EA schließt Studio BioWare - Aus für das nächste "Mass Effect"

Nach mehr als drei Jahrzehnten ist BioWare am Ende. Electronic Arts schließt das kanadische Studio, das mit seinen Reihen "Baldur's Gate", "Star Wars: Knights of the Old Republic", "Mass Effect" und "Dragon Age" Maßstäbe gesetzt und Spiele-Historie geschrieben hat. Zugleich stoppt der Publisher die Entwicklung des nächsten "Mass Effect"-Ablegers. Fans warten auf das Spiel, seit BioWare es im Dezember 2020 mit einem ersten Teaser angekündigt hatte.
Rund 400 Jobs fallen weg
Die Schließung gehört zu einem größeren Umbau des Konzerns. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch berichtete, will EA insgesamt rund 400 Arbeitsplätze abbauen. Rund 50 der Betroffenen sind bei BioWare beschäftigt. EA gibt außerdem den Standort im kanadischen Edmonton auf, wo das Studio 1995 gegründet wurde.
Am Ende arbeitete nur noch ein kleines Team an "Mass Effect"
Aus einer internen Mitteilung, die dem US-Branchenblatt "Variety" vorliegt, geht hervor, wie verkümmert das Projekt zuletzt war. Die EA-Führungskräfte Cam Weber (President und Chief Studios Officer) und David Tinson (President und Chief Operating Officer) schreiben demnach, dass nur noch ein kleines Team habe an dem Sci-Fi-Action-Rollenspiel gearbeitet habe und sich dieses obendrein noch in einer frühen Entwicklungsphase befand. Man habe deshalb beschlossen, die Entwicklung nicht fortzusetzen. Mit dieser Entscheidung schließe EA auch BioWare und den Standort Edmonton. Eine Erklärung, warum das Studio keine Zukunft mehr hat, enthält das Schreiben Berichten zufolge kaum. "BioWare ist ein legendäres Studio, das das Rollenspiel-Genre mitdefiniert hat, und wir treffen diese Entscheidung nicht leichtfertig", heißt es darin.
Noch vor kurzer Zeit klang das anders. Anfang 2025 erklärte BioWare, erfahrene Entwickler der ursprünglichen "Mass-Effect"-Trilogie arbeiteten an dem Nachfolger. Im selben Zeitraum schrumpfte das Studio allerdings deutlich: Nach Entlassungen und Versetzungen zu anderen EA-Studios blieben weniger als 100 Beschäftigte übrig. Im November 2025 versicherte Executive Producer Mike Gamble den Fans dennoch, das Spiel sei weiter in Arbeit, und zwar mit dem gesamten Studio. Zudem plant Amazon eine Serie zur Games-Vorlage.
BioWare hat die Schließung inzwischen in einer auf X veröffentlichten Erklärung bestätigt. Das Studio blickt darin auf mehr als 30 Jahre zurück und beschreibt sich als Zuhause für Geschichtenerzähler, Entwickler und Spieler. Das Wichtigste sei jetzt, das Team zu unterstützen. Den Fans dankt BioWare dafür, dass sie die Spiele gespielt, über Entscheidungen gestritten und die Figuren ins Herz geschlossen hätten. Die Spieler seien "der bedeutenste Teil unserer Geschichte" gewesen, heißt es zum Schluss.
— BioWare (@bioware) October 21, 2026
Glanzzeit und Abstieg
BioWare wurde von Ray Muzyka, Greg Zeschuk und Augustine Yip gegründet. Mit "Baldur's Gate" (1998) und "Baldur's Gate 2" (2000) stieg es zu einem der wichtigsten Rollenspielentwickler auf. Danach folgten unter anderem "Neverwinter Nights", "Star Wars: Knights of the Old Republic" und "Jade Empire".
Im Oktober 2007 kündigte EA an, BioWare gemeinsam mit Pandemic Studios für rund 775 Millionen US-Dollar zu kaufen. Die Übernahme wurde im Januar 2008 abgeschlossen. Unter dem neuen Eigentümer erlebte das Studio zunächst seine kommerziell stärkste Phase: "Mass Effect 2" und "Mass Effect 3" verkauften sich millionenfach, und die Reihe wurde zu einer der wichtigsten Marken des Konzerns. Mit "Dragon Age" baute BioWare eine zweite große Rollenspielserie auf.
Danach ging es bergab. "Mass Effect: Andromeda" stieß bei vielen Fans auf Kritik. Das 2019 erschienene Online-Spiel "Anthem", das Gamer mit fliegenden "Iron Man"-Rüstungen ausstattete, gilt als gescheitert. Auch "Dragon Age: The Veilguard", Ende 2024 veröffentlicht, verfehlte die wirtschaftlichen Ziele von EA. Anfang 2025 verkleinerte EA das Studio drastisch. Viele Entwickler wurden dauerhaft zu anderen EA-Studios versetzt, wo sie etwa an "Skate" oder einem "Iron-Man"-Spiel arbeiten. Laut Bloomberg blieben bei BioWare danach weniger als 100 Beschäftigte. Zwei Jahre zuvor waren es noch mehr als 200 gewesen.
20 Milliarden Dollar Schulden
Die Schließung ist der erste große Umbau seit dem Eigentümerwechsel. Seit dem 4. August gehört EA einem Konsortium aus dem saudi-arabischen Staatsfonds PIF, der Investmentfirma Silver Lake und Affinity Partners, der Firma von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Der Kauf kostete 55 Milliarden Dollar und wurde zu einem großen Teil mit Krediten finanziert. 20 Milliarden Dollar davon liegen als Schulden bei EA und müssen aus dem laufenden Geschäft getilgt werden. Ob das den Sparkurs erklärt, sagt EA nicht.
Das Memo zeigt, wo der Konzern künftig investieren will. Im Sportbereich entstehen neben "EA Sports FC" ein Open-World-Spiel rund um American Football und eine Neuauflage der Boxreihe "Fight Night". Die Studios Respawn und DICE sollen gemeinsam an einem Shooter-Projekt arbeiten. In Medienberichten wird spekuliert, dass es sich dabei um "Star Wars: Battlefront 3" handeln könnte. Nach anderen Berichten setzt EA außerdem auf neue "Battlefield"-Spiele, "Apex Legends" und die "Star Wars Jedi"-Reihe.
Den größten Teil seines Umsatzes macht EA inzwischen mit laufenden Einnahmen nach dem Verkauf eines Spiels. Im Geschäftsjahr bis Ende März 2026 stammten laut Jahresbericht an die US-Börsenaufsicht SEC rund 5,6 von 8 Milliarden Dollar Nettobuchungen aus Live-Service-Erlösen wie Zusatzinhalten und Mikrotransaktionen. Die Einnahmen aus dem "Ultimate Team"-Modus der Sportspiele bezeichnet EA selbst als wesentlich für sein Geschäft.