Wenn Tonleitern im Hirn haften

Pianist Leif Ove Andsnes bei den Philis unter Thomas Dausgaard
| Christa Sigg
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Eitelkeiten sind dem Pianisten Leif Ove Andsnes vollkommen fremd.
Eitelkeiten sind dem Pianisten Leif Ove Andsnes vollkommen fremd.

Man hört förmlich die Skrupel, mit denen er seine Miniaturen komponiert hat. Auch bei der für György Kurtag geradezu ausladenden „...quasi una fantasia” für Klavier und Orchestergruppe. Nichts ist dem Zufall überlassen, kein noch so sphärisches Mundharmonika-Rauschen. Und auch Leif Ove Andsnes sitzt mit dicker Brille am Flügel, lässt die Noten keine Sekunde aus den Augen und zeigt ganz nebenbei, wie aufregend das Kombinieren von Tonleitern sein kann.

Was beim Üben von überschaubarem Reiz ist, gewinnt hier ganz eigene Qualitäten – und zieht sich schließlich noch durch den Beethoven.

Wie zornig stampfender Mozart kommt einem dessen erstes Klavierkonzert im Allegro con brio vor, durchzogen von unzähligen Tonleiter-Fetzen. So sehr sitzt Kurtag im Gedächtnis, und man würde sich auch bei Beethoven diese Intensität wünschen. Aber die Münchner Philharmoniker sind zu brav am Werk, die Sache will nicht zünden. Da mag der fabelhafte Thomas Dausgaard seinen langen Körper noch so sehr verbiegen – und ein absolut unprätentiöser Leif Ove Andsnes im Gegenzug aus der völligen Unaufgeregtheit jene Kraft schöpfen, die sein Spiel seit Jahren immer überzeugender macht.

An diesem Abend lag die Rettung in einem überschäumenden, tanztaumeltrunkenen Furioso aus dem Böhmerwald. Mit Dvoráks Sechster sind die Philis selbst morgens um fünf im Stande, ihr gesetztes Gasteigpublikum in den Rausch zu wirbeln. Das muss man können.

Noch am 27. Oktober um 19 und am 28. Oktober 2013 um 11 Uhr in der Philharmonie

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