Teures Hobby: Gaming ist für viele zu kostspielig geworden

Gaming wird als Hobby immer teurer. Das ist nicht nur ein Gefühl, das wohl viele Verbraucherinnen und Verbraucher haben. Ein Branchenanalyst warnt sogar vor einer möglichen Zweiklassengesellschaft bei Videospielen. Selbst die neue Xbox-Chefin sprach intern bereits davon, dass das hauseigene Angebot Game Pass zu teuer geworden sei. Es war ein ungewöhnliches Eingeständnis.
Valve hat erst vor wenigen Wochen die Preise für bestimmte Modelle seines Spielkonsolen-Hybriden Steam Deck angehoben, Sony hat zuvor erneut den Preis für die PlayStation 5 erhöht und Nintendo erklärte kürzlich, dass die Switch 2 in Europa ab dem 1. September 2026 mehr kosten wird. Alle Hersteller geben an, dass dies mit der ökonomischen Lage beziehungsweise der Preisentwicklung bei Hardwarekomponenten zusammenhänge. Valve schrieb Ende Mai etwa von "gestiegenen Kosten für Arbeits- und Datenspeicher" sowie von "anderen globalen logistischen Herausforderungen [...], die die ganze Konsumelektronikbranche betreffen".
Auch die Videospiele selbst scheinen immer teurer zu werden. Der Hit "Pokémon Pokopia" sorgt beispielsweise zwar seit Anfang März für jede Menge Spielspaß, die digitale Variante kostet im offiziellen Nintendo Store ohne Rabatt allerdings rund 70 Euro. Im Laden liegt der UVP für die physische Version laut Handel sogar bei knapp 80 Euro.
Solche Beträge für Games hängen mit vielen Faktoren zusammen. Die Entwicklung von Videospielen, an denen große Teams arbeiten, ist sehr kostspielig geworden, die Arbeiten dauern häufig viele Jahre, hinzu kommen die aktuelle Wirtschaftslage, teils riesige Budgets fürs Marketing und mehr. Ein Trost für Endkundinnen und -kunden, die ebenso auf ihre Ausgaben achten müssen, ist das gleichfalls nicht. In den vergangenen Jahren wurde in der Branche unter Berufung auf all das zudem immer wieder von Entlassungen zahlreicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie von Schließungen von Studios berichtet. Derzeit gibt es die Sorge, dass es auch in Kürze zu einer neuen großen Entlassungswelle kommen könnte. US-Medien wie "IGN" berichten von einem befürchteten "Blutbad".
Erst teurer, dann günstiger und schließlich etwas anderes?
Ausgerechnet bei Xbox selbst hielt man den hauseigenen Spiele-Flatrate-Dienst Game Pass zuletzt ebenfalls für zu teuer. In einem internen Schreiben, das dem US-Portal "The Verge" zugespielt wurde, räumte die neue Chefin von Microsofts Gaming-Sparte, Asha Sharma, im April 2026 ein: "Kurzfristig ist der Game Pass zu teuer für Spieler geworden, deshalb brauchen wir eine bessere Wertgleichung." Weiter hieß es demnach, dass man langfristig den Game Pass "zu einem flexibleren System weiterentwickeln" wolle, dessen Erprobung allerdings Zeit benötige. Das derzeitige Modell sei nicht das finale.
Sharma ging mit dem Schreiben auf eine negative Stimmung in der Gaming-Szene ein, die sich immer weiter hochgeschaukelt hat. Microsoft hatte die Preise für das Abo mehrfach angehoben. Rund eine Woche nach Bekanntwerden des internen Schreibens kündigte das Unternehmen dann offiziell ein Update an und senkte den Preis des Game Pass Ultimate von zuvor rund 27 Euro auf knapp 21 Euro monatlich. Auch der PC Game Pass wurde zwei Euro günstiger. Dafür werden künftige Spiele der "Call of Duty"-Reihe nicht mehr zur Veröffentlichung direkt im Game Pass verfügbar sein. In einer öffentlichen Mitteilung war die Rede davon, dass man angeblich "weiterhin zuhören und dazulernen" wolle. Es gebe "zwar kein einzelnes Modell, das für alle das Beste ist, aber mit dieser Änderung berücksichtigen wir das Feedback, das wir bisher erhalten haben".
Gaming wird ein Hobby für Reiche?
