Stille Nacht, heilige Nacht

Die Festspielnacht in den Fünf Höfen widmet sich heuer locker und gratis der Spiritualität
| Robert Braunmüller
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Viktor Schoner (re.) und Florian Scholz organisieren die Unicredit-Festspielnacht.
RBR Viktor Schoner (re.) und Florian Scholz organisieren die Unicredit-Festspielnacht.

Mehr als 15000 Besucher feiern alljährlich mit der Bayerischen Staatsoper in den Fünf Höfen die UniCredit Festspielnacht. Sie findet heuer zum zehnten Mal statt und ist wie immer kostenlos. Organisiert wird sie von den Staatsopern-Mitarbeitern Viktor Schoner und Florian Scholz.

AZ: Heuer fällt die Festspielnacht auf das letzte Wochenende der Pfingstferien. Fürchten Sie, dass weniger Besucher kommen?

VIKTOR SCHONER: Es muss auch was Schönes für die Leute geben, die in München geblieben sind. Da wir den Pavillon auf dem Marstallplatz am 28. Juni mit der Uraufführung von Miroslav Srnkas „Make no noise” eröffnen und am 1. Juli die Festspielpremiere von Olivier Messiaens „Saint François d'Assise” folgt, war der 25. Juni der logische Termin für unsere traditionelle Auftaktveranstaltung.

Letztes Jahr hatten Sie passend zu Puccinis „Tosca” das Motto „Diven”. Was hängt heuer am roten Faden?

FLORIAN SCHOLZ: Wir haben diesmal auf einen Titel verzichtet. Das Programm lehnt sich aber an die erste Festspiel-Premiere an. Messiaens Franziskus-Oper ist ein spirituelles Werk eines sehr religiösen Komponisten. Das haben wir ins Programm einfließen lassen. Die Nacht wird heuer etwas stiller und inniger.

Welche Musik haben Sie dazu ausgesucht?

SCHONER: Unser Generalmusikdirektor Kent Nagano dirigiert kleinere Werke von Messiaen. Es gibt Recitals mit Musik von Bach für Solo-Violine, Cello und Klavier in den verschiedensten Räumen. Auch ein Saxofon-Quartett hat sich Bach vorgenommen.

Was ist für Sie Spiritualität?

SCHOLZ: Es geht um die Frage, wie lebe ich richtig, wie lebe ich ein gutes Leben? Musik verhilft immer wieder zu Erlebnissen, die sich dem intellektuellen Zugriff entziehen und Räume eröffnen, die uns etwas erzählen, das sich nicht in Worte fassen lässt.

SCHONER: Oper ist ein fleischliches Genre, eine Bank auch. Dazu braucht es ein gewisses Gegengewicht. Aber wir nehmen das an dem Abend undogmatisch, denn das Programm soll zur Poetik einer Sommernacht passen. Deshalb gibt es auch diesseitige Musik wie Arien aus Verdis „La traviata”, gesungen von Mitgliedern des Opernstudios.

Wie finden Sie das Programm und die Künstler?

SCHOLZ: Seit Beginn der Intendanz von Nikolaus Bachler wird das Programm überwiegend von Künstlern der Staatsoper bestritten. Sie zeigen in verschiedensten Formationen ihre Vielseitigkeit.

Ein paar Beispiele, bitte.

SCHONER: Da wäre zum Beispiel ein Streichquartett oder die Bläser von Opera Brass aus dem Staatsorchester. Die Schlagzeuger verbreiten südamerikanisches Flair in allen Fünf Höfen. Der Kinderchor der Staatsoper bestreitet eine ganze Stunde mit Pippi Langstrumpf, dem Abendsegen aus „Hänsel und Gretel” sowie Ausschnitten aus „Tosca” und „Carmen”. Die Hofkantorei, ein Ensemble von Chormitgliedern, singt den Sonnengesang des Heiligen Franz in einer Vertonung von Sofia Gubaidulina in der Salvatorkirche. Unser Jugendorchester Attacca macht Kammermusik. Aber auch zwei unserer Maskenbildner zeigen in einer Show, was sie alles draufhaben.

Aber es gibt auch Gäste.

SCHOLZ: Das Orchester Jakobsplatz, das heuer Kammeropern im Marstall begleitet hat, spielt Klezmer. In gewisser Weise ist das ja auch spirituelle Musik. Bei Hugendubel liest Igal Shamir aus seinem Roman „Hitlers Violine”. Er wird auch selber Geige spielen. Und der ehemalige Wiener Intendant Ioan Holender liest aus seinen Erinnerungen „Ich bin noch nicht fertig".

Da steht recht lustiger Operntratsch drin. Wann sollte man da sein?

SCHONER: Am besten früh, es wird meistens sehr voll. Wir versuchen zwar, nach jedem Programmpunkt den Saal zu räumen, werden aber keine Gewalt anwenden und hoffen auf die Solidarität der Leute.

SCHOLZ: Der Andrang wird sich auch ein bisschen verteilen. Es gibt 13 verschiedene Spielorte einschließlich des Pavillons am Marstallplatz, wo das Opernstudio um 22.15 Uhr ein Programm bestreitet. Und für alle, die nirgends reinkommen, spielt die schräge Express-Brass-Band.

Da ich selber gerade ein Hungergefühl verspüre: Gibt es was zu essen?

SCHONER: Natürlich. Die gesamte Gastronomie der Fünf Höfe beteiligt sich.

Wie lange dauert die Planung der Festspielnacht?

SCHONER: Wir fangen im Dezember an, weil die 70 Veranstaltungen des Abends einen langen Vorlauf brauchen. Wir hatten zum Beispiel die Idee, Beethovens „Irische Gesänge” für Mezzosopran, Tenor und ein Klaviertrio aufzuführen. Diese ungewöhnliche Besetzung muss man erst einmal zusammenbringen.

Herr Scholz, sind Sie auch nächstes Jahr noch dabei?

SCHOLZ: Für mich ist es die vorletzte Festspielnacht, wenn man mich nicht vorher rauskickt. Erst 2012 fange ich als Intendant in Klagenfurt an.

Samstag, 25. Juni, ab 20 Uhr in den Fünf Höfen. Eintritt frei.

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