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Im Abo oder für neun Euro pro Karte: Die Berliner Philharmoniker übertragen ihre Konzerte ins Internet. Ohne schnellen Zugang läuft aber nichts
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Der Dirigent Sir Simon Rattle ist fast so technik-vernarrt wie sein Vor-Vorgänger Herbert von Karajan.
AP Der Dirigent Sir Simon Rattle ist fast so technik-vernarrt wie sein Vor-Vorgänger Herbert von Karajan.

Im Abo oder für neun Euro pro Karte: Die Berliner Philharmoniker übertragen ihre Konzerte ins Internet. Ohne schnellen Zugang läuft aber nichts

Über 80000 Neugierige surften in den letzten Tagen zur Homepage der Berliner Philharmoniker. 10000 Neugierige registrierten sich und 2500 zahlten fünf Euro, um das erste live im Internet übertragene Konzert von Sir Simon Rattles Mannen zu erleben.

Das ist keine spektakuläre Zahl, aber ein respektabler Beginn. Immerhin lockten Anzeigen in überregionalen Zeitungen noch einmal eine ausverkaufte Philharmonie ins Netz. Für schwarze Zahlen reicht das nicht: In drei Jahren könnte soll sich das Projekt mit rund 6000 zahlenden Besuchern (vielleicht) rechnen.

Ferngesteuerte Kameras

Für die Übertragung wurden fünf ferngesteuerte Kameras in der Philharmonie installiert. Die unprätentiöse Bildregie konzentrierte sich auf das kammermusikalische Zusammenspiel der Bläser und sorgte für mehr Atmosphäre als bei einem typischen Fernsehkonzert. Mit DSl 6000 war das Bild bei mittlerer Übertragungsqualität ruckelfrei. Der Klang war gut: Antonin Dvoráks Slawischer Tanz op. 46 Nr. 8 und die Symphonie Nr. 1 von Johannes Brahms tönten körnig, brillant und trennscharf aus durchschnittlichen PC-Lautsprechern.

Rund 30 Konzerte werden pro Jahr online vermarktet. Am kommenden Sonntag dirigiert Zubin Mehta Elliot Carters „Three Illusions für Orchester“, Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 mit Murray Perahia sowie die Symphonia domestica von Richard Strauss. Der einmalige, per Kreditkarte zu bezahlende Eintritt kostet dann 9.90 Euro. Bei einem Saison-Abo werden 149 Euro für den Zugang zu allen Live-Konzerten und dem Archiv fällig. Alfred Brendels letztes Gastspiel unter Rattle ist jedoch nicht dabei, weil der Pianist die Zustimmung verweigerte.

Keine Pläne in München

Solche Übertragungen wollen den Konzertbesuch nicht ersetzen. Sie geben dem Orchester ein modernes Image und steigern den Appetit auf das Live-Erlebnis. Münchens Orchester haben, soweit erreichbar, derzeit keine vergleichbaren Online-Pläne. So bleibt nur der Klick zu den Berlinern: Sie haben Bruckners Achte unter Christian Thielemann schon im Archiv.

Robert Braunmüller

Infos unter www.berliner-philharmoniker.de

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