Schatten über dem Charmeur

In »Asterix« spielt er den römischen Kaiser Cäsar, eine selbstironische Altersrolle: Ein Porträt über Alain Delon
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Würdige Darstellung eines Staatsmannes, Feldherren und Autors: Alain Delon als eitler Gaius Julius Caesar (100 bis 44 v. Chr.) in „Asterix bei den Olympischen Spielen“. Foto: Constantin
Constantin Würdige Darstellung eines Staatsmannes, Feldherren und Autors: Alain Delon als eitler Gaius Julius Caesar (100 bis 44 v. Chr.) in „Asterix bei den Olympischen Spielen“. Foto: Constantin

In »Asterix« spielt er den römischen Kaiser Cäsar, eine selbstironische Altersrolle: Ein Porträt über Alain Delon

Dann flogen wir nach Paris. Die Filmproduktion hatte für die Presse ein Treffen mit meinem Partner arrangiert. Ich hasse diese Flughafen-Empfänge. Die Tür wird geöffnet, man tritt auf die Rolltreppe, Mammi steht hinter einem und flüstert: ,Jetzt lächeln, lächle!’ So war es auch diesmal. Lächeln. Blitzlichter. Starrende Augen. Unten, vor der Rolltreppe stand ein zu schöner, zu wohlfrisierter, zu junger Bursch’, ganz als Gentleman verkleidet, mit Schlips und Kragen und einem übertrieben modischen Anzug. Der Strauß roter Rosen in seiner Hand war auch zu rot. Ich fand das ganze geschmacklos und den Knaben uninteressant. Auch er fand mich zum Kotzen!“ Sommer 1958, Romy Schneider ist in Paris für die Dreharbeiten zu „Christine“, genau vor 50 Jahren.

Die 19-jährige „Jungfrau vom Geiselgasteig“ soll dem bösen Buben und französischen James-Dean-Typen zu Starruhm verhelfen. Es ist eine Schicksalsbegegnung. Alain Delon ist der Schönling, der schon Soldat in Indochina war, zudem Kellner und Straßenmusiker, der mit Freunden aus der Halbwelt Orgien feiert, Raufspiele mit Doggen veranstaltet, charmant-lächelnd Verehrerinnen und Verehrer verrückt macht.

Und nach Wochen gegenseitiger Abneigung funkt es plötzlich zwischen Romy Schneider und Alain Delon, der jetzt in einer selbstironischen Altersrolle Julius Cäsar in der neuen Asterix-Realverfilmung spielt. Und auch wenn er hier bereits sympathisch müde wirkt, den Imperator als unheimlich eitlen, aber desillusionierten Machthaber spielt, wird Alain Delon das Klischee des schönen, eiskalten Ganoven nicht los.

„Wäre ich nicht Schauspieler geworden, hätte ich gerne auch die Gangsterlaufbahn eingeschlagen“, gab Delon zu. In den letzten Jahren hat sich der 72-jährige Franzose zunehmend vom Kino zurückgezogen.

Im Herbst 2005, kurz vor Delons 70. Geburtstag, verkündete das französische Magazin „Paris Match“: Der alternde Schauspieler sei einsam, depressiv, gar lebensmüde und nur durch die Liebe einer Dame zu retten. „Mein Image ist das des knallharten Mackers. So einer darf keine Schwächen zeigen. Aber mir ist das scheißegal. Ich nehme mir das Recht zu sagen, was ich denke“, sagte er dagegen kampfeslustig dem „Stern“.

Arrogant oder charmant?

Berechnend, arrogant, egoman sei er, sagen die einen, charmant und liebevoll, urteilen andere. „Ich liebe es, dass man mich liebt, wie ich liebe, wenn ich liebe – mit Haut und Haaren, leidenschaftlich, besitzergreifend, verrückt“, philosophierte Delon. Ihn retten wollen die Frauen: „Was soll das? Sie meinen ja nicht mich, sie meinen den Mythos Delon. Und den hält keine aus.“

Auch Romy Schneider, mit der er von 1959 bis 1964 liiert war, wäre an diesem Enfant terrible fast zerbrochen.

Nachdem seine anderen Beziehungen, aus denen insgesamt drei Kinder hervorgingen, ebenfalls gescheitert sind, lebt Delon heute zurückgezogen in dem kleinen Dorf Douchy, 130 Kilometer von Paris. Geboren am 8. November 1935 in Sceaux, wuchs Delon bei einer Pflegefamilie auf. Bereits mit 17 Jahren trat er in die französische Armee ein und zog als Fallschirmjäger in den Indochinakrieg. Beteiligung an Folter, Mord? Darüber schweigt sich der Franzose aus, sagt jedoch rückblickend: „Das war die glücklichste Zeit meines Lebens. In einer einzigen Nacht habe ich dort die Gesetze des Dschungels und des Tötens gelernt und mich, mit der Waffe in der Hand, als richtiger Mann gefühlt.“ Das ist die andere, dunkle Seite des Patrioten und Napoleon-Verehrers Alain Delon. Die Klischees kommen nicht von ungefähr, immer wieder wurden ihm Verbindungen zur Unterwelt nachgesagt. Auch auf der Leinwand spielt er am liebsten den eiskalten Verbrecher: Mit „Die Killer lassen bitten“ erlebte er 1957 sein Filmdebüt. Unvergessen sind auch seine Auftritte als charmanter Mörder Tom Ripley in „Nur die Sonne war Zeuge“ (1960) oder als Profikiller Jef Costello in dem Meisterwerk „Der eiskalte Engel“ (1967). Seit 2000 dreht Delon hauptsächlich fürs Fernsehen. „Asterix bei den Olympischen Spielen“ ist sein erster Kinofilm seit über zehn Jahren. JG/adp

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