Schröders Staatsrocker

Sie sind Deutschlands international erfolgreichste Hardrock-Band. Im März erscheint ihr Album „Sting In The Tail“. Eine Welttournee folgt, doch dann will sich die Band nach 40 Jahren auflösen
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Das sind (noch) die Scorpions: James Kottak (seit 1996, Schlagzeug), Matthias Jabs (seit 1979, Gitarre), Klaus Meine (seit 1969, Sänger), Rudolf Schenker (seit 1965, Gitarre) und Pawel Maciwoda (seit 2003, Bass). Foto: Steve Jennings
Steve Jennings Das sind (noch) die Scorpions: James Kottak (seit 1996, Schlagzeug), Matthias Jabs (seit 1979, Gitarre), Klaus Meine (seit 1969, Sänger), Rudolf Schenker (seit 1965, Gitarre) und Pawel Maciwoda (seit 2003, Bass). Foto: Steve Jennings

Sie sind Deutschlands international erfolgreichste Hardrock-Band. Im März erscheint ihr Album „Sting In The Tail“. Eine Welttournee folgt, doch dann will sich die Band nach 40 Jahren auflösen

Einst konnte man Mauern pfeifend zum Einsturz bringen. Der Wind hat sich gedreht. Auf ihrer Homepage teilen die Scorpions ihren Fans mit, dass Schluss ist – nach dem nächsten Album und einer anschließenden Welttournee. Sänger Klaus Meine und Gitarrist Rudolph Schenker sind 61, das gesetzliche Rentenalter rückt näher. Gitarrist Matthias Jabs (54) hat als Inhaber eines Gitarrenladens in der Münchner Pariser Straße eine Zweitkarriere.

Hannover, Mitte der 60er: Die Band hat eine enorme Wegstrecke zurückgelegt. Die Beatmusik hatte Deutschland im Griff. Bands wie die Lords, bei denen die Scorpions damals als Vorband spielen durften, zeigten, dass man mit herzhaftem deutschen Akzent, in Rüschenhemden und mit aufreizend gestutztem Pony auch die BRD zum Yeah-Yeah-Yeah-Land machen kann. Ende der 60er wurden der jüngere Schenker-Bruder Michael und Klaus Meine in die Gruppe aufgenommen.

Den Scorpions gelang der Durchbruch – in Japan. Das war eine völlig neue Erfahrung für Popmusik aus Deutschland, die bis dahin damit gekämpft hatte, den englischen und amerikanischen Sound nicht allzu peinlich nachzustellen. Mit den Scorpions war der heimische Rock exportwürdig geworden und, von der deutschen Jugend bestaunt, der heimeligen Piefigkeit souverän entkommen.

Aufstieg zu weltpolitischen Entertainern

Zur Goldenen Schallplatte in Japan konnte es „Virgin Killer" Mitte der 70er aber erst bringen, nachdem das Cover geändert worden war. Unter all den genretyischen Hard- bis Heavy-Plattenhüllen, die mit geschändeten Frauen und Zombies auf die hormonell problematische Situation männlicher Teenager verweisen, nimmt dieses Bild eine Sonderstellung ein. Und man darf sich fast sicher sein, dass die Scorpions rückblickend nicht noch einmal ein nacktes, minderjähriges Mädchen mit gespreizten Beinen auf eine Platte setzen würden,

Lange nach dem Aufstieg zum Erfolg buchte das Schicksal die Scorpions als weltpolitische Entertainer. Heute ist „Wind Of Change" im Formatradio gestrandet, das gepfiffene Intro fährt einem fies ins Rückenmark. Damals ließ Gorbatschow die Band im Kreml spielen, das rockmusikalisch unterernährte Osteuropa saugte aus diesem Song die Hoffnung, dass es eine Zukunft außerhalb des real existierenden Sozialismus gab.

Die Musikanten des Kanzlers aus Hannover

Die Zukunft entblätterte sich als nackter Kapitalismus. Auch die Scorpions sah man öfter Mal in Gesellschaft von Gerhard Schröder – angekommen im Establishment. Hier, wo Bono sich bis heute um internationale Krisenherde kümmert, Bob Geldof Benefiz-Konzerte organisiert und Marius Müller-Westernhagen „Freiheit" singt, um auch mal was zu sagen. Wer sich mit der Macht einlässt, wird für eine Wahlperiode von ihr bestrahlt. Und muss gemeinsam mit der herben Männlichkeit des zigarrenphallischen Basta-Kanzlers untergehen.

„Wir wollen die außergewöhnliche Scorpions-Karriere mit einem Höhepunkt zu Ende bringen," schreibt die Band auf ihrer Homepage, selbstredend sind die Musiker überzeugt, dass dieses, Mitte März erscheinende Album „zu den besten zählt, die wir geschrieben haben". „Sting In The Tail" wird es heißen. Im Internet kann man bereits in zwei Songs hineinhören. „Raised On Rock" und „The Good Die Young". Die neue Regierung klingt anders.

Christian Jooß

Die Scorpions spielen am 8. Mai in der Olympiahalle

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