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Nymphenburg: Rossinis Oper „Die diebische Elster“ als Kammeroper im Hubertussaal
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Die Münchner Kammeroper bezaubert im Hubertussaal bei Rossinis „Diebischer Elster“ mit einer prächtigen Ensembleleistung.
Tobias Melle Die Münchner Kammeroper bezaubert im Hubertussaal bei Rossinis „Diebischer Elster“ mit einer prächtigen Ensembleleistung.

Nymphenburg: Rossinis Oper „Die diebische Elster“ als Kammeroper im Hubertussaal

Schon die Ouvertüre wurde vom edel-bürgerlichen Publikum zu Recht beklatscht: Das knappe Dutzend Musiker füllte den Saal spielerisch und transparent, die Flöte ließ tirilierend die titelgebende „Diebische Elster“ hören, und das klassikfremde, aber dezent gesetzte Akkordeon gab einen französischen Grundton vor.

Das sorgte nicht nur für einen volleren Klang, sondern passt perfekt zu diesem in der Nähe von Paris spielenden Rührstück französischer Herkunft, in dem die Kleptomanie der Elster einer Unschuld vom Lande (Scala-reif: Simona Eisinger als Ninetta) beinahe Kopf und Kragen kostet, weil sie den Bürgermeister abgewiesen hat (Peter Maruhn mit vollem Bass). Das Ganze endet mit einem Haberfeldtribunal, dem dann doch nur der Raubvogel zum Opfer fällt.

Bunte Glühbirnen verbreiten die Stimmung einer italienischen Nacht. Ein Dutzend Malerleitern stehen hingewürfelt an der Längsseite des Hubertussaals, dessen Wand auch als Projektionsfläche für Schattenspiele verwendet wird. Die gewagte Idee, den Raum auf der ganzen Querseite ohne Bühnenerhöhung zu bespielen und das Orchester im Rücken des Publikums klingen zu lassen, verschlechterte zwar die Sicht, erzeugte aber einen fantastisch räumlichen Stereo-Surround-Klang.

Gelungen verdichtet

Auch personell schaffte die Inszenierung von Dominik Wilgenbus eine gelungene Verdichtung, indem ein Schauspieler mehrere Nebenfiguren zusammenfasste. Er ließ auch die Stab-Marionetten-Elster unheilvoll elegant wie eine diabolische Diva kreisen. Moritz Trauzettel verlieh der Inszenierung mit pantomimischer Kunst, skurrilem Witz und magischen Momenten eine spannend geheimnisvolle Aura.

Eine weitere, begeisternde (Neben-)Figur war der Countertenor Thomas Lichtenecker als Pippo, dem Kürzungen zwar das hübsche Trinklied raubten, der aber dennoch mühelos und stimmschön alle bezauberte. Und wie gut sich auch eine ungekünstelte deutsche Sprache für Rossinis Melodien eignet, bewies der Regisseur mit seiner geglückten Übersetzung.

Gioachino Rossinis Auftrag war es 1817, für die Mailänder Scala weniger einen Einzel-Bravour-Zirkus zu komponieren, sondern auf das Ensemble zu setzen. Die Kammeroper München hat daraus einen wunderbaren kleinen Abend gemacht, der nicht größer hätte sein können.

Adrian Prechtel

Hubertussaal, bis 9. 9., jeweils 19 Uhr, Karten: Tel. 54 81 81 81

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