Erstes MacBook mit Touchscreen - und legendärem Oldie-Feature

Jahrelang hat Apple Touchscreens am Mac abgelehnt, nun bringt der Konzern das erste MacBook Pro, das sich mit den Fingern bedienen lässt. Es ersetzt die bisherigen Pro-Modelle nicht, sondern ergänzt die Reihe am oberen Ende der Preisspanne. Das günstigste Modell kostet rund 3.300 Euro, die teuerste Variante 16.100 Euro. In den Handel kommen die Geräte am 6. November.
Zwei OLED-Schichten statt Mini-LED
Das Display arbeitet mit Tandem-OLED-Technik, bei der zwei Pixelschichten übereinanderliegen. Über die gesamte Fläche soll es durchgehend bis zu 1.000 Nits erreichen, in der Spitze bis zu 2.000 Nits - sowohl bei SDR als auch bei HDR-Inhalten. Mehr als ausreichend, um problemlos bei Sonnenlicht im Freien zu arbeiten. Das Kontrastverhältnis gibt der Hersteller mit 10.000.000:1 an.
Die Bildwiederholrate passt sich zwischen 10 und 120 Hertz an den Inhalt an. Neben dem P3-Farbraum deckt das Panel auch Adobe RGB ab, was vor allem Fotografen und Designer ansprechen dürfte. Durch schmalere Ränder wachsen die Diagonalen auf 14,2 und 16,3 Zoll. Eine entspiegelnde Nanotextur-Oberfläche kostet Aufpreis.
Dynamic Island vom iPhone
Den Touchsensor hat Apple direkt in das Panel integriert, auch Gesten mit mehreren Fingern werden erkannt. Inhalte lassen sich auf dem Bildschirm verschieben, zoomen und per Wisch- oder Pinch-Geste steuern. Tastatur und Trackpad bleiben erhalten.
Apples eigene Programme sind nach Unternehmensangaben bereits für die neue Bedienungsart angepasst. Zum Start sollen auch mehrere Profi-Anwendungen Touch unterstützen, Apple nennt unter anderem Adobe Lightroom, DaVinci Resolve, Blender, Cinema 4D, ZBrush und Logic Pro. Andere Apps bleiben nutzbar, weil macOS Berührungen automatisch in Mausklicks übersetzt. Entwickler können darüber hinausgehende Touch-Funktionen einbauen. Unterstützung für den Apple Pencil hat Apple nach bisherigem Stand nicht angekündigt.
Neu am Mac ist auch die Dynamic Island, die vom iPhone bekannte Fläche rund um die Kamera. Dort bündelt Apple Suche, Statusanzeigen, Live-Aktivitäten und Siri AI.
Spürbar leichter
Laut Datenblatt wiegt das 14-Zoll-Modell rund 1,36 Kilogramm und damit etwa 220 Gramm weniger als der Vorgänger, der vor rund einem Jahr auf den Markt kam. Die 16-Zoll-Version liegt mit etwa 1,84 Kilogramm erstmals unter zwei Kilogramm. Die Abmessungen bleiben nahezu gleich.
Bei den Prozessoren greift Apple auf M5 Pro und M5 Max zurück, die bereits im Frühjahr erschienen sind. Damit steckt im neuen Spitzenmodell eine ältere Chip-Generation als im Einstiegs-MacBook-Pro, das Apple gerade mit dem M6 aktualisiert hat. Konfigurieren lassen sich bis zu 128 Gigabyte Arbeitsspeicher und bis zu 16 Terabyte SSD. Als Zielgruppe nennt Apple unter anderem Videoproduzenten, Softwareentwickler, 3D-Anwender und Nutzer lokaler KI-Anwendungen.
Die Anschlüsse bleiben vertraut: drei Thunderbolt-5-Ports, HDMI, SDXC-Kartenleser, MagSafe und eine Kopfhörerbuchse. Funkverbindungen laufen über Apples N1-Chip mit Wi-Fi 7 und Bluetooth 6, ein Mobilfunkmodem gibt es weiterhin nicht. Entsperrt wird per Touch ID, nicht per Face ID. Die Akkulaufzeit beziffert Apple je nach Ausstattung und Nutzung auf bis zu 24 Stunden, beim Surfen auf bis zu 14 Stunden. Per Schnellladung soll der Akku in etwa 30 Minuten zur Hälfte gefüllt sein.
Das Logo leuchtet wieder
Das 14-Zoll-Einstiegsmodell mit M5 Pro, 24 Gigabyte Arbeitsspeicher und einem Terabyte SSD kostet 3.299 Euro. Die 16-Zoll-Version beginnt bei 3.899 Euro. In der Vollausstattung, mit M5 Max (18 CPU- und 40 GPU-Kerne), 128 Gigabyte Arbeitsspeicher und 16 Terabyte SSD, verlangt Apple satte 16.099 Euro. Dabei ist weder die entspiegelnde Nanotextur noch ein Netzteil enthalten - Letzteres muss separat gekauft werden. Die Geräte gibt es in Schwarz oder Silber - und bringen zudem ein Feature mit, das ältere Apple-Semester stets gefeiert haben: Das Logo des Herstellers auf dem Deckel leuchtet wieder! Hoch ausgestattete Konfigurationen sollen erst ab dem 12. November ausgeliefert werden.
Kurswechsel mit offenem Ausgang
Für Apple ist der Schritt eine Abkehr von einer jahrelang vertretenen Linie. Bisher hatte der Konzern Touchbedienung dem iPad vorbehalten. Entscheidend wird, ob macOS sich mit dem Finger tatsächlich angenehm bedienen lässt. Das ist bisher offen. iPhone- und iPad-Apps laufen zwar seit Jahren auf dem Mac, galten dort aber nach Einschätzung von Fachmedien als wenig überzeugend. Ob der Touchscreen und das neue Display den Aufpreis gegenüber den weiterhin angebotenen Pro-Modellen ohne Touch rechtfertigen, werden erst die Tests zeigen.