Von wegen Verwesung!

Einfach gut getöpfert: Erfolgsautor Simon Beckett schickt seinen Helden ins Moor  
| Michael Stadler
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Der Horrorautor Simon Beckett
Random House Der Horrorautor Simon Beckett

Leichen mögen mit der Zeit verwesen. Manche Krimischauplätze bewahren jedoch ewig ihren Reiz: In die Sumpflandschaft von Dartmoor lädt Simon Beckett in seinem neuen Krimi ein, dem Ort, wo schon Sherlock Holmes und selbst die Fünf Freunde im Nebel ermittelten.

München Im Moor verliert man die Sicht und den Boden unter den Füßen. Hier können Attacken aus dem Nichts kommen – viel Potential für klassischen Grusel also. Und Beckett nutzt den altgedienten Schauerort, um dort seinen doch ganz modernen Helden, den Forensiker David Hunter, nach Gräbern suchen zu lassen: Der monströse Killer Monk hat vier Frauen umgebracht und vermutlich drei seiner Opfer hier vergraben. Eine Leiche wurde entdeckt, jetzt sollen noch die beiden anderen gefunden werden. Konserviert könnten sie noch sein, denn: Unter der Erde halten sich tote Leiber am längsten.

Ein Hauch von CSI weht auch durch „Verwesung“, den vierten Roman mit David Hunter. Ein paar wissenschaftliche Erklärungen geben dem Leser das Gefühl, in die Welt der forensischen Profis einzutauchen. Psychologische Spannung erzeugt Beckett, indem er die Köpfe der Polizisten mit Kompetenzfragen vernebelt. Romantische Möglichkeiten scheinen auf, wenn der zu diesem Zeitpunkt glücklich verheiratete Hunter Gefallen an der Profilerin Sophie findet. Und handfest wird es, wenn der inhaftierte Monk sich bereit erklärt, den Beamten bei der Grabsuche zu helfen - und ins Moor geholt wird. Die Polizei-Aktion läuft schief, und bevor Autor Beckett am Zeitrad dreht, lässt er lapidar, in ein paar Sätzen die Frau und die Tochter von Hunter bei einem Autounfall sterben.

Unter dem Trauma dieses Verlustes hat der schon in den drei vorherigen Abenteuern gelitten, hier kann man ihn in den ersten Seiten noch als zuverlässigen Familienmann erleben, wobei Beckett es nicht versteht, eine große Charakterveränderung zu inszenieren. Ich-Erzähler Hunter ist ein zurückhaltender Analytiker, der sich acht Jahre später erneut mit dem Fall Monk auseinandersetzen muss, weil dieser aus seiner Anstalt ausgebrochen ist. So kehrt er nach Dartmoor zurück, trifft auch Sophie wieder, die nun als Keramik-Künstlerin arbeitet. Ihre Töpfereien gefallen Hunter, sie seien funktional und in ihrer Einfachheit doch kunstvoll und schön. So könnte man auch Becketts Romane beschreiben, die mit solidem Handwerk die Bestsellerlisten erobern.

Michael Stadler

„Verwesung“ (Wunderlich, 448 Seiten, 22.95 Euro). Der Autor liest beim Krimifestival München, 20.3., in der BMW-Welt
 

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