Vogelwilde Mixtur

Die Diva hält Hof: Jessye Normans präsentiert in der Philharmoniee ein eigenwilliges Programm und genügt ihrem Publikum - vor allem aber sich selbst.
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Die Diva hält Hof: Jessye Normans präsentiert in der Philharmoniee ein eigenwilliges Programm und genügt ihrem Publikum - vor allem aber sich selbst.

Eine perfekte Performance ist die halbe Miete. Manchmal fast die ganze. Und wenn es eine auch noch ohne Entourage schaffen kann, dann Jessye Norman. Sie genügt ihrem Publikum. Vor allem aber sich selbst. In der Philharmonie reicht das für einen langen Abend – oder war’s nicht doch eine Audienz?

Queen Jessye I. jedenfalls schreitet in vollem Ornat ins Licht der Scheinwerfer und strahlt. Schwarz schillert ihre Robe unter einer mächtigen Wolke aus Türkis, und ihr makelloses Antlitz leuchtet bis in die letzten Reihen. Ein paar charmante Worte an die Fangemeinde, und das Hochamt ist eröffnet.

Vier Jahreszeiten und eine fünfte – die der ewigen Liebe – bestimmen eine eigenwillige Liturgie, in die sich Brahms, Mahler, Wolf und leider auch Schubert neben Gershwin, Weill oder Vernon Duke mit seinem „April in Paris“ zusammenfügen und kurioserweise in dieser vogelwilden Mixtur funktionieren. Da wird die Abwechslung zum Stilmittel, vor allem aber die Manier zum Anker für eine Stimme, die nach 40 Karriere-Jahren lange nicht mehr on the top sein kann.

Doch die Norman bestimmt das Zeremoniell, und Mark Markham ist ihr Ministrant. Ein Eingeweihter, der jeden Atemzug seiner Priesterin kennt, jedes gutturale Gurren umschmeichelt, leisestem Wispern noch Flügel verleiht. Schumann und Co. rutschen hier an die Grenzen des Zumutbaren, Schuberts Gesicht verzerrt sich zur Grimasse. Aber Gershwins „Love walked in“ swingt easy and charming, Weills September-Song ist – ganz ohne Piano – einfach great, und „Summertime“, Zugabe Nummer drei, zu der Mama Jessye ein imaginäres Baby wiegt, liefert den Kick schlechthin. Irgendwie funktioniert das. Aber weh tut’s trotzdem. Christa Sigg

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