Tu felix Austria, heirate und jodle!

Mit dem Singspiel „Im Weißen Rössl” startet das Gärtnerplatztheater in die neue Saison. Intendant Köpplinger inszeniert und Stargast Maximilian Schell mimt den Kaiser – im schönen Fröttmaning
| Volker Boser
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Wie sich’s gehört, schneit Star-Kaiser Maximilian Schell bei der Probe auf dem roten Teppich herein – im schwarzen Mimen-Outfit. Keine Sorge, die Uniform hängt schon in der Garderobe.
Wie sich’s gehört, schneit Star-Kaiser Maximilian Schell bei der Probe auf dem roten Teppich herein – im schwarzen Mimen-Outfit. Keine Sorge, die Uniform hängt schon in der Garderobe.

Die ganze Welt ist himmelblau – zumindest im Deutschen Theater in Fröttmaning, wo am Donnerstag der neue Intendant des Gärtnerplatztheaters, Josef E. Köpplinger, seinen Einstand gibt. Ralph Benatzkys Singspiel „Im Weißen Rössl” verspricht, wenn man die kurzen Probeneindrücke zugrunde legt, ein Potpourri deftiger Folklore-Pointen zu werden – mit einem besonderen Gag: Der 81-jährige Weltstar und Oscar-Preisträger Maximilian Schell hat sich bereit erklärt, den Kaiser Franz Josef zu mimen. Auf die Frage, warum er sich das antut, gibt er eine einfache Antwort: „Es macht mir Spaß.”

Die Love Story vom Oberkellner Leopold, der sich im schönen Salzkammergut redlich Mühe gibt, die zunächst reichlich störrische „Rössl”-Wirtin Josepha Vogelhuber zu erobern, hat schon viel erlebt. Das unsäglich kitschige Film-Remake mit Peter Alexander von 1960 konnte die zweifelhafte Ehre verbuchen, ein ganzes Genre in Verruf gebracht zu haben. Als vor einigen Jahren in Göttingen ein erneuter Wiederbelebungsversuch gestartet wurde, warb das Theater in der Zeitung mit dem Slogan: „Garantiert ohne Peter Alexander”.

Auch Harald Serafins Open-Air-Spektakel in Mörbisch enttäuschte – trotz oder wegen Rainhard Fendrich. Eine französische Version – auf Platte – mit dem unvergleichlichen Bourvil ist noch immer ein Geheimtipp. Die Entdeckung lohnt sich (EMI).

1994 gab es in Berlins „Bar jeder Vernunft” eine Kultinszenierung von Ursli Pfister mit Meret Becker, Max Raabe und Otto Sander. Sie ist für viele das Maß aller Dinge. Josef E. Köpplinger hält dagegen: „Das war eine Kleinstfassung. Für mich hat das Original oberste Priorität. Ich möchte eine Balance zwischen der Liebesgeschichte und den parodistischen Elementen herstellen. Ganz nach der Devise: Glückliches Österreich, heirate und jodle!”

Dass es ihm gelungen ist, Maximilian Schell zu engagieren, kommentiert er lächelnd und durchaus selbstbewusst. „Er war mein Wunschkaiser. Schließlich soll er nach dem Willen des Volkes ein Übervater sein. Er hatte Inszenierungen von mir gesehen und vielleicht ja auch deshalb zugesagt.” Der prominente Gärtnerplatz-Gast sitzt derweil artig daneben und nickt. Manchmal blickt er kurz auf und wundert sich über die vielen „jungen Leute”, die um ihn herum sind. Die ein wenig ungalante Frage, ob er sich denn hier nicht unter Wert verkaufe, pariert er gekonnt: „Dann dürfte ich den Jedermann auch nicht spielen.”

In der Premiere singen und spielen Sigrid Hauser die Rössl-Wirtin, Daniel Prohaska den Leopold und Bettina Mönch das Klärchen. Michael von Au darf als Sigismund fragen, was er dafür kann, dass er so schön ist. Michael Brandstätter dirigiert. Bühnenbild und Kostüme stammen von Rainer Sinell. Für die Tänze ist Karl Alfred Schreiner verantwortlich.Dass alles klappt, wie es sich das Gärtnerplatz-Team vorgestellt hat, dürfte sicher sein: Im Salzkammergut, da kann man schließlich gut lustig sein. Vorausgesetzt, es regnet nicht.

„Im Weißen Rössl” – bis 11. November 2012 im Deutschen Theater, Karten unter Tel.21851920

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