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Michael Graeter besichtigt die Münchener Freiheit – nicht den Platz, sondern die Band in der Tonhalle
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Die alten Jungs von der Münchener Freiheit.
koch media Die alten Jungs von der Münchener Freiheit.

Michael Graeter besichtigt die Münchener Freiheit – nicht den Platz, sondern die Band in der Tonhalle

Münchener Freiheit – die Freiheit nehm ich mir – am Freitag in der Tonhalle. Die Band beweist Beständigkeit, ihre Weichspülung für Friseusen haftet zeitlos. Verlassene Ladies kleben an den Lippen von Sänger Stefan Zauner. Seit dreißig Jahren suggerieren er und Mitbegründer Aron Strobel mit ihrer Party-Combo Träume. Dass sie so weich sind, war für mich hart: „1000mal Du“, das wären 16 Minuten „Du“ an einem Stück. Oder „Ohne Dich schlaf ich heut nacht nicht ein“, oder „Bei Dir bin ich einfach besser drauf“. Ihre Zugkraft mit der Zutat „musikalische Lebensversicherung“ zeigt sich bei ihrem ausverkauften Konzert in der Tonhalle im ranzigem Ausgehviertel Kult-Fabrik.

2000 träumende Gesichter, himmeln die Combo an, trällern mit. Man ist froh, dass es deutsche Songs sind. Das in der Überzahl weibliche Publikum wiegt sich, das Bier to go im Becher, wie ein Weizenfeld im Wind. Extention-Haare mit abgelaufenem Verfallsdatum wehen rhythmisch vor mir. Da singen die Schickeria-Boys gerade: „Sie liebt Dich, wie Du bist“. Was will man mehr.

Die Münchener Freiheit musiziert auf tagheller Bühne, zeigt Falten wie Joe Cocker. Ein Dimmer hätte nicht geschadet. Die Welt will geschminkt sein.

Die Haupttüre der Tonhalle bleibt offen – für die Raucher, die Musik ohne Zigarette nicht genießen können. Voller Glücksseligkeit sitzt dort die Schwabinger Farrah Fawcett, Carola Fuchs. Obwohl sie wegen eines temperamentvollen Einsatzes an Krücken geht, wollte sie das Konzert nicht missen. „Ich komm’ nicht von Dir los“, ertönt es von der Bühne.

Bei Noura Elmassaoudi zündet Schwabings harmloseste Droge nicht. Das Mädchen mit dem Kleopatra-Kopf betreibt auf Ibiza und neuerdings auch in München eine „EGB“-Fashion-Boutique und steht mit glitzernden High-Heels und einem Partykleid-Nichts seitlich vor der Bühne. Die Musik ist ihr nicht peppig genug. Sie sei nur da, weil ihr Freund die Band seit 25 Jahren kennt. Michael Graeter

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