Um die Stimme herum gebaut

Die dänische Pop-Sängerin Aura Dione sucht in der mäßig besuchten Freiheizhalle nach ihrer musikalischen Identität
| Michael Stadler
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Aura Dione beim Aufmarsch zur Echo-Preisverleihung 2012 in Berlin.
dpa Aura Dione beim Aufmarsch zur Echo-Preisverleihung 2012 in Berlin.

Die dänische Pop-Sängerin Aura Dione sucht in der mäßig besuchten Freiheizhalle nach ihrer musikalischen Identität

Es war schon ein Gänsehaut-Erlebnis der zwiespältigen Sorte, sich die zweite CD von Aura Dione anzuhören. Da hatte die Dänin mit „Columbine“ ein passables Folk-Pop-Debüt hingelegt und ließ dann ihre Stimme bereits auf ihrem zweiten Werk „Before the Dinosaurs“ durch den Computer jagen und von kraftstrotzenden Disco-Beats umwummern. Das Folkmädel hatte sich als Dancefloor-Queen von Produzenten wie David Jost (Lady Gaga) neu erfinden lassen, willkommen in der Stromlinienform, und schon sah man die nächste Sängerin im genormten Plastikkleid sexy tanzen.

Nun ist die Freiheizhalle nicht unbedingt der Ort für große Inszenierungen, und der Bekanntheitsgrad der 27-jährigen Dänin ist augenscheinlich nicht hoch genug, um den Saal aus den Nähten platzen zu lassen. Als dann auch noch die fünfköpfige Männerband erst mal ein rockiges Intro spielt, woraufhin sich Dione etwas instabil mit „Masterpiece“ warm singt, entsteht der beruhigende Eindruck, dass die Würfel noch nicht gefallen sind. Von ihren zwei Jahren als Straßenmusikerin in Australien erzählt Dione, und lädt ihre erste Single „Something From Nothing“ nicht künstlich neu auf, sondern greift zur Akustikgitarre. Und ja, tatsächlich klingt ihre Stimme ein wenig nach Tracy Chapman.

Es gibt wenig Elektronik. Das Konzert ist um ihre Stimme gebaut. Und Kleiderwechsel erfolgen erfrischend zu Ungunsten des Glamours. Für „Glass Bone Crash“ kleben Händchen auf Diones silbernem Paillettenkleid, später zieht sie ein flauschig-buntes Kostüm an, um als wandelnde Flaschenbürste Cindy Laupers „True Colors“ zu covern. Alles ist möglich, schöne Midtempo-Nummern, ein Flirt mit dem Reggae, ein Ausflug in den Country, belanglose Balladen und eben ein Nummer-1-Disco-Hit wie „Geronimo“, der im knackigen Band-Sound an melodiöser Zugkraft gewinnt. Zur Zugabe schreitet sie mitten durchs Publikum, hautnah im weißen Prinzessinnenkleidchen. Aura Dione sucht nach ihrer musikalischen Identität, und der Zuhörer hat das Vergnügen eines abwechslungsreichen Konzerts. Ach, wenn das doch so bleiben könnte.

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