Schwere Allerseelenkost, zubereitet nach Art der Nouvelle Cuisine

Robin Ticciati, der junge Shooting-Star unter den Dirigenten, hinterließ beim Chor des Bayerischen Rundfunks mit Werken von Brahms und Schumann einen guten Eindruck
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Robin Ticciati ist ausgebildeter Geiger, Pianist und Schlagzeuger.  Mit 15 Jahren wandte er sich dem Dirigieren zu.
Paul Hampton Robin Ticciati ist ausgebildeter Geiger, Pianist und Schlagzeuger. Mit 15 Jahren wandte er sich dem Dirigieren zu.

Robin Ticciati, der junge Shooting-Star unter den Dirigenten, hinterließ beim Chor des Bayerischen Rundfunks mit Werken von Brahms und Schumann einen guten Eindruck

Wenn von aufregenden jungen Dirigenten die Rede ist, fällt neben Andris Nelsons, Yannick Nézet-Séguin oder Gustavo Dudamel unvermeidlich auch der Name Robin Ticciati. Während hiesige Orchester abwarteten, griffen die Bamberger Symphoniker zu: Der 27-jährige Brite ist seit dieser Saison ihr Erster Gastdirigent.

Die Fama des Wuschelkopfs reicht bereits für einen ausverkauften Herkulessaal. Bei seinem ersten Auftritt in München wiederholte Ticciati mit den Bambergern und dem Chor des Bayerischen Rundfunks live ein zuvor auf CD eingespieltes Allerseelenprogramm mit schicksaldüsterer Bekenntnismusik von Brahms und Schumann, das ein wenig verharmlosend „Romantische Serenade“ überschrieben war.

Die schwere Kost bereitete Ticciati nach Art der Nouvelle Couisine zu: Ausgezeichnete Zutaten wie der schlanke Klang des Chores und die Wärme des Orchesters blieben erhalten und wurden nicht in einer Mischklangsoße aus der Tüte ertränkt. Die nicht üppige, dafür umso noblere Stimme von Bernarda Fink fügte sich in der Altrhapsodie bestens in dieses Konzept unverqualmter Klarheit.

Eine schöne Platte ist nicht gleich ein rundes Konzert

Leider fehlte es dem Programm an Kontrasten, weil Weberns Variationen op. 30 kurzfristig durch Schumanns „Genoveva“-Ouvertüre ersetzt worden waren. Ihr langsamer Teil erklang ausdrucksvoll im reinen Klang des zurückgenommenen Streicher-Vibratos. Doch gegen Ende des Stücks näherten sich die Bamberger Symphoniker leider wieder jener dumpfdeutschen Wucht, die der Dirigent offenbar vermeiden wollte.

Ticciati hat eine starke Ausstrahlung, er hört als Interpret Details und den Klang genau aus und sorgt für ein spontan-frisches Orchesterspiel. Die ganz ganz große Begeisterung stellte sich zwar nicht ein. Aber wird noch werden.

Robert Braunmüller

Die Brahms-CD bei Tudor

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