Wunderbares Bildungsbürger-Kindertheater

Jugendliche und Profis spielen gemeinsam im Kindermusical „Heimatlos” am Gärtnerplatztheater
| Robert Braunmüller
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Das Hunde- und Affentheater von Vater Vitalis (Sebastian Campione) im Musical "Heimatlos".
Hermann Posch Das Hunde- und Affentheater von Vater Vitalis (Sebastian Campione) im Musical "Heimatlos".

Jugendliche und Profis im Kindermusical „Heimatlos” am Gärtnerplatztheater

Im Orchestergraben sitzen, vom Dirigenten Liviu Petcu und einem Posaunisten abgesehen, nur Schüler des Pestalozzi-Gymnasiums und der Städtischen Musikschule. Die Hauptrolle singt und spielt Giulia Goldammer aus der Jugendtheatergruppe, deren Mitglieder als Chor und in kleineren Partien mitwirken. Die Seniorentruppe ist auch dabei – und der schärfste Kritikerblick kann sie alle zusammen nicht vom Gärtnerplatz-Ensemble unterscheiden.

Man zieht den Hut tief vor dem Regisseur Holger Seitz, der in den vergangenen fünf Jahren dies aufgebaut hat. Er wird nach dem Intendantenwechsel übrigens freischaffend arbeiten. Über das norwegische Musical „Heimatlos” mag man als Erwachsener lächeln: Es ist eine wilde Räuberpistole um ein geraubtes Kind von englischem Adel (nur echt mit Medaillon!), das nach wilden Abenteuern zu Mutter und Bruder zurückfindet. Aber die abstruse Geschichte rechtfertigt spannende Szenen, die Seitz effektvoll auf die Drehbühne gestellt hat.

Selbst das Kamasutra wird besungen. Es ist eben für jeden etwas dabei. Allerliebst sind aber auf jeden Fall das pantomimische Hundepaar und der Schimpanse, die neben den Bösewichtern für viel Abwechslung sorgen. Wie es sich gehört, haben die Schurken die beste Musik frei nach „Mahagonny” und der „Dreigroschenoper”. Milica Jovanovic, Mario Podrecnik und Daniel Fiolka geben dem komödiantischen Affen Zucker satt. Aus dem gleichen Material ist auch die Watte, in die der Komponist Gisle Kverndokk die Guten hüllte. Bildungsbürger alten Schlags dürften beim Hundetheaterchef (Sebastian Campione) an Johann Wolfgang von Goethe Mignon und den Harfner denken.

Schade nur, dass sich die Theatergastronomie noch immer nicht auf Kinder eingestellt hat. Der letzte Vorhang der für Menschen ab acht empfohlenen Premiere fiel um 21 Uhr. Die beiden Zehnjährigen in unserer Begleitung schliefen fast schon in der U-Bahn ein, die restlichen Vorstellungen enden noch später. In der Pause konnte aber eine von ihnen am Foto des „Zauberer von Oz” von 2009 im Foyer noch alle Figuren benennen. Besser lässt sich nicht loben, was Holger Seitz hier geleistet hat.

Gärtnerplatztheater, noch am 23. und 27. 3., 19.30 Uhr

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