Achtung Sparer: Bausparkassen kündigen Verträge

Seit einigen Monaten werfen Banken alte Kunden raus. Welche Banken das sind und warum sie das tun. Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen
| Verena Lehner
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Wer in sein „Bauspar-Schweinderl“ nur einzahlt, um die Rendite alter Zinsverträge zu nutzen, dem droht die Vertragskündigung.
Wer in sein „Bauspar-Schweinderl“ nur einzahlt, um die Rendite alter Zinsverträge zu nutzen, dem droht die Vertragskündigung.

Seit einigen Monaten werfen Banken systematisch langjährige Kunden raus. Welche  das sind und warum sie das tun. 

Kündigungswelle bei den Bausparverträgen: Die meisten Deutschen Bausparkassen trennen sich vorzeitig von vielen ihrer Kunden. Der Grund: Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank – das zumindest behaupten die Banken.

Welche Verträge werden momentan gekündigt? Die Bausparkassen trennen sich vor allem von Kunden, die ihre gut verzinsten Bauspareinlagen weiter laufen lassen, obwohl die Bausparsumme bereits vollständig eingezahlt ist. Von der Kündigung betroffen sind aber auch Verträge, die noch nicht vollständig bespart sind. Das heißt: Es wird auch gekündigt, obwohl die Bausparsumme noch nicht komplett einbezahlt ist. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn der Kunde länger als zehn Jahre nichts mehr auf sein Bausparkonto eingezahlt hat.

Wieso werden jetzt plötzlich auch Bausparverträge gekündigt, die noch nicht fertig bespart sind? Unter besonders schlauen Bausparfüchsen galt es immer als ein Geheimtipp in einen Bausparer immer nur so viel einzubezahlen, dass die Bausparsumme nie erreicht wird. Der Grund: Alte Bausparverträge waren meist so gut verzinst, dass es durchaus rentabel war, einfach nur einzubezahlen, ohne später das Bauspar-Darlehen in Anspruch zu nehmen. Diesen Zinsjägern wollen die Banken einen Strich durch die Rechnung machen. Außerdem wollen Banken mit dem Darlehen Geld verdienen. Verharren Kunden im Sparstadium, sieht es damit schlecht aus.

Wieviele Bausparkassen sprechen derzeit Kündigungen aus? 13 der insgesamt 20 deutschen Bausparkassen haben bereits Verträge gekippt – das hat eine Umfrage der Tageszeitung „Die Welt“ ergeben. Darunter sind sowohl private Bausparkassen als auch zahlreiche Landesbausparkassen (LBS).

Kunden welcher Banken können davon betroffen sein? Folgende Kreditinstitute haben bereits zahlreiche Verträge gekündigt: Aachener Bausparkasse, Alte Leipziger, Deutscher Ring, Postbank und Signal Iduna waren unter den ersten Banken, die Bausparverträge kündigten, obwohl sie noch nicht voll bespart waren, Weitere Banken folgten: Bausparkasse Mainz, LBS Bayern, LBS Hessen-Thüringen, LBS Nord, LBS Ost, LBS Rheinland-Pfalz, LBS West und auch Wüstenrot.

Bei welchen Banken sind die Langzeitsparer derzeit noch sicher? Wer seine Bausparsumme immer unter 100 Prozent hält, ist laut Umfrage der „Welt“ bislang noch sicher bei: Badenia, BHW, Debeka, LBS Saar, Schwäbisch Hall, LBS Schleswig-Holstein-Hamburg und LBS Baden-Württemberg. Die beiden letztgenannten Anbieter haben jedoch bereits entschieden, noch dieses Jahr Kündigungen zu verschicken.

Hier gehts zum Interview mit Finanzexperte Sascha Straubing

Wieviele Verträge wurden bislang bereits gekippt? Das ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Die größte Bausparkasse unter den Kündigern ist Wüstenrot. Sie hat einen Bestand von rund 3,5 Millionen Bausparverträgen. 30 000 davon hat sie gekündigt. Also nicht einmal ein Prozent des Gesamtbestandes. Ähnlich verhält es sich bei der LBS Bayern. Von insgesamt 2,1 Millionen Verträgen, hat sie 26 000 gekündigt.

Was sollten Bankkunden tun, wenn sie davon betroffen sind? Handelt es sich bei dem gekündigten Vertrag um einen Bausparvertrag, bei dem die Bausparsumme noch nicht vollständig einbezahlt ist, ist es sinnvoll Einspruch zu erheben. Auch eine Beschwerde bei der zuständigen Ombudsstelle ist taktisch zu empfehlen. Eine telefonische Rechtsberatung gibt es unter anderem auch bei der Verbraucherzentrale Bayern: Telefon  09001/8090010

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