispielsweise den neuen BMW 4er Gran Coupé mit bis zu 306 PS.

 

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