Yusuf alias Cat Stevens in der Olympiahalle

Yusuf alias Cat Stevens schwenkt die Fahne der Versöhnung, serviert dabei Poesie mit Tiefgang – und bleibt nicht ganz kitschfrei
| Arno Frank Eser
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen

MÜNCHEN So etwas hat die Olympiahalle schon lange nicht mehr erlebt, zumindest die letzten 35 Jahre nicht: Ein Popkonzert wie ein Gottesdienst für den Frieden. Wenn Yusuf alias Cat Stevens seine Love & Peace-Songs vorträgt, singen die Fans – ob nun textsicher oder auch nicht – andächtig mit, zumindest in den Refrains. Poetische Meisterwerke mit Tiefgang und von großer Nachhaltigkeit.

Viele Besucher wischen sich nach dem Konzert verstohlen ein paar Tränchen der Rührung aus den Augenwinkeln. Zunächst betritt er ganz allein die Bühne, der Songwriter, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, Moslems und Christen zu versöhnen. Dann kommen nach und nach immer weitere Musiker dazu, bis schließlich eine komplette Band mit Schlagzeug im Einsatz ist. Doch nie wirkt der Sound überladen oder gar wuchtig; alles bleibt filigran und romantisch.

Manchmal wird es auch ein bisschen kitschig, zum Beispiel bei einer musicalähnlichen Sequenz mit dem Titel „Moonshadow”, die eine dramatische Liebesgeschichte andeutet, dann aber mit dem Hinweis „Fortsetzung folgt” wieder auf Eis gelegt wird. Die Fans in der zu drei Vierteln besetzten Halle sind natürlich in erster Linie gekommen, um die Evergreens aus der Cat Stevens-Zeit zu hören: „Never Never”, „I Love My Dog”, „The First Cut Is The Deepest”, „Where Do The Children Play” und natürlich „Morning Has Broken”. Und Yusuf baut sie alle mit ein in ein geschickt gestricktes Programm aus alten und neuen Liedern, die sich nahtlos einfügen in sein beeindruckendes Lebenswerk. Skurrile persönliche Erlebnisse in „Boots & Sand” stehen neben politischen Bekenntnissen für alle diejenigen, die für Würde, Freiheit und Demokratie kämpfen, zum Beispiel gerade in mehreren arabischen Ländern. Yusuf nennt sie „My People”, und den Song genau so.

Und dann lässt er den Zug wieder rollen, seinen legendären „Peace Train”, und es gibt Standing Ovations. Dazwischen jede Menge Peace-Zeichen per Hand oder per Video, immer wieder „God bless”, und am Schluss das Versprechen, bald wieder nach München zu kommen, „inch’allah”, wenn Gott will. Ein Konzert, das man so schnell nicht vergessen kann.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren