Sechs Bundesländer starten Open-Source-Bildungsplattform

Microsoft und Google sollen im Schulalltag künftig weniger selbstverständlich sein: Sechs Bundesländer setzen auf eine Open-Source-Plattform. Was sie Schulen bieten soll.
dpa |
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Sechs Bundesländer starten eine gemeinsame Bildungsplattform, die ohne Technik von Microsoft oder Google auskommt. (Symbolbild)
Sechs Bundesländer starten eine gemeinsame Bildungsplattform, die ohne Technik von Microsoft oder Google auskommt. (Symbolbild) © Sebastian Gollnow/dpa
Berlin

Im Bemühen um mehr digitale Souveränität im Bildungswesen gehen sechs deutsche Bundesländer einen neuen Weg. Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben sich auf einen Rahmenvertrag für eine digital souveräne Open-Source-Bildungsplattform geeinigt, die ohne Software von US-Tech-Riesen wie Microsoft oder Google auskommt. Wie am Rande des Digital-Gipfels der Bundesregierung in Berlin bekannt wurde, bildet die Software des Stuttgarter Unternehmens Nextcloud die technische Basis der Lösung. Der Berliner Hosting-Anbieter Ionos stellt die Infrastruktur bereit. 

Die Beschaffung wird über die Genossenschaft Govdigital eG abgewickelt, was es den Ländern ermöglicht, die Lösung ohne erneute Ausschreibungsverfahren zu beziehen. Govdigital eG ist das zentrale Kooperationsbündnis öffentlicher IT-Dienstleister in Deutschland.

Abhängigkeit von Microsoft und Google reduzieren

Das Projekt markiert einen bedeutenden Schritt, um die Abhängigkeit von großen US-Konzernen zu verringern. Gerade im Schulalltag, in dem Schüler frühzeitig im Umgang mit digitalen Werkzeugen geprägt werden, sehen Experten die Gefahr langfristiger Bindungen an proprietäre Systeme. Die neue Plattform soll als datenschutzkonforme Alternative dienen, die insbesondere den Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung entspricht und Schutz vor dem Zugriff durch US-Behörden bietet, wie er etwa durch den US Cloud Act ermöglicht wird.

Frank Karlitschek, Gründer und Geschäftsführer von Nextcloud, sieht in der Vereinbarung eine strategische Weichenstellung. Er betont, dass der öffentliche Sektor eine entscheidende Rolle bei der Etablierung europäischer Softwarelösungen spiele. "Wir brauchen europäische Champions, um digitale Souveränität zu erreichen und den europäischen Softwaresektor zu stärken", sagte Karlitschek der dpa. Der Staat könne dabei als sogenannter Leuchtturm-Kunde fungieren, der durch seine Nachfrage den Aufbau solcher Alternativen erst ermögliche. "Wir benötigen auch keine Fördergelder, sondern einfach nur Leuchtturm-Kunden."

Modell für öffentlichen Dienst und Privatwirtschaft

Während die sechs Länder nun gemeinsam starten, gibt es bereits Vorreiter im Bereich der digitalen Souveränität. So setzt Schleswig-Holstein bereits seit rund zwei Jahren eigenständig auf Nextcloud-Lösungen und ist daher nicht Teil des aktuellen Vergabepakets. Die neue Plattform soll den Schulen eine breite Palette an Funktionen bieten, darunter Dateiaustausch, Chat, Videokonferenzen, E-Mail, Kalender und Office-Anwendungen. Das Angebot richtet sich langfristig nicht nur an den Bildungssektor, sondern soll als Modell für den gesamten öffentlichen Dienst sowie die Privatwirtschaft dienen.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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