Für Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher steht wohl weniger die Befürchtung im Vordergrund, dass Arbeitsplätze in der Gamingbranche verloren gehen. Viel mehr stellt sich die Frage: Wird Gaming gerade zu einer Zweiklassengesellschaft? Das Magazin "PC Gamer" beschrieb das Phänomen im vergangenen März mit dem Bild einer K-förmigen Wirtschaftsentwicklung. Oben stünden wohlhabende Menschen, die sich nach einer Krise finanziell erholen können oder vielleicht sogar noch besser dastehen; unten diejenigen, die arm bleiben oder noch ärmer werden. Übertragen könnte man es so betrachten: Oben die zahlungskräftigen Spielerinnen und Spieler, die sich teure Vollpreistitel für 80 Euro leisten können; unten jene, die sich mit kostenlosen Free-to-Play-Titeln oder deutlich vergünstigten Angeboten begnügen müssen.
Besonders deutlich wurde der Branchenanalyst Mat Piscatella. In einem Gespräch mit dem Printmagazin "Edge", aus dem "PC Gamer" zitiert, beschrieb er Videospiele als zunehmend ein Hobby für Reiche. "Ein größerer Teil des Marktes entfällt auf Menschen, die wohlhabender sind und höhere Einkommen haben, während die einkommensschwächeren Teile des Marktes wirklich zu kämpfen haben. Der Premium-Gaming-Bereich stützt sich immer stärker auf den wohlhabenden Konsumenten."
Ein ganzer Teil des Marktes werde Titeln wie "Fortnite", "Roblox", "Minecraft" oder Mobile-Spielen überlassen. Das Tückische und irgendwo auch Abstruse daran: Wer auf vermeintliche Gratis-Spiele ausweicht, zahlt am Ende oft trotzdem - das allerdings nicht in einem Stück, sondern in kleinen Häppchen über Mikrotransaktionen. Unterm Strich, so die Beobachtung, geben weniger wohlhabende Menschen dadurch womöglich auf Dauer sogar mehr aus als die zahlungskräftige Kundschaft.
So lässt es sich beim Spielen sparen
Piscatella habe angemerkt, dass Konsolenhersteller eine derartige Entwicklung bislang einfach geschehen lassen, statt ähnlich wie auf dem PC auch generell günstigere Spiele stärker in den Vordergrund zu rücken. Insbesondere dort gibt es in den vergangenen Jahren eine florierende Indie-Gaming-Szene. Einzelentwickler, unabhängige Studios und kleine Publisher setzen immer wieder außergewöhnliche Ideen um. Sie bieten zu oftmals deutlich günstigeren Preisen Spielerfahrungen, die zwar häufig grafisch nicht mit dem Bombast großer Produktionen mithalten können, dafür aber immer wieder mit bewegenden Geschichten oder besonderen Spielmechaniken glänzen.
Eine Möglichkeit, um relativ kostengünstig an Spielenachschub zu kommen, sind beispielsweise auch Angebote wie das seit Jahren etablierte "Humble Bundle". Der Anbieter verkauft im Bereich Videospiele vorwiegend Keys, die sich bei der bekannten PC-Plattform Steam einlösen lassen. Nach der Eingabe wird das entsprechende Game für die eigene Bibliothek freigeschaltet. Es gibt dort Spielepakete, sogenannte Bundles, die sich häufig bestimmten Themen, Publishern oder Entwicklerstudios widmen. "Humble Choice" ist daneben ein Abo für knapp 13 Euro pro Monat, das sich pausieren und jederzeit kündigen lässt. Selbst nach einer Kündigung hat man bei Steam weiterhin Zugriff auf die dort eingelösten Spiele, anders als etwa beim Game Pass. Ein vergleichbarer Anbieter für Bundles ist "Fanatical".
Daneben gibt es beispielsweise Plattformen wie "IsThereAnyDeal", bei denen man sich einen Überblick über derzeit angebotene Rabatte verschaffen oder direkt nach aktuellen Preisen bestimmter Titel suchen kann. Auch generelle Rabattaktionen, etwa saisonale Sales, sollten Spielerinnen und Spieler immer wieder im Blick behalten - egal auf welcher Plattform. Wer große Titel spielen möchte und sich etwas gedulden kann, findet viele davon nach einer gewissen Zeit immer wieder zu deutlich vergünstigten Preisen.