Ab 10000 Euro Schaden mit der Versicherung per Anwalt streiten

Selbst renommierte Assekuranzen drücken sich oft um ihre Pflicht, sagt der Experte
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Jürgen Hennemann vertritt Kunden von Versicherungen vor Gericht, wenn diese ihre Ansprüche durchsetzen wollen.
Jürgen Hennemann vertritt Kunden von Versicherungen vor Gericht, wenn diese ihre Ansprüche durchsetzen wollen.

AZ: Welche Versicherungen machen am meisten Schwierigkeiten, wenn's an das Begleichen eines Schadens geht?

JÜRGEN HENNEMANN: Wir sehen dieses Verhalten durchgängig, über die gesamte Branche hinweg. Die Vorstellung des Verbrauchers, er könne mit einer problemlosen Schadenabwicklung rechnen, wenn er einen Vertrag mit einem Versicherer geschlossen hat, der sich als einer der Branchenführer präsentiert und entsprechend höhere Prämien verlangt, ist verkehrt. Man kauft sich über höhere Prämien keine Seriosität.

Können Kunden, die nicht anonym übers Internet, sondern bei einem Vermittler ihren Vertrag abschließen, im Schadenfall mit der Unterstützung dieses Experten rechnen?

Versicherungsvertreter beziehungsweise -Agenten geben sich gerne als Repräsentanten ihrer Versicherung aus, solange sie im Wohnzimmer des Kunden auf dessen Sofa sitzen. Das ändert sich, wenn es an die Regulierung größerer Schäden geht. So schnell, wie diese Damen und Herren abtauchen und ihre Kunden an die Direktion verweisen, können sie gar nicht schauen.

Bei welchen Versicherungsarten gibt es am meisten Probleme, wenn der Kunde einen Schaden meldet?

Sparten mit übermäßigen Ablehnungsquoten sind die Berufsunfähigkeitsversicherung und die private Unfallversicherung. Generell kann man sagen, dass Bagatellschäden oft schlank reguliert werden, jedoch ab fünfstelligen Beträgen die Probleme beginnen. Dann ist nicht mehr die Frage, ob die Versicherung sich weigert, zu zahlen, sondern mit welchen Mitteln die juristische Auseinandersetzung geführt wird.

Welche Fehler sollten Kunden vermeiden, wenn sie einen Schaden melden und Geld von der Versicherung wollen?

Sie sollten nicht glauben, sie könnten es allein deswegen mit der Versicherung aufnehmen, weil sie intelligent sind oder vielleicht sogar eine akademische Ausbildung haben. Das ist falsch - in den Versicherungen arbeiten Juristen, die über Jahrzehnte hinweg mit der Schadenregulierung zu tun haben. Da spielt auch der Intellekt keine Rolle. Diese Materie durchblickt nur der Fachanwalt. Selbst Juristen mit anderen Schwerpunkten unterlaufen in Auseinandersetzungen mit Versicherungen häufig gravierende Fehler.

Das würde ja heißen, dass der Kunde bei Schäden ab 10000 Euro automatisch zum Fachanwalt gehen muss. Wird das nicht teuer?

Kommt darauf an. Ich denke, einfache Fälle kann ein Anwalt im Rahmen einer Erstberatung bewältigen, das wären 249 Euro. Wenn jemand mit sechs Leitz-Ordnern und vielen medizinischen Gutachten unterm Arm kommt, wird der Aufwand des Anwalts und das Honorar natürlich höher sein. Wichtig ist es, einen Anwalt zu wählen, der nicht gleichzeitig für die Gegenseite arbeitet, also nur Kunden und nicht auch die Versicherer vertritt. Ich persönlich würde mir das im Zweifelsfall sogar schriftlich bestätigen lassen. Interview: Susanne Stephan

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