Schiedsrichter? „Keine Roboter, sondern Menschen“

Der Dokumentarfilm „Referees At Work“ zeigt bisher unbekannte Einblicke in die Arbeit der besten Fußballschiedsrichter. Die Auswirkungen eines Pfiffes und die menschliche Seite der Unparteiischen stehen im Fokus.
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UEFA Action Images Alex Morton Illustration

Der Dokumentarfilm „Referees At Work“ zeigt bisher unbekannte Einblicke in die Arbeit der besten Fußballschiedsrichter. Die Auswirkungen eines Pfiffes und die menschliche Seite der Unparteiischen stehen im Fokus.

Es war ein Pfiff mit weitreichenden Folgen. Nicht nur für den englischen Schiedsrichter Howard Webb selbst, sondern für die ganze Europameisterschaft 2008. Österreich gegen Polen, Nachspielzeit. Gerangel im polnischen Strafraum. Und plötzlich ein Pfiff, Elfmeter und Unentschieden. Für Polen war es ein gestohlener Sieg, für Webb der blanke Horror. Morddrohungen waren nur die Spitze des Eisberges.

Eindrucksvoll schildern der belgische Produzent Jean Libon und Regisseur Yves Hinant, wie nicht nur der Schiedsrichter, sondern auch seine Familie, sogar eine ganze Nation unter einer absolut korrekten, aber für manche unbequemen Entscheidung, leiden. Aus bisher nicht bekannter Perspektive werden die Menschen, die hinter den Pfeifenmännern auf dem Platz stehen, gezeigt. Schon während der Halbzeitpause kann es in der Kabine auch mal richtig laut werden. Oder mucksmäuschenstill. Auch etwas gewöhnungsbedürftige Kuss-Rituale des Schiri-Trios sind keine Seltenheit, bevor es wieder auf den Platz geht.

Die faszinierenden Einblicke in den Spielablauf eines Schiedsrichters werden durch den Originalton der Gespräche unter den Unparteiischen-Teams enorm aufgewertet. Von gegenseitigem Hochjubeln nach der richtigen Einschätzung einer an sich banalen Spielsituation bis zu mittelstarken Kraftausdrücken, weil der Assistent einen auffälligen Spieler aus den Augen verloren hat – der mehrfach ausgezeichnete Film entwickelt ein schlüssiges Gesamtbild. Aus einem besonderen Blickwinkel, mit einer klaren Trennlinie zwischen der Professionalität auf dem Spielfeld und der Menschlichkeit abseits des Platzes. Diejenigen, deren Fehler keine anderen sind, als die der spielenden Akteure stehen im Mittelpunkt – so vermitteln es die Filmemacher. Einzig die einseitige Anspielung auf die Videobeweis-Debatte wirkt aus dem Zusammenhang gerissen. „Referees At Work“ zeigt die menschliche Seite des Fußballs. Wie sagte UEFA-Schirichef Yvan Cornu? „Schiedsrichter sind keine Roboter, sondern Menschen.“ Und Irren ist menschlich. Matthias Berger

„Referees At Work“, ab Freitag, 21. Mai, im Handel erhältlich

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