Von Buhs und Blumen

Thomas Langhoffs Inszenierung der „Meistersinger" zum Abschluss der Münchner Opernfestspiele endet nur mit mittelmäßigen Erfolg. Tradition und ein schöner Streicherklang reichen für Wagner nicht aus.
| Abendzeitung
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Und ab in die Mottenkiste: Thomas Langhoffs Inszenierung der „Meistersinger“
dpa Und ab in die Mottenkiste: Thomas Langhoffs Inszenierung der „Meistersinger“

Thomas Langhoffs Inszenierung der „Meistersinger" zum Abschluss der Münchner Opernfestspiele endet nur mit mittelmäßigen Erfolg. Tradition und ein schöner Streicherklang reichen für Wagner nicht aus.

So sicher wie die Verkündigung rekordverdächtiger Auslastungszahlen knapp unter 100 Prozent am Ende der Festspiele ist ihr traditioneller Abschluss mit den „Meistersingern von Nürnberg“. Dem Holterdipolter der Holzbläser im Mittelteil der Ouvertüre, dem wackligen „Johannistag“- Chor und den Zünften auf der Festwiese war anzuhören, dass mit dieser Oper nur einmal jährlich in die Theaterferien hineinmusiziert wird.

Tradition und ein schöner Streicherklang reichen für Wagner nicht aus. Überall, wo es auf Präzision ankäme, lieferte das von Peter Schneider geleitete Staatsorchester nur unverbindliche Routine. Das altgolden schimmernde Vorspiel zum dritten Akt und die Begleitung des Wahn-Monologs gaben eine Ahnung dessen, was möglich wäre. Festspielwürdig war nur Anja Harteros als schüchtern-schwärmerische Eva.

„Der Flieder war’s“

Sie gestaltet jede musikalische Phrase mit persönlichem Bedacht und erfüllt die Figur mit Leben. Trotz einer lyrischen Grundierung ist ihr Sopran auch dem großen Ausbruch im dritten Akt gewachsen. Der mit Blumen überschüttete Publikumsliebling Wolfgang Brendel dagegen enttäuschte.

Anfangs wirkte der Sänger unangemessen schelmisch, später überwiegend missmutig und unter Stress. Zum Sachs gehört aber die Souveränität, die Brendel ebenso wenig verkörpert wie seine Schlitzohrigkeit. Allerdings steigerte er sich im dritten Akt nach einem Hänger beim Auftritt Evas gewaltig. Aber ein lyrischer Sachs, bei dem nur „Der Flieder war’s“ im Gedächtnis haftet, bleibt eine halbe Sache.

Schlechte Manieren

Wenn Robert Dean Smith eine Spur Poesie auftragen würde, wäre sein konkurrenzloser Stolzing noch besser. Der tenorale Jan Buchwald erinnerte an Ottfried Fischer und verwandelte den Kothner in einen Tölpel aus dem Bauerntheater. Aber er sang ebenso anständig wie der muntere Kevin Conners als David. Martin Gantner erlöste den Beckmesser von der holzschnittartigen Karikatur seines Vorgängers. Den grundsoliden Einspringer Kurt Rydl für seinen ruppigen Gesang auszubuhen, zeugt von schlechten Manieren.

Wenn der Spielplan ab September unter Nikolaus Bachler südlicher wird, darf diese künstlich am Leben erhaltene Repertoireleiche sterben. Dafür wird eine andere Hinterlassenschaft der Ära Jonas reanimiert: Die Festspiele 2009 enden mit Falstaffs „Alles ist Spaß auf Erden“. Immerhin mit Michael Volles dickem Ritter und Anja Harteros als Alice Ford.

Robert Braunmüller

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren