Netflix: Mehr KI bei Produktion von Filmen und Serien

Netflix kaufte jüngst die KI-Firma von Hollywood-Star Ben Affleck. Der Streaming-Marktführer hat damit große Pläne für die Produktion.
von  dpa
Netflix gab den Bieterkampf um das Hollywood-Urgestein Warner Brothers verloren.
Netflix gab den Bieterkampf um das Hollywood-Urgestein Warner Brothers verloren. © Fabian Sommer/dpa

Netflix geht davon aus, bei der Produktion von Filmen und Serien künftig mehr Künstliche Intelligenz einzusetzen. KI werde zwar nichts daran ändern, dass es großartige Künstler brauche, um großartige Kunst zu machen, sagte Co-Chef Ted Sarandos nach Vorlage frischer Quartalszahlen. Aber die Technologie könne diesen Künstlern bessere Werkzeuge bieten, um ihre Visionen zu verwirklichen.

Schon heute werde KI-Software bei Netflix unter anderem bei der Planung von Aufnahmen und für Spezialeffekte eingesetzt - aber man kratze dabei nur an der Oberfläche, betonte Sarandos. Netflix hatte Anfang März die von Hollywood-Star Ben Affleck gegründete Firma InterPositive gekauft, die auf KI-Werkzeuge für Filmemacher spezialisiert ist. Außerdem kommt Künstliche Intelligenz inzwischen auch bei den Programm-Empfehlungen zum Einsatz, die Nutzer auf der Netflix-Plattform zu sehen bekommen.

Der Einsatz von KI ist gerade ein heißes Thema in Hollywood. Studios sehen großes Potenzial für Kosteneinsparungen, Kreative fürchten, dass Menschen nach und nach aus dem Geschäft herausgedrängt werden könnten. 

Gewinnprognose enttäuscht Wall Street

Im vergangenen Quartal hatte Netflix die Entscheidung getroffen, den rund 83 Milliarden Dollar schweren Übernahmeplan für das Studio- und Streaming-Geschäft des Hollywood-Urgesteins Warner Brothers aufzugeben. Grund war, dass der Rivale Paramount mehr als 110 Milliarden Dollar für den gesamten Konzern Warner Bros. Discovery samt der Fernsehsender wie etwa CNN bot. Netflix gab sich geschlagen statt nachzulegen. Sarandos sieht das als Zeichen dafür, dass Netflix diszipliniert bei den Ausgaben ist.

An der Wall Street wurde davon ausgegangen, dass der Verzicht auf die Warner-Übernahme die Finanzen von Netflix erheblich entlasten werde. Analysten rechneten für das laufende Quartal im Schnitt mit einer Gewinnprognose von 84 US-Cent pro Aktie. Netflix stellte jedoch lediglich 78 Cent Gewinn pro Aktie in Aussicht. Die Aktie fiel im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als neun Prozent.

Auch das starke Abschneiden im vergangenen Vierteljahr zählte wenig. Da steigerte Netflix den Umsatz im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 12,3 Milliarden Dollar (10,4 Mrd Euro). Unterm Strich stieg der Gewinn um fast 83 Prozent auf 5,28 Milliarden Dollar. Pro Aktie gerechnet verdiente Netflix 1,23 Dollar - und übertraf damit deutlich die durchschnittliche Analystenprognose von 76 Cent pro Aktie. Nutzerzahlen veröffentlicht Netflix nur noch gelegentlich.

Langjähriger Chef verlässt Verwaltungsrat 

Bei der Vorlage der Quartalszahlen gab Netflix auch bekannt, dass der Mitgründer und langjährige Chef Reed Hastings den Verwaltungsrat verlassen werde. Der 65-Jährige werde sich bei Ablauf seines Mandats im Juni nicht mehr zur Wiederwahl stellen, hieß es. Vom Chefposten bei Netflix hatte sich Hastings bereits vor mehreren Jahren verabschiedet und bestimmte danach nur noch vom Aufsichtsgremium aus die Strategie mit. Sarandos betonte nach einer entsprechenden Analystenfrage, Hastings Abgang gehe nicht auf Differenzen rund um die Warner-Übernahmepläne zurück.

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