Wilde Schlachtrösser

Lang Lang glitzert mit Prokofjew, Mariss Jansons zerlegt Brahms im Herkulessaal.
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Lang Lang glitzert mit Prokofjew, Mariss Jansons zerlegt Brahms im Herkulessaal.

Vor dem Konzert wurde ein Zettel verteilt, der uns darüber informierte, dass Mariss Jansons Geburtstag habe. Also wäre es „eine feine Geste, wenn das Publikum ihm stehend applaudieren würde“. Der Maestro nahm’s gelassen hin, auch das später vom chinesischen Wunderpianisten am Flügel angestimmte „Happy birthday“.

Der chinesische Pianist Lang Lang präsentierte eines seiner Schlachtrösser. Das dritte Klavierkonzert von Prokofjew kommt ihm insoweit entgegen, als es nicht allzu viele Freiheiten für solistische Alleingänge erlaubt. Immer dann, wenn sich dieser Ausnahme-Künstler unterordnen muss und nicht ungehindert vor sich hin träumen darf, gelingen ihm grandiose Momente der Eindringlichkeit – im Ausdruck und auch in der Demonstration spieltechnischer Kabinettstückchen. Man wird dieses Konzert derzeit wohl von niemandem ähnlich überzeugend vorgeführt bekommen.

Begonnen hatte der Abend mit Schnittkes augenzwinkerndem Rondo „(K)ein Sommernachtstraum“, das ein einfaches, Schubert-ähnliches Thema instrumentalen Überlagerungen im Stile eines Charles Ives aussetzt. Zum Finale die Dritte von Brahms: Mariss Jansons zerlegte das Werk in wunderbare Einzelteile. Das Symphonieorchester des BR zog sich routiniert aus der Affäre. Das Publikum jubelte.

Volker Boser

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